> > > Schönberg, Arnold: Pierrot Lunaire
Samstag, 4. Februar 2023

Schönberg, Arnold - Pierrot Lunaire

Vorbildliche Wiederveröffentlichung


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In der "studio reihe" des labels Wergo erscheint eine Wiederveröffentlichung von Pierre Boulez' Einspielung des Schönberg'schen 'Pierrot lunaire'.

An dieser Stelle wurde bereits mehrfach auf die vorbildliche Art hingewiesen, mit der das Label Wergo in seiner ‚studio reihe‘ die auf Schallplatte veröffentlichten Einspielungen aus der Frühzeit seiner Geschichte erneut dem Publikum zugänglich macht. Die vorliegende CD ist ein Paradebeispiel für das damit verbundene Vorgehen: Gegenstand ist jene unter Leitung von Pierre Boulez entstandene Aufnahme von Arnold Schönbergs 'Pierrot lunaire' op. 21 (1912) aus dem Jahr 1961, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Qualität – und trotz einer inzwischen kontinuierlich angewachsenen Anzahl alternativer Umsetzungen – auch heute noch Referenzcharakter beanspruchen kann.

Boulez hat die bei ihrer Uraufführung zum Skandal geratenen ‚dreimal sieben Gedichte nach Albert Giraud‘ zwar später noch einmal mit Christine Schäfer und Musikern des Ensemble Intercontemporain eingespielt; doch ist seine frühe Aufnahme vor allem in Bezug auf die Ausgestaltung des komplexen, hier von Helga Pilarczyk realisierten Sprechstimmenparts der jüngeren Wiedergabe weit überlegen. Auch jenseits der Frage nach der richtigen Ausführung der Deklamation – unter den 'Pierrot lunaire'-Interpreten von Rang ein immer noch umstrittenes Thema – wirkt die historische, mehr als fünf Jahrzehnte alte Aufnahme erstaunlich frisch. Hierzu trägt die Klarheit der Diktion bei, die sich einem analytischen, gleichsam sezierenden Zugriff des Dirigenten auf das Stück ebenso verdankt wie dem prägnanten und plastischen Vortrag der beteiligten Musiker (Maria Bergmann, Klavier; Jacques Castagner, Flöte; Guy Deplus, Klarinette; Louis Montaigne, Bassklarinette; Luben Yordanoff, Violine; Serge Collot, Viola; Jean Huchot, Violoncello).

Da die Neuedition mit der ursprünglichen Vinyl-Veröffentlichung von 1963 (Wergo-LP WER 60001) identisch ist und keine zusätzlich hinzugefügten Titel enthält, beträgt die Spielzeit der CD nur knapp 32 Minuten. Diesen Umstand macht das Label mit einem hervorragend konzipierten, umfassenden Booklet wett: Neben einzelnen Abbildungen ist hier – den Forschungs- und Reflexionsstand aus der Entstehungszeit der Produktion dokumentierend – ein umfassender Aufsatz von Helmut Kirchberger über die zeitgeschichtliche Symbolik des 'Pierrot lunaire' aus dem Jahr 1962 abgedruckt. Wie andere Veröffentlichungen der Reihe wurden die Originalbänder adäquat von Ingo Schmidt-Lucas restauriert und für die CD gemastert, so dass die Aufnahme nun in neuem Glanz erstrahlt. Allein eine hilfreiche Aufteilung der drei großen Teile in jeweils sieben Einzeltracks ist man schuldig geblieben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schönberg, Arnold: Pierrot Lunaire

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
WERGO
1
25.04.2014
31:58
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4010228677829
WER 67782


Cover vergössern

WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag WERGO:

blättern

Alle Kritiken von WERGO...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Stefan Drees:

  • Zur Kritik... John Bull und andere: Im sechsten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' kombiniert der Cembalist Pieter-Jan Belder Stücke von John Bull mit einzelnen Kompositionen unbekannterer Tonsetzer. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Arbeit an klanglichen Feinheiten: Die zweite DVD der Reihe 'Lachenmann Perspektiven' widmet sich der Komposition 'Air'. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Blick in die Interpretationswerkstatt: Eine neue DVD-Reihe vermittelt unschätzbare Einblicke in die musikalischen und technischen Problemstellungen von Helmut Lachenmanns Musik. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Stefan Drees...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Seltene Cello-Werke: Bartosz Koziak spielt Musik von Bohuslav Martinu. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Auftakt zu einer Trilogie: 'Christus das Kind' ist eine interessante Ausgrabung, die das Umfeld frühromantischer Oratorienliteratur verdeutlicht bzw. erst ins Blickfeld rückt. Ein 'Aha!'-Effekt stellt sich aber nicht ein. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Suggestive Trauergesänge: Glagolitische Riten beeindruckten Igor Kuljerić seit seiner Jugend. In seiner Totenmesse sprengt er damit den Rahmen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (3/2022) herunterladen (5000 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (2/2023) herunterladen (5000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Sergej Tanejew: Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello E-Dur op.20 - Finale. Allegro molto - Fuga - Moderato serafico

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

"Bei der großen Musik ist es eine Frage auf Leben und Tod."
Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich