> > > Albinoni, Tomasi: Trattenimenti Armonici op.6
Samstag, 4. Februar 2023

Albinoni, Tomasi - Trattenimenti Armonici op.6

Barocker Sonatenschatz mit Schwächen


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Albinonis Sonatensammlung 'Trattenimenti Armonici' steht im Mittelpunkt einer bei Brilliant Classics erschienenen Neueinspielung durch Mitglieder des Zero Emission Barouqe Orchestra.

Tomasi Albinonis aus zwölf Sonaten ‚a violino solo con basso continuo‘ bestehende Sammlung ‚Trattenimenti Armonici‘ op. 6, um 1710 in Amsterdam publiziert, markiert einen Höhepunkt im Schaffen des venezianischen Barockkomponisten. Die vorliegende, bei Brilliant Classics auf zwei CDs erschienene Neueinspielung durch Mitglieder des Zero Emission Barouqe Orchestra – Giorgio Tosi (Violine), Marlise Goidanich (Violoncello) und Carlo Centemeri (Orgel) – weist ihre Licht- und Schattenseiten auf, denn sie mutet (bildlich gesprochen) oft wie ein Holzschnitt an, wo man doch eine feine Radierung mit viel mehr Feinheiten erwartet hätte. Positiv zu bemerken ist der Leitgedanke der Interpreten, sich einerseits auf ein Orgelpositiv als harmonietragendes Instrument zu beschränken, diesem aber andererseits ein stellenweise selbstständig geführtes Violoncello als Bassstimme entgegenzusetzen, so dass es immer wieder Passagen gibt, die ohne Mitwirkung der Orgel allein beiden Streichern anvertraut sind oder von der Orgel unter Auslassung der Bassstimme begleitet werden.

Sehr schön ist darüber hinaus, dass der Continuopart im Zusammenwirken von Goidanich und Centemeri als klangliche Einheit erscheint, wozu insbesondere der nuancierte Vortrag der Cellistin beiträgt. Weniger überzeugend wirkt demgegenüber das Violinspiel von Tosi: Dies beginnt damit, dass die langsamen Sätze – obgleich sich darin immer wieder schöne Momente finden und insbesondere die Verzierungen meist sehr geschmackvoll und zurückhaltend angebracht sind – manchmal ein wenig kurzartmig geraten. So denkt der Geiger im Eröffnungssatz der Sonata Nr. 7 D-Dur die Melodiebögen meist gerade bis zur nächsten Pause, markiert diese als Spannungsabfall und setzt danach neu an, was die Musik ein wenig kurzatmig erscheinen lässt. Auch in anderen Sätzen neigt er dazu, durch Nachlassen der Spannung bei übergebundenen Notenwerten gewisse Momente von Irritation zu erzeugen, was durch eine limitierte Gestaltung des Violinklangs zusätzlich forciert wird.

Dass zudem der Aufbau von weiträumigen Spannungsbögen nicht unbedingt Tosis Sache ist, kann man in vielen raschen Sätzen bemerken: Häufig bleibt dieses Gestaltungsdetail dem Continuo überlassen, während die darüber liegenden, mehr oder minder weit ausgreifenden Sechzehntelpassagen in einer Lautstärke verbleiben und gelegentlich auch Schwächen der Intonation aufweisen. Unklar bleibt schließlich auch, welches Kriterium die Interpreten für eine Wiedergabe oder Eliminierung von Wiederholungen haben und warum für die Einspielung nicht die ursprüngliche, von Albinoni festgelegte Reihenfolge der Kompositionen mit ihrer charakteristischen Tonartenfolge, sondern eine von ihrem Sinn her undurchschaubare Anordnung gewählt wurde. Angesichts des Umstands, dass zumindest derzeit von den ‚Trattenimenti Armonici‘ keinerlei alternative Gesamtaufnahme greifbar ist, muss man für diese Produktion dennoch dankbar sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Albinoni, Tomasi: Trattenimenti Armonici op.6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
04.04.2014
Medium:
EAN:

CD
5028421948522


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