> > > Blacher, Boris: 200,000 Taler
Donnerstag, 22. November 2018

Blacher, Boris - 200,000 Taler

Witz und Charakterisierungskunst


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Boris Blachers Oper 'Zweihunderttausend Taler' kann man jetzt auf DVD wiederentdecken.

40 Jahre nach seinem Tod hat Boris Blachers Musik Seltenheitswert im Repertoire. Dabei ist der gleichermaßen intelligente wie humorvolle Komponist mit seiner höchst individuellen, stets auf das Wesentliche konzentrierten Musiksprache Vertreter einer Strömung, der man innerhalb der musikalischen Moderne mehr Erfolg gewünscht hätte.

Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Schtetl

Blachers Oper 'Zweihunderttausend Taler' basiert auf dem Stück ‚De groijse gewins’ (Das große Los) des bekannten, jiddischsprachigen Autors Scholem Alejchem. In drei Bildern und einem Epilog spielt Blachers Oper Anfang des 20. Jahrhunderts in einem osteuropäischen Schtetl: Als der arme Schneidermeister Schimele Soroker erfährt, dass er 200.000 Taler in der Lotterie gewonnen hat, stellt dies das Leben der Familie auf den Kopf. Zu den Gesellen Motel und Kopel, die beide in Sorokers Tochter Bailke verliebt sind, kommen jetzt Bewerber hinzu, die es auf Sorokers Geld abgesehen haben. Die Familie zieht auf Kredit in ein mondänes Haus und genießt den Reichtum. Nur Bailke ist unglücklich, schließlich soll sie den reichen Hausbesitzer Fein heiraten. Mit den beiden Gesellen flieht sie zurück in die alte Schneiderstube, wo sie bald von den Eltern eingeholt wird. Soroker hat zwischenzeitlich erfahren, dass sein Los doch nicht gewonnen hatte, die Sorokers sind genauso arm wie eh und je und Bailke hat sich für Motel entschieden. Die Familie gönnt den beiden ihr Glück.

Textverständlich singendes Ensemble

1969 wurde 'Zweihunderttausend Taler' an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt und hatte beim Publikum mehr Erfolg als bei den Kritikern, die ein avantgardistischeres Werk erwartet hatten. Ein Jahr später wurde die Inszenierung des Berliner Opernintendanten Gustav Rudolf Sellner in der Art eines intimen Fernsehspiels aufgezeichnet. Sellners Regie setzt auf präzise Personenführung, in der sich Blachers Witz und Charakterisierungskunst entfalten können. Vor der Kamera begeistern typgerechte Besetzung und textverständlicher Gesang. Im Zentrum des Ensembles steht Günter Reich als Schimele Soroker. Herrlich ist die von der hervorragenden Sängerdarstellerin Martha Mödl genau ausgeleuchtete Rolle seiner Frau Ettie-Mennie. Ernst Haefliger ist ein schwärmerischer Motel. Feingefühl zeigt Heinrich Hollreiser als Dirigent der Partitur, in der Blacher mit seinem Verfahren der ‚variablen Metren’, charakteristischer Rhythmik und pointiertem Parlandostil eine ausgesprochen dichte Atmosphäre schafft. In den immer wieder durchbrechenden, traumartigen Sequenzen und romantischen Augenblicken, die Blacher gegen die harte Realität in Kontrast setzt, entfaltet Hollreiser Magie. Gut, dass man 'Zweihunderttausend Taler' jetzt auf DVD wiederentdecken kann – es lohnt sich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Blacher, Boris: 200,000 Taler

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
17.03.2014
EAN:

807280218596


Cover vergössern

Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arthaus Musik:

blättern

Alle Kritiken von Arthaus Musik...

Weitere CD-Besprechungen von Miquel Cabruja:

  • Zur Kritik... Letztes Konzert: Das Label der Berliner Philharmoniker erinnert mit einer kostbaren Box an Claudio Abbado. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Großangelegtes Nachtstück: Zwei Konzerte zeigen Krzystof Penderecki als Meister der Kontraste und dramatischen Szenarien. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... 5000 Liter Wasser: Alexander Ekman setzt sich in seinem ersten abendfüllenden Stück mit Tschaikowskys 'Schwanensee' auseinander. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
blättern

Alle Kritiken von Miquel Cabruja...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Abstrakte Schönheit: Frühwerke von John Cage und seinem Schüler Tom Johnson, kongenial vom Trio Omphalos interpretiert, legen Zeugnis ab von der abstrakten Schönheit der amerikanischen Musik zu Beginn der Aleatorik. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Ein Komponist ganz bei sich: Für Wolfgang Amadé Mozart ist wie für viele Zeitgenossen der Spätaufklärung die Freimaurerei ein Thema. Dieses Album aus dem Hause BIS lässt tief und nachhaltig ins Seelenleben des Komponisten blicken. Weiter...
    (Simon Haasis, )
  • Zur Kritik... Großes Bruckner-Kino: Franz Welser Möst und Anton Bruckner – diese Chemie stimmt nicht nur geographisch. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich