> > > Vivaldi, Antonio: Die vier Jahreszeiten
Dienstag, 23. April 2019

Vivaldi, Antonio - Die vier Jahreszeiten

Großartige Interpretation eines einzigartigen Werks


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vielleicht ist es die tausendste Einspielung von Vivaldis 'Vier Jahreszeiten', doch das Orchestra of the Age of Enlightenment präsentiert die Violinkonzerte in einer wahrlich bestechenden Interpretation.

Und schon wieder eine neue Einspielung von Vivaldis 'Vier Jahreszeiten' – da denkt sich wohl so mancher: Nicht schon wieder, die 'Jahreszeiten' gibt es doch gefühlt schon tausendmal auf CD! Im Falle der Aufnahme durch das Orchestra of the Age of Enlightenment (OAE) kann guten Herzens entgegnet werden, dass es sich dieses Mal mehr als gelohnt hat, diesen ‚Hit‘ des klassischen Repertoires nochmals einzuspielen. Das Orchester und seine Leiterin sowie Solistin Kati Debretzeni ziehen bei der im Label Signum Classics erschienenen CD alle Register: brillante Technik, perfektes Zusammenspiel und eine mitreißende Interpretation führen zu einem herausragenden Klangerlebnis, das die Einspielung aus den zahlreichen Aufnahmen der 'Vier Jahreszeiten' herausstechen lässt.

Doch wie genau schafft das nun das Orchester und seine Solistin? Die 'Vier Jahreszeiten' strotzen ja auf der einen Seite nur so vor Energie, wenn beispielsweise Wind und Donner im 'Allegro' des Frühlings über das Land fegen. Auf der anderen Seite zeigt Vivaldi aber auch äußerst intime Momente; so wiegt er mit den sanften, getragenen Klängen der Streicher und des Cembalos im 'Adagio molto' des Herbstes den Hörer zusammen mit den betrunkenen Bauern förmlich in den Schlaf. Diese musikalische Vielseitigkeit wird aber erst durch technisch anspruchsvollste Spieltechnik und stimmige Gestaltungsmittel wirkungsvoll. Deshalb sind viele andere Aufnahmen zwar ganz hübsch anzuhören sind, aber es fehlt ihnen doch oft an Brillanz und Überzeugungskraft. Ganz anders die Aufnahme des OAE, die zunächst einmal eine Klangqualität ohne Schwächen und Mängel aufzuweisen hat. Positiv hervorzuheben ist zudem ein Booklet, das das Hörerlebnis fantastisch ergänzt. Neben zwei kurzen Einleitungstexten zu den 'Vier Jahreszeiten' – wirklich tiefgehende Informationen scheinen bei einem so bekannten Werk auch nicht nötig zu sein – und den biographischen Angaben zu den Musikern werden nämlich die poetischen Texte abgedruckt, die Vivaldi dem Werk als Programm zur Seite stellte. Die Gedichte – leider wird neben Italienisch und Englisch nicht noch eine dritte Sprache angeboten – stehen somit im Zentrum des Booklets und begleiten das Hören gut, da die einzelnen Verse der Vertonung zeitlich zugeordnet werden. So kann der Hörer sich einfach nur dem Musikgenuss hingeben oder aber die Musik mit dem Programm nachverfolgen, wodurch Vivaldis Ideen hinter seiner Vertonung hervorragend erkennbar und verständlich werden. So wird ein für einige Hörer neuer Blickwinkel auf Vivaldis Kompositionen ermöglicht.

Größeren Anteil an der hohen Qualität der Aufnahme haben aber freilich Orchester und Solistin sowie deren interpretatorischer Zugang. Jeder einzelne Musiker des Ensembles präsentiert sich dabei als Spezialist auf seinem Instrument, sodass auch ausgefallene instrumentale Spielweisen wirkungsvoll, ohne störende Nebeneffekte eingesetzt werden können. So hört man die Zähne im eisigen 'Winter'-Wind förmlich klappern, wenn die Streicher im 'Allegro non molto' des Winters perkussive Klänge auf ihren Instrumenten erzeugen. Das Orchester bringt alle musikalischen Spezialeffekte, die Vivaldi in seine 'Jahreszeiten' integrierte, aufs Beste zu Geltung und erschafft ein lebendiges Jahresbild. Dazu hilft natürlich auch das perfekte Zusammenspiel der Musiker, die sich als homogenes Ensemble präsentieren. Echo-Effekte, instrumentale Gespräche von Tutti und Solo, dynamische Auf- und Abschwünge sowie Tempovariationen werden einvernehmlich und detailscharf gezeigt; das trägt entscheidend zur hohen Qualität der Aufnahme bei.

Die Solistin Kati Debretzeni kann kaum genug gelobt werden für ihren Vortrag. So ist ihr Spiel auf der einen Seite gekennzeichnet durch große lyrische Strahlkraft, die sie auf die Basis einer gekonnten Phrasierung stellt. Beispielsweise im 'Adagio' des 'Sommers' zieht sie mit einem sanften und einfühlsamen Klang ausgedehnte Linien, die sich auch durch die kleinen Donnereinwürfe des Orchesters nicht stören lassen, sondern wie eine musikalische Brücke den Satz zusammenhalten. Auf der anderen Seite zeigt sie ihre ganze technische Brillanz und Präzision in den virtuosen Passagen mit rasant dahinfegenden Läufen, wie während des Einbruchs des Sturms im dritten Satz des 'Sommers'. Debretzeni schafft es mit ihrer Spielweise, dass keinerlei Brüche zwischen Solo- und Tutti-Abschnitten entstehen. Die Solistin ist zugleich auch fester Bestandteil des Ensembles und tritt in den Dienst des Gesamtklangs, wodurch sich ein eng verwobenes musikalisches Bild entwickeln kann.

So sind die 'Vier Jahreszeiten' in der Aufnahme des OAE mit Kati Debretzeni ein Erfolg auf ganzer Linie und stechen aus der Vielzahl an vorhandenen Einspielungen in vielerlei Hinsicht hervor. Obwohl Vivaldis 'Jahreszeiten' so bekannt sind und vielleicht deshalb für den ein oder anderen an Reiz verloren haben, zeigt die vorliegende CD, dass eine großartige Interpretation wie diese die Einzigartigkeit der Violinkonzerte aufs Neue erlebbar machen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vivaldi, Antonio: Die vier Jahreszeiten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
02.05.2014
EAN:

635212037720


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signum classics

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