> > > Bach, Johann Sebastian: Lutheranische Messen Vol.2
Mittwoch, 15. Juli 2020

Bach, Johann Sebastian - Lutheranische Messen Vol.2

Der Messen zweiter Teil


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Harry Christophers und The Sixteen liefern den zweiten Teil der vier Lutherischen Messen von Johann Sebastian Bach, wiederum in einer konzentrierten Deutung.

Nun liegt der zweite Teil der Lutherischen Messen Johann Sebastian Bachs in der Interpretation des englischen Ensembles The Sixteen vor. Auf dem Programm stehen aktuell die A-Dur-Messe BWV 234 und die G-Dur-Messe BWV 236, programmatisch bereichert durch die Kantate 'Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild' BWV 79, aus der Bach im Verfahren der Parodie Material für seine Kyrie-Gloria-Messen gewann.

Gerade die Kantate liefert einen deutlichen Hinweis dafür, wie subtil und zielgenau Bach sich selbst bearbeitet hat, mit wie viel Könnerschaft und arbeitsökonomischer Präzision er dabei vorging. Denn entgegen dem inzwischen längst revidierten, wenig günstigen Urteil früherer Jahre stehen seine Lutherischen Messen nicht für zweitrangige Nachverwertung. Vielmehr frappieren Bachs Fähigkeiten zur Anverwandlung, zur Wiedernutzbarmachung früher geschaffener Perlen seiner Arbeit. Es ist hier viel mehr als bloße Umtextierung zu beobachten. Natürlich ist der bearbeitende Eingriff handwerklich beeindruckend, wer wollte das bestreiten? Deutlich wird aber zugleich, wie kunstfertig Bach in die Substanz eingriff, Linien idiomatisch an andere Instrumentierungen anpasste, auch den Ausdrucksgehalt überzeugend transferierte.

Kleine Besetzung mit frischem Klangideal

Harry Christophers lässt die Messen in derselben Besetzung musizieren wie im ersten Teil. Die Stimmen sind chorisch je zweifach besetzt, die Soli werden selbstverständlich aus diesem Ensemble heraus bestritten. Im Sopran singen Grace Davidson und Julia Doyle, den Altpart bestreiten Robin Blaze und William Purefoy, im Tenor sind Jeremy Budd und Mark Dobell zu erleben, das Bassfundament liefern Ben Davies und Eamonn Dougan.

Es sind dies überwiegend jüngere Sänger der reichen englischen Vokaltradition, solistisch teils deutlich erfahren und auch diskografisch bestens vertreten, vor allem Robin Blaze und Grace Davidson. Das Potenzial ist bei allen groß, zu hören ist in den überwiegend nicht als spektakuläre solistische Kunststücke aufgefassten Sätzen eine reife, entwickelte Bachstilistik.

Allesamt sind die Vokalisten in verschiedensten Konstellationen ensembleerfahren – ein Pfund, mit dem hier wie auf so vielen anderen Platten ertragreich gewuchert wird. Denn es ist ein Unterschied, ob sich solistische Ansätze zu einem Ganzen fügen sollen oder ob ein gemeinsames vokales Verständnis die gesamte Deutung trägt. Letzteres ist hier der Fall. Das Doppelquartett hat einen eleganten Klang, der dem Bachschen Satzgewebe leicht und beweglich Geltung verschafft und auf feine Durchsichtigkeit setzt. Die reich figurierten Sätze geraten in dieser Hinsicht besonders überzeugend, entfalten auch eine ansprechend virtuose Note. Die leicht italianisierende Aussprache des Lateinischen mag nicht ganz korrekt sein, wirklich störend ins Gewicht fällt sie nicht.

Im Instrumentalensemble wird eloquent gespielt, ganz der Luzidität und Beweglichkeit der Vokalisten entsprechend, der Basso continuo zeigt sich gut artikuliert, die obligaten Soli sind elegant.

Das Klangbild ist klar und plastisch, gut strukturiert, wirkt durchaus konzentriert. Gelegentlich fehlt im Tutti etwas mehr räumliche Gemeinsamkeit, wirken die vokalen Register dann eher vereinzelt.

Insgesamt hat Harry Christophers mit seinen acht Vokalisten und seinem Instrumentalensemble ein ansprechendes Plädoyer für die kleine, wenn auch nicht solistische Besetzung bei Bach geliefert – vom Solo bis zum Kammerchor hat sich ja aktuell eine erhebliche Bandbreite an Möglichkeiten etabliert, ohne dass sich eine endgültige Entscheidung in eine Richtung andeutet. Die Interpretation ist durchaus frisch, mit Stärken im feinen, subtilen Zugriff, in der Delikatesse.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Johann Sebastian: Lutheranische Messen Vol.2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coro
1
07.03.2014
Medium:
EAN:

CD
828021612022


Cover vergössern

Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Coro:

  • Zur Kritik... Expressive Gestaltung: Der englische Chor The Sixteen interpretiert unter der Leitung von Harry Christophers mit warmem Klang Alte Musik aus Rom, die teils in die Passionszeit passt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Palestrina ganz frisch: So ist die Tour durch das geistliche Werk Palestrinas ein echtes Vergnügen: Harry Christophers und The Sixteen mit einer wirklich gelungenen achten Folge ihrer Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Delightful: Diese Aufnahme von 'Acis and Galatea' macht einfach Freude und lässt im Rahmen der klar lesbaren Intention keine Wünsche offen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Coro...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Qualität von der Seite: Das rund und komplett klingende Ensemble De Profundis singt hochattraktive Musik von Juan Esquivel, die zu hören ein Genuss ist und die zu kennen sich unbedingt lohnt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Delikate Leidenschaft: Es sind eher die subtilen denn die jäh hochfahrenden Leidenschaften, die hier ausformuliert werden – kulturvoll, edel timbriert und fein im Affekt: Dorothee Oberlinger und Dmitry Sinkovsyk mit dem Ensemble 1700. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Humane Stimme: Luciano Berios 'Coro' – ohne Zweifel Kunst von besonderer Form und erheblichem Rang. Und natürlich ein tolles Vehikel für den Norwegischen Solistenchor und das Norwegische Rundfunkorchester, ihre üppigen Fähigkeiten auszustellen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Loreleys Klangzauber: Schöner und inniger als Julia Kleiter kann man diese Lieder kaum singen – inhaltlich ist aber noch deutlich Luft nach oben. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Rhythmisches Einerlei: Francesco Corti und Il pomo d'oro widmen sich Bachs Cembalo-Konzerten. Weiter...
    (Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Teamarbeit: Die Gesamtleistung der Musiker von Il gardellino überzeugt in zwei großen geistlichen Chorwerken von Niccolò Jommelli ebenso wie ihre Einzelleistungen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Bozidar Kunc: String Quartet in F Major op.14 - Introduzione. Allegro ma non troppo

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich