> > > Xanthoudakis, Elena: Jewels of the Bel Canto
Mittwoch, 21. August 2019

Xanthoudakis, Elena - Jewels of the Bel Canto

Ein paar Juwelen des Belcanto


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Sopranistin Elena Xanthoudakis präsentiert an der Seite von Richard Bonynge und der Royal Northern Sinfonia einige Arien des Belcanto-Repertoires in einer Aufnahme, die so einige Juwelen bereithält.

Die CD-Regale biegen sich unter der Last unzähliger Aufnahmen mit Opern und Arien des Belcanto in seinen verschiedensten Ausformungen und Interpretationen. Fast jeder ‚große‘ Opernsänger legt irgendwann in seiner Karriere eine CD vor, die dem Belcanto gewidmet ist, was zu einer immensen CD-Auswahl führt. Und doch freuen sich Liebhaber des ‚schönen Gesangs‘ immer wieder auf Neuerscheinungen – auch wenn sie nicht selten davon enttäuscht werden. Das Repertoire überspannt schließlich eine große zeitliche und musikalische Bandbreite und stellt höchste Anforderungen an den Musiker. Leider werden aber nicht alle Sänger, die sich an die Kompositionen des Belcanto – meist an die anspruchsvollsten Arien – wagen, den Ansprüchen gerecht. Nicht jede Stimme eignet sich für die Interpretation dieses Gesangstils, obwohl es wohl ein Traum der meisten Sänger ist, diese Werke irgendwann einmal auf der Bühne zu singen oder einzuspielen.

Elena Xanthoudakis, eine erfolgreiche Nachwuchssängerin aus Australien, wagt sich nun mit ihrer CD ‚Jewels of the Belcanto‘ an dieses Repertoire, wobei sie sich auf Arien der großen italienischen Meister von Rossini bis Verdi konzentriert. In Auswahl, Vorbereitung und Umsetzung wurde sie intensiv beraten und begleitet von einem Experten auf dem Gebiet des Belcanto, dem Dirigenten Richard Bonynge, der auf der vorliegenden, bei signum erschienenen Aufnahme die Leitung der Royal Northern Sinfonia übernimmt. Die jahrzehntelange Erfahrung im Belcanto, die Bonynge – er ist mittlerweile über 80 Jahre alt – beisteuern kann, kam der jungen Sängerin sicherlich in der Erarbeitung des Repertoires zugute. So lässt sich auf eine anspruchsvolle und stilkundige Einspielung mit einigen ‚Juwelen‘ des Repertoires hoffen.

Die Auswahl an sich bietet nichts Herausragendes, Unbekanntes oder gar Neues. Vielmehr beinhaltet die CD einige der großen ‚Schlager‘ mit Donizettis 'Regnava nel silenzio', 'Chacun le sait' oder 'Ah! Non credea mirarti', die so oft und von so vielen Sopranistinnen interpretiert werden. Auch beschränkt sich Xanthoudakis auf ‚Jewels of the Belcanto‘ – der CD-Name lässt ja in gewisser Weise auf einige Seltenheiten des Belcanto hoffen – mit Rossini, Donizetti, Bellini und Verdi auf vier Komponisten, deren Werke wohl zu den bekanntesten und meistgespielten der italienischen Oper zählen. Einige seltenere Opern sind dann aber auch zu finden mit Arien aus Rossinis 'Le Comte Ory' oder 'Matilde di Shabran'. Gerade zu diesen Stücken wäre dann eine ausgiebige Besprechung im Booklet wünschenswert gewesen. So liefert die Sopranistin zwar selbst einen Text zur Arienauswahl, doch sind ihre Ausführungen kurz gehalten. Tiefergehende Informationen – auch im zweiten Text von Philip Gossett zu Geschichte und Überlieferung des ‚schönen Gesangs‘ –, die sich inhaltlich abheben würden von anderen Booklets zum Thema, wären sinnvoll gewesen. Insgesamt ist das Booklet aber äußerst umfangreich gestaltet, sodass die Arien mithilfe des in der Originalsprache und der englischen Übersetzung des Textes gut verfolgt werden können. Die Stärken der Aufnahme liegen trotzdem nicht in Kompositionsauswahl und äußerer Präsentation, sondern sind auf Ebene der Interpretation zu suchen.

