> > > Das Reinhold-Quartett: spielt Haydn, Bruckner, Dvorák
Sonntag, 25. September 2022

Das Reinhold-Quartett - spielt Haydn, Bruckner, Dvorák

Kaum Biss und wenig Passion


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein bisschen hektisch und nervös beginnt das Reinhold-Quartett seine jüngste Einspielung mit Haydns spätem Streichquartett G-Dur op. 77/ No.1 . Obwohl das Amadeus-Quartett in seiner fast 40-jährigen Aufnahme vom März 1964 bei der Deutschen Grammophon die Wiederholung der Exposition geflissentlich unter den Tisch fallen lässt, spricht diese antike Analog-Aufnahme eine deutliche Sprache, die derjenigen des Reinhold-Quartetts entgegen läuft: atmend, klassisch, von Glut durchdrungen. Die neue Produktion klingt zwar – wegen der inzwischen verbesserten Aufnahmetechnik – heller und deutlicher – doch die alten Füchse spielen ‘beseelter’. Haydn schreibt wohlweislich ‘nur’ ‘Allegro moderato’, was die ‘Reinholds’ sträflich missachten, denn dieser moderate Gestus fehlt den Jungen.

Besser gelingt der Bruckner: Der Klang ist hier nuancierter, subtiler. Die Balance im Kopfsatz ‘Allegro moderato’ ist unausgeglichen zu Gunsten der 1. Violine, die dominiert, was aber nicht unbedingt ein Manko ist. Schwerer wirkt die Tatsache, dass das Material etwas zerfasert widergegeben erscheint, ohne den rechten persönlichen Ausdruck. Die Religiosität des Werkes kommt nicht zum Tragen, wird stillschweigend übergangen.... Die vom 37-jährigen Bruckner selbst als ‘Schularbeit’ bezeichnete Komposition ist auch qualitativ mit dessen Sinfonik in keiner weise vergleichbar und steht zu Recht in deren Schatten, trotz mancher bedenkenswerter Einfälle. Der zweite Satz hat einfach nicht das gewohnte pathetische Schwergewicht, das Presto-Scherzo mutet zahnlos an – hier hätten die Interpreten ruhig beherzter aufs Tempo drücken sollen – und das Rondo-Finale ‘Schnell’ kann auch den Haydnschen Finalsätzen nicht das Wasser reichen. Dazu gesellt sich eine zu wenig ambitionierte Spielhaltung. Zur Ehrenrettung der Leipziger muss erwähnt werden, dass zumindest die Intonation weitestgehend lupenrein sauber ist.

Zu schulmeisterlich gerät der Anfang von Dvoøáks Quartett Nr.11 C-Dur op.61. Da hätte ich mir eine risikofreudigere, ungestümere Spielweise gewünscht, freieres Rubato im Auftakt und vor allem einen schmelzenderen Ton.... Das Vibrato der Violinen im ‘Poco Adagio e molto cantabile’ ist im Übrigen zu wenig ‘religioso’. Da hat der MDR leider eine fortunelose Aufnahme (verlegt bei ‘Querstand’: Verlag Klaus-Jürgen Kamprad) produziert, die über lokale sächsische Ambitionen kaum hinauswachsen dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Das Reinhold-Quartett: spielt Haydn, Bruckner, Dvorák

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
Querstand
1
22.07.2005
79:30
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4025796002232
VKJK 0223

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Bruckner, Anton
Dvorák, Antonín
Haydn, Joseph


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Interpret(en):Reinhold-Quartett,


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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