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Sonntag, 14. August 2022

Sibelius, Jean - Violinkonzert

Kühle Hitze


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jennifer Pike spielt das Sibelius-Violinkonzert, begleitet vom Bergen Philharmonic Orchestra unter Andrew Davis. Das Ergebnis ist ein zwiespältiges.

Wie eine Tango-Tänzerin ist die Geigerin Jennifer Pike in der finnischen Winterlandschaft an einen Baum gelehnt. Das SACD-Cover dieser Einspielung mit dem Sibelius-Violinkonzert gibt gleichsam auch den Eindruck wieder, den die Interpretation und das Klangbild hinterlassen: heiß und kalt. Ist Pikes brillant geschliffener Vortrag von farblicher Wärme, um nicht zu sagen expressiver Hitze gekennzeichnet, so ist der akustische Rahmen der Grieghallen in Bergen auf Weite, Hall und Transparenz ausgelegt. Auch das Bergen Philharmonic Orchestra unter Andrew Davis klingt zwar Sibelius-affin, ist von der unbedingten Identifikation eines Mackerras oder Bernstein aber weit entfernt. Ob dieses Konzept der Kontrastierung solistischer ‚Subjektivität‘ und orchestraler wie klangtechnischer ‚Objektivität‘ ganz aufgeht, ist schwer zu sagen. Selbst nach dem fünften und sechsten Hören ist das Gesamturteil bei mir ein unentschiedenes.

Auf der einen Seite geht der für Chandos unermüdlich tätige Andrew Davis kaum Experimente ein, wie auch das umfangreiche Restprogramm der SACD, das wie ein ‚Best of Sibelius‘ daherkommt: 'Karelia-Suite', 'Der Schwan von Tuonela', 'Valse triste', 'Andante festivo' und natürlich 'Finlandia' am Schluss. Der patriotische Ton des 'Intermezzo' der 'Karelia-Suite' bleibt bei gemessenem Tempo ungebrochen. Die kantablen Linien des Englischhorn im 'Schwan' sind klar gezeichnet. Das 'Andante festivo' verdeutlicht wieder einmal, dass die große Stärke des Bergen Philharmonic Orchestra im breiten, satten und weichen Streicherklang liegt. Wohingegen das Blech in 'Finlandia' nicht über solide Präzision hinausgelangt. Einzige Überraschung ist die stark nach Tschaikowsky klingende 'Valse lyrique'. Eine individuelle Interpretation aber klingt anders. Schlecht gespielt ist es freilich auch nicht. Anscheinend hatte man hier als Ziel eine Art Visitenkarte des Orchesters im Blick, als Ausweis der Fähigkeiten des norwegischen Klangkörpers. Da es sich aber ja um eines der ältesten Orchester der Welt handelt, mit viel Sibelius-Erfahrung obendrein, hätte man mehr erwarten können.

Ansonsten sind vor allem Jennifer Pikes großer Ton sowie ihre gewandte Phrasierung hörenswert. Sie bildet gleichsam das Energiezentrum dieser Einspielung. Dass im Hintergrund das Orchester die Begleitstrukturen – vergleichsweise unbeteiligt – vorbildlich transparent offenlegt, ist einerseits irritierend, andererseits interessant, weil so vieles klar wird, was sonst eher untergeht, wie etwa in der Kopfsatz-Coda das Ineinander von thematischer Arbeit im Orchester und solistischer Virtuosität. Die ganz große Sibelius-CD ist am Ende nicht dabei herausgekommen, dafür ist das Restprogramm zu schal aufbereitet worden. Eine reizvolle Sicht auf das d-Moll-Konzert bekommt man allemal geboten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sibelius, Jean: Violinkonzert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
07.03.2014
Medium:
EAN:

SACD
095115513422


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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