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Montag, 25. Oktober 2021

Britten, Benjamin - Gloriana

Zeitfenster der Geschichte


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Brittens 'Gloriana' war von Anfang kein großer Erfolg beschieden. Dieser Mitschnitt aus Covent Garden hat nicht das Potential, eine Kehrtwende einzuläuten.

Schon bei der Premiere 1953 anlässlich der Feierlichkeiten zur Krönung von Königin Elizabeth II. war Brittens Oper nicht sonderlich erfolgreich. Das Premierenpublikum zeigte sich enttäuscht von einer recht banalen Charakterisierung seiner ‚Fairy Queen‘, die von dem Poeten Edmund Spencer in einem Gedicht auch den Namen Gloriana erhalten hatte. Diese Königin war eine außergewöhnliche Frau, enorm gebildet, sie sprach sechs Sprachen fließend, musizierte, übersetzte antike Philosophen und besaß einen bemerkenswerten Geist sowie großen Charme, der viele ihrer Zeitgenossen tief beeindruckt hat, darunter auch Shakespeare, der von ihr gefördert wurde. Brittens Oper zeigt allerdings nur eine kurze Phase aus dem Leben der älteren Königin. Das Libretto basiert auf Lytton Stracheys Roman ‚Elizabeth and Essex – A Tragic History‘, dem zu viel als zu wenig Bedeutung beigemessen wird.

Richard Jones ist bekannt für Inszenierungen, die zumeist einen Hauch von Ironie versprühen; so war auch diese Aufführung vom Royal Opera House Covent Garden durchaus recht kurzweilig angelegt sowie ziemlich opulent inszeniert. Doch immer war das Augenzwinkern zu bemerken, zumal auch das Bühnenbild (Ultz) an eine Art Puppenstube erinnert. Das Geschehen auf der Bühne wirkt wie eine bunte Lego-Welt, die farbenfrohen, detailverliebten Kostüme unterstreichen diesen künstlichen Effekt noch. Wirkliche Dramatik kann so aber nicht entstehen.

In dieser Fabelwelt hätte die Geschichte noch eine amüsante Wendung nehmen können, wenn die Hauptperson nicht eine so eklatante Fehlbesetzung wäre. Susan Bullock als Elisabeth I. war in ihrer Rollengestaltung schlecht beraten. Sie agiert eindimensional, wie eine frustrierte Hausfrau mit Torschlusspanik oder gar wie eine Art Marschallin des Mittelalters. Ihre Stimme wirkte zumeist spröde und scharf. Etwas mehr Humor und Charme, um königliche Größe auszudrücken, wäre doch angebracht. Auch Toby Spence (Earl of Essex) sowie Mark Stone (Lord of Mountjoy) bleiben darstellerisch sowie gesanglich ziemlich blass, wenngleich die Stimmen doch Glanz besaßen. Durchaus erfreulich Clive Bayley (Sir Walter Raleigh), Jeremy Carpenter (Robert Cecil) sowie Kate Royal und Patricia Bardon als Lady Rich und Countess of Essex.

Benjamins Brittens Musik hat durchaus Charme sowie Impact. Gelungene Chorszenen sind hier zu nennen ebenso wie die Musik der großen Tanzszenen, die auch als Orchesterstücke bekannt geworden sind. Allerdings fehlt Paul Daniels am Pult des Orchestra of the Royal Opera House doch etwas Verve; eine noch stärkere musikalische Präsenz durch ausgefeilte Dynamik wäre durchaus möglich gewesen.

Brittens 'Gloriana' ist ein sperriges Werk allemal, das bis heute nur wenige Aufführungen an den Opernhäuser erleben durfte. Das wird wohl auch so bleiben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Midou Grossmann Kritik von Midou Grossmann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Britten, Benjamin: Gloriana

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
20.01.2014
Medium:
EAN:

DVD
809478011248


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Opus Arte

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