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Samstag, 26. September 2020

Landgraf von Hessen, Moritz - Sacred & Secular Works

Fürstliche Musik


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vokal- und Instrumentalwerke von Moritz Landgraf von Hessen, dem Förderer von Heinrich Schütz in einer feinen und seriösen Aufnahme mit dem Ensemble Weser-Renaissance Bremen und Manfred Cordes.

Dass gekrönte Häupter in der Geschichte überaus kunstsinnig waren, ist in bestimmten Epochen einiger Prachtentfaltung eher die Regel denn die Ausnahme. Auch instrumentale Betätigung unterschiedlicher Qualität ist immer wieder anzutreffen. Seltener sind schon komponierende Herrscher – zumindest solche, deren Werke reich an Substanz sind, die sich über bloße Bildungsübungen hinaus erheben und sich auf der Höhe der Zeit bewegen. Bekannte Beispiele hierfür sind etwa Heinrich VIII. von England, Leopold I. von Österreich oder Friedrich II. von Preußen. Bislang eher als Förderer der Musik wie der Musiker in musikhistorische Erscheinung getreten war Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1572-1632) – jener Mentor Heinrich Schütz‘, dem der spätere sächsische Hofkapellmeister seine ersten Italieneindrücke und eine umfassende Bildung verdankte.

Moritz war als humanistisch gebildeter Renaissanceherrscher auf vielen Feldern ambitioniert, mit einem besonderen Fokus auf der Musik. Er band vorübergehend immer wieder große Namen an seinen Hof und verschrieb sich der Förderung hoffnungsvoller Nachwuchstalente – allen voran Heinrich Schütz und Moritz‘ späterer Kapellmeister und Privatsekretär Christoph Cornet. In der fruchtbaren Auseinandersetzung mit den Werken, die ihm von Schütz, Michael Praetorius, Hans Leo Hassler oder Melchior Franck gewidmet wurden, entfaltete sich der bemerkenswert feine musikalische Geschmack des Landgrafen.

Moritz griff einige der modernen Aspekte seiner Zeit auf, vor allem das Prinzip der Doppelchörigkeit verfolgte er intensiv, oft in enger satztechnischer Verzahnung der Chöre und mit vertrackten rhythmischen Figuren. Harmonische Flächigkeit wird so belebt. Das ist auch deshalb wichtig, weil es bei aller Kunstfertigkeit des Satzes gelegentlich an einer gewissen Prägnanz in der linearen Erfindung mangelt. Mit sicherer Hand entfaltet Moritz klangvolle Momente, ganz entschieden qualitätvoll äußert er sich aber in dezenter Geste, wovon ein ebenso schlicht wie anmutig gesetztes Vaterunser zeugt. Kontrastiert werden die geistlichen Werke der Platte durch gestisch frische weltliche Sätze und einige durchaus elegante Instrumentalstücke.

Interpretatorische Ernsthaftigkeit & Klangsinn

Manfred Cordes bringt uns in der vierten Folge seiner bei cpo erscheinenden Reihe zur Renaissance im Norden also eine ansonsten ausschließlich musikhistorisch bedeutsame Figur zu Gehör. Und er tut das mit seinem bewährten Ensemble Weser-Renaissance Bremen in derselben Ernsthaftigkeit, mit der er sich auch den Werken arrivierter Komponisten widmet. Die illustre Sängerriege wird von den Sopranen Maria Skiba und Anna Jobrant Dalnäs angeführt, gefolgt vom Altus David Erler, den Tenören Jan van Elsacker und Mirko Ludwig, schließlich dem Bass Kees Jan de Koning. Diese überaus idiomatisch klingenden Stimmen formen ein feines Ensemble, mit charakteristischen Farben und oft fast instrumentaler Leichtigkeit. Interpretatorische Erfahrung paart sich mit klanglicher Frische und stilistischer Feinfühligkeit.

Auch die Riege der Instrumentalisten ist von einigen prominenten Namen geziert, etwa dem Zinkenisten Frithjof Smith, der Geigerin Irina Kisselova, den Posaunisten Siemen van Mechelen und Cas Gevers, dazu der vielfach preisgekrönte Joachim Held, der einige feine Soli auf der Laute beisteuert. Das Ensemble begleitet die Vokalisten als sehr schlüssige klangliche und ästhetische Fortsetzung. Es spielt geschmeidig, beweglich, beredt, entfaltet sich auch in den reinen Instrumentalsätzen behände und elegant, mit feinem Klangsinn.

Das Klangbild ist klar und doch erwärmt, getragen von einer angenehmen Räumlichkeit, mit sehr schöner Präsenz der Bassregister, und mit nur einem Makel: Immer wieder scheinen die Vokalisten den Klang nicht anzuführen, wirken die Instrumente in den gemischten, vollen Besetzungen bevorzugt. Im Booklet informiert ein umfassender Text zu Leben und Wandel des Landgrafen Moritz, allerdings kommt der ganz konkrete, auch analytische Blick auf den Komponisten, auf die Musik zu kurz und ist nicht konzentriert genug.

Manfred Cordes bietet dem interessierten Hörer etwas sehr Interessantes: Gewissermaßen eine Reflexionsebene zeitgenössischen Musizierens, den kreativen Spiegel eines inspirierenden Umfelds. Er zeigt: Gönner und Förderer sind nicht unbedingt an vertiefter schöpferischer Aneignung, am Eigentlichen desinteressiert. Eine Ehrenrettung des Künstlers Moritz.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Landgraf von Hessen, Moritz: Sacred & Secular Works

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203766123


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Landgraf von Hessen, Moritz
 - Ich ruffe zu dem Herren à 12 -
 - In dich hab ich gehoffet, Herr à 5 -
 - Kom heyliger Geist HErre Gott à 4 -
 - Caecus is est à 6 -
 - Concussam ventis à 6 -
 - Ut lanis ovium à 6 -
 - Cantate Domino à 8 -
 - Discipulis tribus à 6 -
 - Affectus cordis vitiosi à 6 -
 - Andreas simplex piscator à 5 -
 - Eia age, laetemur à 8 -
 - Zu Gott dem HErren à 4 -


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Interpret(en):Cordes, Manfred
Erler, David
Elsacker, Jan van
Ludwig, Mirko
Ihlenfeld, Thomas
Van Mechelen, Werner


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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