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Donnerstag, 29. Oktober 2020

Leipziger Blechbläsersolisten - brass over!

Krass - oder?


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‚Könnte man innerhalb einer einzigen Stunde so viele verschiedene musikalische [...] Albernheiten und Stilbrüche verantworten, ohne das Gemüt eines Blechbläsers zu haben?’
Diese Frage nimmt uns schon der einleitende Text des Booklets vorweg. Die Antwort nach einer Stunde angestrengtem Hinhörens fällt nicht sehr schwer: Nein!

Fünf Leipziger Blechbläsersolisten möchten Musik aus vier Jahrhunderten nachspielen ‘die ihnen gefällt’. Sie möchten. Sie gefällt allenfalls eingefleischten Blechbläsern und den Interpreten selbst. So klanglich farblose und flache Interpretationen von Größen wie Bach, Händel und John Lennon hört man selten. Die Tempi trudeln - trödeln fast vor sich hin und lassen jegliche Chance auf ein dynamisch aufregendes Hörerlebnis, zu dem gerade Blechbläser fähig sein sollten, ungenutzt. Ausnahmen wie Jean Philippe Rameaus ‘Tambourin’, Lennon & McCartneys ‘Honey Pie’ oder Kurt Weills ‘Dreigroschenmusik’ bestätigen die Regel und entstehen nur aus dem lebendigeren Charakter der Originale. Woran liegt das? Auch darauf hat das Booklet schon die passende Antwort: ‘Die Musik auf dieser CD ist keineswegs hinreichend mit Cross Over beschrieben. Diese Bezeichnung würde ein gewisses dramaturgisches Konzept vorraussetzen.’

Richtig. Diese CD hat nämlich so gut wie gar kein Konzept und schon gar keine Dramaturgie. So etwas als Cross Over zu bezeichnen wäre tatsächlich weit hergeholt; fehlen doch jegliche Jazz- und Pop-Elemente. Von Improvisation und Innovation ganz zu schweigen. Entschuldigen soll dies, dass die Solisten es mit einem kleinen ‘Augenzwinkern’ sehen. Mir fehlt vermutlich der Zugang zu solchen Amüsements.
Querbeet wurden Stücke aus vier Jahrhunderten, wie Händels ‘Wassermusik’, Bachs ‘Brandenburgisches Konzert Nr. 2 (3. Satz)’, Thelonious Monks ‘Round Midnight’ und die ‘Sonata Vespertina’ von Pavel Josef Vejvanovský für Trompete, Horn, Posaune und Tuba neu bearbeitet und - nun die eigentliche Katastrophe: ‘hier und da gewaltsam von einem Schlagzeuger mit Geräuschen untermalt.’ Amüsant ist daran nur, dass die Autoren des Booklets, ebenfalls die Blechbläser, schon sämtliche Fehler im Vornherein erkennen und eingestehen.

Etwas mehr Akzentuierung, ein paar mehr Ecken und Kanten statt diesem fröhlich mattem und weichgespülten Spiel hätten viel bewegt. ‘Bleibt die Frage: Ist so etwas erlaubt?’. Auch hier eine einfache Antwort: Ja! Grundsätzlich ist alles erlaubt was Spaß macht, nur deshalb muss es nicht gut sein. Spaß hatten die 5 Leipziger. Das merkt man gerade dem ‘Tuba Tiger Rag’ der Original Dixieland Band an. Hier wirkt die Neuinterpretation wesentlich lebendiger und experimentierfreudiger. Ein Dixie ist für solche Versuche einfach besser geeignet als Bachs ‘Badinerie aus der h-moll-Suite’. Insgesamt stimmen die letzten 20 Minuten versöhnlicher.

Lassen wir das Ganze noch einmal mit einem Augenzwinkern und einem Schmunzeln durchgehen. Schließlich nennt es sich ja nicht Cross Over, wie die Solisten trefflich formulieren: ‘Nein, das hier ist etwas anderes: BRASS OVER!’ Krass – oder?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Leipziger Blechbläsersolisten: brass over!

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Querstand
1
22.07.2005
50:55
2002
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4025796002188
VKJK 0218


Cover vergössern

Bach, Johann Sebastian
Händel, Georg Friedrich
Lennon, John
McCartney, Sir Paul
Monk, Thelonious
Rameau, Jean-Philippe
The Original Dixieland Band,
 - 3. (ohne Satzbezeichnung) -
 - 1. Ouvertüre -
 - 2. Allegro -
 - 3. Air -
 - 4. Vivace -
 - 5. Hornpipe -
 - Tambourin (bearb. für Bläserquintett R. Smedvig) -
 - Sonata vespertina (bearb. für Bläserquintett Bernd Bartels) -
 - 1. Ouvertüre -
 - 2. Bourrée 1 - Bourrée 2 -
 - 3. Andante -
 - 4. Allegretto -
 - 5. Vivace -
 - Die Dreigroschenoper (Oper in 3 Akten): Kleine Dreigroschenmusik (bearb. für Bläserquintett Stefan Schwotzer) -
 - Round midnight (bearb. für Bläserquintett Inge Luis) -
 - Honey Pie (bearb. für Bläserquintett Rob Wills) -
 - Tube Tiger Rag -
 - Badinerie -
Vejvanovský, Pavel Josef
 - 3. (ohne Satzbezeichnung) -
 - 1. Ouvertüre -
 - 2. Allegro -
 - 3. Air -
 - 4. Vivace -
 - 5. Hornpipe -
 - Tambourin (bearb. für Bläserquintett R. Smedvig) -
 - Sonata vespertina (bearb. für Bläserquintett Bernd Bartels) -
 - 1. Ouvertüre -
 - 2. Bourrée 1 - Bourrée 2 -
 - 3. Andante -
 - 4. Allegretto -
 - 5. Vivace -
 - Die Dreigroschenoper (Oper in 3 Akten): Kleine Dreigroschenmusik (bearb. für Bläserquintett Stefan Schwotzer) -
 - Round midnight (bearb. für Bläserquintett Inge Luis) -
 - Honey Pie (bearb. für Bläserquintett Rob Wills) -
 - Tube Tiger Rag -
 - Badinerie -
Weill, Kurt


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Interpret(en):Leipziger Blechbläsersolisten,


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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