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Samstag, 15. August 2020

Great Dancers of Our Time - Malakhov, Lacarra & Kimura

Große Momente, große Tänzerinnen und Tänzer


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Great Dancers of Our Time' ist eine bemerkenswerte DVD mit besonderen Erinnerungsstücken an Vladimir Malakhov, Lucia Lacarra und Kiyoko Kimura mit kaum weniger bedeutenden Partnern. Leider in staubtrockener Studioatmosphäre.

Na wunderbar. Gerade hat sich der Startänzer Vladimir Malakhov von seiner Position als Chef des Berliner Staatsballetts nicht gänzlich freiwillig verabschiedet, da bringt diese bei EuroArts erschienene DVD schönste Erinnerungen an den Tänzer in Aufnahmen aus dem Jahre 2003. Gemeinsam mit Diana Vishneva tanzt er aus 'Manon' in der Choreografie von Kenneth MacMillan. Der sensible Pas de deux zur Musik von Jules Massenet gehört zu den schönsten Stücken dieser Kreation aus dem Jahre 1974. Bei Malakhov und Vishneva besticht die Technik. Im Ausdruck bleiben beide etwas eindimensional, dafür scheinen beiden die außergewöhnlichen Hebefiguren keinerlei Probleme zu bereiten. Vielleicht liegt es an der Studioatmosphäre dieser Aufnahme im Apollo-Saal der Berliner Staatsoper, dass insgesamt die Stimmung etwas unterkühlt bleibt. Renato Zanellas Choreografie 'Voyage' zum 'Adagio' aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 erfährt durch den Tänzer Vladimir Malakhov eine glückliche Aufwertung, der zudem zeigt, dass er in unterschiedlichen Stilrichtungen überzeugen kann.

Als die Ballets Russes 1911 zum ersten Mal in Monte Carlo 'Le Spectre de la Rose' in der Choreografie von Michail Fokine und der Ausstattung von Leon Bakst tanzten, war die Begeisterung außergewöhnlich. Sie hält bis heute an, und es bleibt Ausnahmetänzern, wie einst Vaslaw Nijinsky, vorbehalten, in den Traum der zur Uraufführung von Tamara Karsavina getanzten jungen Frau zu springen und sie als fleischgewordener Geist der Rose zu bezaubern. Das ist nicht zuletzt wegen der Musik Romantik pur, wunderbares Werden und Vergehen, Verschwimmen von Traum und Wirklichkeit, ganz im Geiste der 'Aufforderung zum Tanz' Carl Maria von Webers, etwas üppig instrumentiert von Hector Berlioz. Hier träumt Nadja Saidakova vom Berliner Staatsballett, Vladimir Malakhov ist ihr Traumgeist. Was einst das Publikum in den Begeisterungswahn trieb, nämlich der legendäre Sprung Nijinskys durch das geöffnete Fenster, vor allem sein Absprung zum Schluss, das wird hier ganz Fernsehgerecht zu einer Ein- und Ausblendung. Schade.

Lucia Lacarra ist zweifellos ein Star der internationalen Tanzszene. Die Spanierin ist erste Solistin bei Bayerischen Staatsballett. Hier zunächst zweimal Tschaikowsky, 'Schwanensee' (das Original), Pas de deux in weiß und die weiße Variation, die Choreografie von Marius Petipa. Partner im Pas de deux ist Cyril Pierre. Das ist technisch gesehen phänomenal. Etwas spannender aber wird es, wenn Handlung und stärkere Emotionen hinzukommen, wie bei einem Ausschnitt aus der 'Kameliendame' in einer Choreografie von Val Caniparoli aus dem Jahre 1994. Wie John Neumeier für seine Sicht auf die tragische Geschichte der mehrfach in Szene, Musik oder Tanz gesetzten Vorlage des Romans von Alexandre Dumas, verwendet auch der 1952 in Seattle geborene Caniparoli Musik von Chopin. Dieser Pas de deux zum zweiten Satz aus dem Ersten Klavierkonzert gibt den Klangteppich für eine Kurzfassung der unglücklichen Liebe zwischen dem schwärmerischen Studenten und der todkranken Kurtisane.

Im November dieses Jahres wird es zehn Jahre her sein, dass der früh vollendete Choreograf Uwe Scholz kurz vor seinem 46. Geburtstag starb. Zu seinen ersten Solisten in Leipzig, wo er von 1991 bis zu seinem Tod Chefchoreograf war, gehörten die japanische Tänzerin Kiyoko Kimura und der in Halle geborene Tänzer Christoph Böhm. Die Ausschnitte aus der Solochoreografie zu Bachs Kantate Nr. 51 'Jauchzet Gott in allen Landen', der Pas de deux zum 'Andantino' zu Mozarts 'Jenamy'-Klavierkonzert (Klavierkonzert Nr. 9 Es-Dur KV 271, ehemals bekannt unter dem inoffiziellen Beinamen 'Jeunehomme') und ein Duo zu Musik aus dem 'Adagio' der Achten Symphonie Anton Bruckners mit diesen beiden Solisten dürften die eindrücklichsten Stücke dieser TV-gerechten Dokumentation sein. Wie Kiyoko Kimura ganz sensibel sich eintanzt in den Koloraturjubel der Sopranistin, wie sie den Wetteifer mit der korrespondierenden Solotrompete aufnimmt, wie sie innehält, wie sie dann, wenn von Kreuz und Tod gesungen wird, in leichte Abwehrhaltung geht, das ist von besonderer tänzerischer und musikalischer Spiritualität wie sie dem Choreografen Uwe Scholz eigen ist. Emotionen ja, Übertreibung nein – so könnte man die Ausstrahlung der beiden Solisten bei ihrem Tanz zu Mozarts Musik beschreiben. Es sind, wie schon im Solo zu Bach, die kleinen Dinge, die kleinen Bewegungen der Hände, die Drehung des Kopfes, und immer wieder dieses wunderbare Innehalten bei Scholz, als gelte es, auf einen immer noch stärkeren, einen fernerer Ton zu hören.

Vier Jahre vor seinem Tod, 1999, kreierte Uwe Scholz unter Aufbietung aller Kräfte, für das Leipziger Ballett ein vermächtnishaftes Werk zur Symphonie Nr. 8 von Anton Bruckner. Hier ein Ausschnitt aus dem 'Adagio', ein Duo, ganz bewusst für Kiyoko Kimura und Christoph Böhm geschaffen. Das sind ergreifende Bilder des Ausruhens und des Abschieds, und doch ist die Thematik des Weitergehens das wesentliche Motiv dieser Choreografie. Beeindruckend, etwa wenn der Tänzer mit ausgebreiteten Armen wie ein Gekreuzigter vom Publikum weggeht und die Tänzerin mit dem Publikum zugewandtem Gesicht auf dem Rücken fortträgt. Sie gehen in der Originalen Schöpfung, was diese Aufnahme leider nicht zeigen kann, gewissermaßen in die Musik, denn das Gewandhausorchester in großer Bruckner-Besetzung bildete den fundamentalen Hintergrund der Szene auf der riesigen Bühne des Leipziger Opernhauses. Für Uwe Scholz war diese ganze Choreografie ein Gang über verbrannte Erde Es sollte ein versöhnender Gang über die von Deutschen verbrannte polnische Erde im Zweiten Weltkrieg sein. Mit diesen Ausschnitten wird am ehesten die Studioatmosphäre aufgebrochen.

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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Great Dancers of Our Time: Malakhov, Lacarra & Kimura

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
01.01.2012
Medium:
EAN:

DVD
880242534781


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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