> > > Dvorak, Antonin: Sinfonie Nr. 6
Freitag, 23. Februar 2018

Dvorak, Antonin - Sinfonie Nr. 6

Glücksgriff


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit diesem gelungenen Beitrag zur Gesamteinspielung von Dvoráks sinfonischem Werk beweisen Marcus Bosch und die Musiker der Staatsphilharmonie Nürnberg erneut, wie sehr sie dessen musikalische Sprache und Ausdrucksweise verinnerlicht haben.

Bevor Marcus Bosch die Bühne freigibt für die große Sechste Sinfonie, richtet er die Aufmerksamkeit des Zuhörers zunächst auf einen kleineren, aber nicht weniger bedeutenden Teil von Dvořáks kompositorischem Schaffen: die Gattung der Sinfonischen Dichtung. Im Rahmen des ambitionierten Vorhabens, alle Sinfonien des tschechischen Komponisten aufzuführen und einzuspielen, erweist sich diese Idee als dramaturgisch geschickter Schachzug. Einerseits führen die Sinfonischen Dichtungen wunderbar in Dvořáks musikalische Sprache ein, aber gleichzeitig ermöglichen sie dem Zuhörer auch einen Einblick in eine Thematik, die für Dvořáks Musik neben seinem individuellen Stil eine entscheidende Rolle spielt: die tschechische Märchen- und Sagenwelt und - damit verbunden - das tschechisch-nationale Element, das auch in den Sinfonien immer wieder durchschimmert, besonders in der auf dieser Aufnahme präsentierten D-Dur-Sinfonie.

Vielfarbige Charakterbilder

Der Inhalt der Sinfonischen Dichtung 'Der Wassermann' enthält viele typische Aspekte des klassischen Märchens, ist aber in seinem Handlungsverlauf von erschreckender Grausamkeit. Der Wassermann entführt ein junges Mädchen in sein Reich und zwingt sie, fortan mit ihm zu leben. Das Mädchen, das sich nach seiner Mutter sehnt, darf auf ihr Bitten hin für einen Tag an Land gehen, muss aber versprechen, bei Sonnenuntergang zurückzukehren. Als sie vor lauter Glück über das Wiedersehen mit der Mutter ihr Versprechen bricht, tötet der Wassermann das gemeinsame Kind auf grausame Weise und lässt die Leiche vor der Haustür des Mädchens liegen.

Die Musiker der Staatsphilharmonie Nürnberg schaffen es, die von Leitmotiven durchzogene Musik in einer Weise zu interpretieren, dass die Geschichte vor den Augen des Zuhörers lebendig wird. Sämtliche Charaktere, insbesondere der des Wassermanns, werden bis ins kleinste Detail ausgelotet und ausdrucksvoll gestaltet. Geradezu unheimlich wirkt die musikalische Entwicklung des Wassermanns, dessen Thema zunächst in seiner Sprunghaftigkeit und Leichtigkeit noch das Bild eines harmlosen Kobolds heraufbeschwört, der seine wahre Natur jedoch nicht lange verbergen kann. Instrumentenspezifisch fallen hier die Blechbläser und noch viel mehr die Pauken ins Gewicht, die die gesamte harmlos-unschuldige Fassade aufbrechen und mit unbarmherzigen Schlägen den grausamen Verlauf der Geschichte antizipieren. Eine Meisterleistung von Dirigent und Orchester, die in diesem Werk wunderbar miteinander harmonieren.

Ein weiterer Höhepunkt

Die Sechste Sinfonie, die etliche typische Elemente von Dvořáks Musiksprache in sich vereint, offenbart sich dem Zuhörer als Hörgenuss der besonderen Art. Marcus Bosch wählt von der ersten bis zur letzten Phrase überzeugende Tempi und erreicht im Kopfsatz eine Atmosphäre von Feierlichkeit, die dennoch niemals ins Pathetische abdriftet. Das Werk, das 1880 für die Wiener Philharmoniker komponiert wurde (auch wenn diese es nicht uraufgeführt haben), wird instrumental genauso wie die Sinfonische Dichtung überaus transparent und mit viel Eleganz präsentiert. Der Klang verliert trotz aller Ländlichkeit niemals seine charakteristische Strahlkraft. Sämtliche musikalischen Charaktere, von den schwelgenden Kantilenen im 'Adagio', über die bedrohlich-unheimliche Stimmung im Scherzo bis hin zur überschwänglichen Lebhaftigkeit des Finales, sind gut durchdacht und für den Zuhörer stets nachvollziehbar interpretiert.

Dass es eine Live-Aufnahme ist, die im Jahr 2013 vom Label Coviello Classics veröffentlicht wurde, wird vielen übrigens als Überraschung erscheinen. Man merkt den Entstehungshintergrund der Aufnahme nicht an, was nur ein weiteres I-Tüpfelchen auf einer ohnehin hervorragenden Einspielung ist. Ein Glücksgriff für alle Dvořák-Fans!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Sinfonie Nr. 6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
08.11.2013
EAN:

4039956313168


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Dvorák, Antonín
 - Vodnik op.107 - Der Wassermann - Sinfonische Dichtung
 - Sinfonie Nr.5 D-Dur op.60 - I. Allegro non tanto
 - Sinfonie Nr.5 D-Dur op.60 - II. Adagio
 - Sinfonie Nr.5 D-Dur op.60 - III. Scherzo (Firiant). Presto
 - Sinfonie Nr.5 D-Dur op.60 - IV. Finale. Allegro con spirito


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Dirigent(en):Bosch, Marcus
Orchester/Ensemble:Staatsphilharmonie Nürnberg


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

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