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Sonntag, 20. Oktober 2019

Strauss, Richard - Richard Strauss and his Heroines

Es bleibt ein Geheimnis


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende Dokumentation kann im besten Fall Interesse für den Komponisten Richard Strauss wecken. Über bloße Feststellungen von Tatsachen kommt sie leider nicht hinaus.

Der Titel ist vielversprechend: ‚Richard Strauss and his heroines‘. Namhafte Künstler wie Brigitte Fassbaender, Renée Fleming und Christa Ludwig sind auf dem DVD-Cover der neuen Dokumentation von Thomas von Steinaecker beim Label Arthaus aufgeführt; sie alle haben offenbar etwas zum Thema ‚Strauss und die Frauen‘ beizutragen. Man darf gespannt sein.

Am Ende der 52 Minuten Laufzeit hinterlässt die Dokumentation aber vor allem eines: Ratlosigkeit. In chronologischer Reihenfolge beleuchtet der Autor kurz die Frauengestalten in Strauss‘ Opern. Zu diesem Zweck lässt er u.a. bedeutende Strauss-Interpretinnen zu Wort kommen. Auch der Dirigent Franz Welser-Möst versucht sich daran, die Faszination der 'Salome'-Partitur in Worte zu fassen. Das ist bisweilen hübsch anzuschauen; vor allem die historischen Filmaufnahmen gewähren faszinierende Einblicke in Strauss‘ Privatleben oder seine Art des Dirigierens – dem Geheimnis der Strauss‘schen Frauengestalten kommt der Zuschauer aber keinen Schritt näher. Das liegt nicht zuletzt daran, dass manche der Beteiligten sich einzig in Standardfloskeln und Plattitüden erschöpfen, allen voran Dame Gwyneth Jones, die mit weit aufgerissenen Augen von der tänzerischen Ekstase schwärmt, die man am Ende der 'Elektra' spürt und hört. Das ist wahrlich nichts Neues und zum Verständnis der Titelfigur trägt diese Beobachtung auch nicht viel bei.

Strauss‘ Opernheroinen waren starke und verstörende Frauengestalten, die die Zeitgenossen des Komponisten mit Sicherheit irritieren und verstören mussten. Das wird in der Dokumentation deutlich – auch, dass Strauss ein besonderes Verständnis für die weibliche Stimme hatte. Renée Fleming schwärmt von den großen Bögen in hoher Lage, die so wundervoll zu singen seien und Brigitte Fassbaender berichtet von einem Gefühl der Demut, das Schlussterzett im 'Rosenkavalier' singen zu dürfen.

Diese Feststellungen sollten der Grundstein sein, um tiefer zu blicken. Das tut die vorliegende Dokumentation aber nicht. Man erhält vielmehr den unschönen Eindruck, sie sei in ihrer Präsentation eine ungeschickt getarnte Werbeaktion für die hauseigenen DVD-Veröffentlichungen bei Arthaus. Denn ein ansprechend breites Spektrum an verschiedenen Inszenierungen oder Interpretinnen liefern die eingeblendeten Opernausschnitte nun wirklich nicht. Angela Denoke ist als Salome in der Baden-Badener Produktion zu sehen, die Berliner 'Liebe der Danae' wird kurz eingeblendet, 'Rosenkavalier' und 'Elektra' sind jeweils mit den einschlägigen Salzburger Mitschnitte vertreten und bei der 'Frau ohne Schatten' gibt es Einblicke in die sprachlich undifferenzierte Produktion aus St. Petersburg. Das ist unbefriedigend, zumal über die zahlreichen großen Strauss-Interpretinnen von Viorica Ursuleac über Lisa Della Casa bis Birgit Nilsson oder Leonie Rysanek kein Wort verloren wird. Auch zu 'Arabella', 'Daphne' und 'Capriccio' erfährt man herzlich wenig. Diese Frauengestalten scheinen den Autor nicht so zu interessieren wie Elektra, Salome und die Feldmarschallin.

Und so hangelt sich der Film leichtfüßig von Werk zu Werk und begnügt sich – natürlich überspitzt formuliert – mit der Feststellung: ‚Dann hat Strauss diese und jene Oper geschrieben und die Hauptpartie ist eine typische Strauss-Heroine.‘ Dazu gibt es dann einen Ausschnitt aus einer mehr oder weniger aktuellen Arthaus-Produktion – und das war‘s.

Auch positive Eindrücke

Den ‚Schlüssel zum Geheimnis Richard Strauss‘, wie er angekündigt wird, findet von Steinaeckers Dokumentation nicht. Positiv fallen aber die Beobachtungen zum Privatmann Strauss ins Gewicht. Die vieldiskutierte Ehe mit der eigenwilligen Pauline de Ahna erhält in dem recht kurzen Film angemessen viel Raum. Auch der Enkel der Komponisten kommt zu Wort und erzählt aus seiner Wahrnehmung heraus vom spannungsgeladenen und zugleich fruchtbaren Verhältnis seiner Großeltern. In die Tiefe gehen auch diese Interview-Ausschnitte nicht; sie wirken jedoch wesentlich authentischer als das oberflächliche Abarbeiten der Werkchronologie.

Ebenso authentisch, aber ungleich spannender sind die wenigen Minuten, in denen Brigitte Fassbaender zu Wort kommt. Ihr könnte man wesentlich länger zuhören, denn in ihren Beobachtungen und Aussagen sind Haltungen zu erkennen, die nicht mit Allgemeinplätzen übertüncht sind. Sie spricht mit entwaffnender Klarheit von den irrwitzigen Anforderungen in 'Die Liebe der Danae', findet Formulierungen für Strauss‘ Klangwelt und beeindruckt in einem Ausschnitt aus einem ihrer Meisterkurse durch ihre Sprachbehandlung in Strauss‘ 'Allerseelen'. Man ahnt plötzlich etwas von dem angekündigten Geheimnis ‚Strauss und die Frauen‘. Auch in dem Interview mit Christa Ludwig blitzen tiefer gehende Gedanken zur Feldmarschallin auf. Sie werden aber nicht zu Ende formuliert.

Richard Strauss' Rolle im ‚Dritten Reich‘ wird ebenfalls in der Dokumentation kurz angerissen, es bleibt aber keine Zeit, sie hinreichend zu beleuchten. Eine Anekdote, wie der Komponist im KZ Theresienstadt anklopft, um die Großmutter seiner jüdischen Schwiegertochter zu retten, kann man mit einem Anflug von Rührung wahrnehmen, sie hilft aber nicht, die Strauss-Heroinen zu enträtseln.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass 52 Minuten schlicht zu kurz sind, um einen umfassenden Blick auf die Frauen in Strauss‘ Leben und die Frauengestalten in seinen Opern zu werfen, und dass ein Kratzen an der Oberfläche höchstens unterhaltsam, nicht aber informativ ist. Diese Dokumentation kann im besten Fall Interesse für den Komponisten Richard Strauss wecken, über bloße Feststellungen von Tatsachen kommt sie aber nicht hinaus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Richard Strauss and his Heroines

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
21.04.2014
Medium:
EAN:

DVD
807280218190


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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