Einen wichtigen Anteil an der Darbietung hat dabei das Kammerorchester, die Royal Northern Sinfonia, unter der Leitung von Richard Bonynge, der dem Ensemble alle zur Begleitung und Unterstützung der Sängerin erforderlichen Klangfarben entlocken kann. Sowohl was Tempo und Dynamik betrifft als auch was die Balance innerhalb des Orchesters und mit der Sopranistin anbelangt, zeigt sich die Royal Northern Sinfonia von ihrer besten Seite. Zum einen weiß das Orchester ausdrucksstark, vorwärtsdrängend und mitreißend in instrumentalen Passagen zu gestalten, um sich dann wiederum in Begleitabschnitten sensibel, aber mit großer Präsenz zurückzuhalten. Das gibt Xanthoudakis alle nötigen Freiheiten, wie Rossinis Szene und Aria 'Son tua per sempre … Ami alfine? ' eindrucksvoll beweist. Ein Höhepunkt der Aufnahme geht dann besonders auf der Ausdrucksstärke des Instrumentalensembles zurück: Gerade durch die solistische Leistung der Harfenistin Sharron Griffiths und ihrem Zusammenspiel mit den Kollegen der Northern Sinfonia werden nämlich Einleitung zu Rezitativ und Arie aus Donizettis 'Lucia di Lammermoor' 'Ancor non giunse! … Regnava nel silenzio' eindrucksvoll und bewegend. Mit perlenden Arpeggien und gleichsam verträumten Akkorden bereitet Griffiths das Warten der Lucia auf ihren Geliebten vor und bildet mit Unterstützung des Orchesters mit ihrem zarten, weichen Klang die nächtliche Atmosphäre am Brunnen im Schlosspark ab.

Die so geschaffene Stimmung greift Xanthoudakis gekonnt auf. Mit glasklarer, jugendlich frischer Stimme – so manch einer bevorzugt für die Lucia vielleicht eine etwas dunklere Stimmfarbe, auch wenn eine junge Stimme für die Rolle der Lucia perfekt ist – präsentiert Xanthoudakis den Opernauszug. Angenehme Weichheit in der Tiefe mit einer eindrucksvollen Fähigkeit, die langen Legato-Phrasen meisterhaft auf die Luft zu setzen, wird in ihrer Darbietung gepaart mit einer spielerisch-leichten Höhe. Hierbei ist auch ihre Zusammenarbeit mit der Mezzosopranistin Catherine Carby hervorzuheben, da die beiden in einen äußerst präsenten und überzeugenden Dialog eintreten. Carby und Xanthoudakis heben sich einerseits ausreichend voneinander ab, andererseits ergänzen sie sich hervorragend. Der hellen Klangfarbe Xanthoudakis‘ wird die volle, dunkle und weiche Stimme von Carby an die Seite gestellt.

Die hohen Anforderungen die dieser Auszug an die Interpreten stellt, werden also von den Sängerinnen, besonders natürlich von Xanthoudakis, technisch und interpretatorisch überzeugend gemeistert. Jedoch offenbart Xanthoudakis in ‚Jewels of the Belcanto‘ auch kleinere Schwächen: Obwohl sie in vielen Momenten zeigt, dass sie durchaus in der Lage ist, virtuose Abschnitte mit präzisen Verzierungen und schwungvollen Koloraturen beeindruckend zu gestalten, erreicht sie nicht bei allen derartigen Passagen ein meisterhaftes Niveau. Einige Koloraturen klingen so trotz aller Leichtigkeit, die ihre Stimme besitzt, leicht verwischt und die Triller sind von Zeit zu Zeit dem stimmeigenen Vibrato, das an sich wunderbar gleichmäßig ist, allzu ähnlich. Auch verliert ihre Stimme in der Höhe manchmal an der nötigen Wärme und Fülle, sodass der Klang leicht spitz wird. Insgesamt verfügt Xanthoudakis aber über eine angenehme, durch alle Register gleichmäßige und natürliche Klangfarbe, die zu keiner Zeit gekünstelt erscheint und für die Repertoireauswahl absolut passend ist. Die junge Sopranistin scheint den hohen Anforderungen der Kompositionen stimmlich und interpretatorisch gewachsen zu sein und macht mit ihren vokalen Qualitäten einige Programmpunkte zu glitzernden Edelsteinen des Belcanto-Repertoires.

So lässt sich abschließend feststellen, dass die Einspielung ‚Jewels of the Belcanto‘ ihrem Titel doch in vielerlei Hinsicht gerecht wird, auch wenn keine aufregenden oder wirklich seltenen Juwelen ausgegraben wurden. Kompositionsjuwelen in Form von einigen der wohl schönsten Arien des Belcanto des späten 18. und 19. Jahrhunderts werden aber dennoch präsentiert, und das in einer ansprechenden und in vielen Punkten beeindruckenden Interpretation.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Xanthoudakis, Elena: Jewels of the Bel Canto

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
02.05.2014
Medium:
EAN:

CD
635212037423


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