> > > Fuchs, Robert & Brahms, Johannes: Klarinettenquintette
Samstag, 15. Juni 2019

Fuchs, Robert & Brahms, Johannes - Klarinettenquintette

Lyrisch durch und durch


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sebastian Manz und das Danish String Quartett präsentieren eine durch und durch lyrische Lesart des Klarinettenquintetts von Brahms und eine Rarität von Robert Fuchs.

‚Tief geht Fuchs ja nirgends‘, wird Johannes Brahms im Beiheft der neuen Platte zitiert, und der direkte Vergleich kann für Robert Fuchs nur schlecht ausgehen. Der ist zwar unfair, denn, Hand auf‘s Herz, gegen Brahms können die wenigsten seiner Zeitgenossen bestehen. Doch die Klarinettenquintette von Brahms und Fuchs sind nun mal auf dieser CD mit dem Danish String Quartett und dem Klarinettisten Sebastian Manz kombiniert.

Der Spitzname ‚Serenaden-Fuchs‘ scheint beim Hören nicht ganz unberechtigt. Immerhin: Sebastian Manz und das Danish String Quartett adeln Fuchs‘ Quintett mit klanglich sehr schönem Spiel. Allerdings bleiben sie dabei, wenn schon besondere Tiefe nicht zu finden ist (und der unfaire Vergleich mit Brahms zeigt sofort, dass der große Hamburger Kollege recht hatte), etwas gemächlich. Die lebhafte Seite könnte man sich im ersten Satz des erst 1917 entstandenen Quintetts Es-Dur op. 102 wahrhaftig ausgeprägter vorstellen. Die Interpreten machen das im zweiten Satz wett, einem Scherzo, das sehr frisch wirkt. Sebastian Manz ist hier mit perfekter Staccato-Technik zu hören; frech, aber nicht scharf klingt das bei ihm. Einen ebenfalls positiven Eindruck hinterlässt das ruhige 'Andante', hier breit ausmusiziert und sehr sanft gespielt. Und zu Fuchs‘ Ehrenrettung schließlich nochmals Brahms: Fuchs sei ‚doch ein famoser Musiker, alles so fein, so gewandt, so reizend erfunden!‘ Na also, was will man mehr?

Mit der Aufnahme des Brahms-Quintetts macht sich das Label CAvi-music selbst Konkurrenz, denn erst im letzten Jahr erschien eine Neuaufnahme mit Matthias Schorn und dem Minetti Quartett. Die Interpretationen unterscheiden sich allerdings deutlich. Sebastian Manz und das Danish String Quartett agieren durchweg in ziemlich gemächlicher Gangart. Den ersten Satz fassen sie sehr ruhig und kontemplativ auf, dramatische Aspekte fehlen völlig. Dafür verzaubert Manz mit wirklich wunderbarem Ton, die Streicher mit sanften Klängen ohne zu viel Vibrato. Das Ganze ist auf der Platte in perfekter Balance zu erleben, bei der die dicht in den Streichersatz verwobene Klarinettenstimme nicht zu sehr hervorsticht und besonders das von Brahms immer wieder geforderte ‚dolce‘ keine Wünsche offen lässt.

Auch der zweite Satz ist wohl kaum je so sanft zu hören wie in dieser Aufnahme. Das gilt auch für jenen ‚Più lento‘-Abschnitt, den man durchaus auch dramatischer gestalten dürfte. Doch was soll‘s? Dafür gelingt das Pianissimo sensationell, die Artikulation bleibt deutlich, der ganze Satz sehr transparent. Auch in den beiden letzten Sätzen bleiben die Tempi ruhig und die dramatische Seite fehlt. Doch die konsequent lyrische Lesart überzeugt auch hier, zumal im Finale zwar keine harten Akzente, an einigen Stellen aber durchaus klangliche Fülle verwirklicht wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fuchs, Robert & Brahms, Johannes: Klarinettenquintette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
CAvi-music
1
14.03.2014
71:15
2013
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4260085533008
8553300


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"dem Jubilar, sondern auch einer Komposition, die eigens für diesen Anlass entstanden war: die fünfte Serenade von Robert Fuchs, ein heiter-geistreiches Werk mit Zitaten aus der "Fledermaus". Schon früh hat Fuchs Brahms' Interesse erregt. Er sei "doch ein famoser Musiker, alles so fein, so gewandt, so reizend erfunden!", äußerte dieser einmal. Allerdings hat er auch die Grenzen des jüngeren Kollegen gesehen, dem die Zeitgenossen Liebenswürdigkeit, aber auch einen Mangel an Dramatik attestierten. In gewisser Weise ist es Fuchs, der 1847 als jüngstes von 13 Kindern eines Dorfschullehrers in der Steiermark zur Welt kam, zum Verhängnis geworden, dass er einen fulminanten Durchbruch mit seiner ersten Orchester-Serenade erlebte: Den Spitznamen "Serenaden-Fuchs" wurde er zeitlebens nicht mehr los. "Tief geht Fuchs ja nirgends", bemerkte auch Brahms. Dennoch war Fuchs "einer von den Wenigen [?], an denen er größeres Interesse" zeigte, wie der mit beiden befreundete Arzt Theodor Billroth schreibt. Und Brahms hat sich nachdrücklich für ihn eingesetzt: Er empfahl ihn seinem eigenen Verleger Friedrich Simrock, da die Verhandlungen mit dem Verlag Kistner "den sehr bescheidenen und ängstlich-höflichen Fuchs sehr geniert" hätten; er hatte, so vermutet der Musikwissenschaftler Adalbert Grote, bei dessen Berufung zum Harmonielehre-Professor am Wiener Konservatorium seine Hände im Spiel; und er half dem in prekären Verhältnissen lebenden Fuchs großzügig mit Geld aus???.. Wie Brahms hat Fuchs der Klarinette die Rolle einer "prima inter pares" zugeschrieben. Im ersten Satz, der einen betörenden, an Schubert erinnernden Wienerischen Charme verströmt, werden zwei lyrische Themen durch einen prägnanten Überleitungsgedanken verbunden. (aus dem Booklettext von Eva Blaskewitz). Diskographie: The Danish String Quartet - Haydn & Brahms (CAvi8553264) Sebastian Manz: In Rhythm (& Martin Klett) - CAvi8553271 "


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CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


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