> > > Beethoven, Ludwig van: Klaviersonaten Nr. 27, 28, 30, 31
Samstag, 26. September 2020

Beethoven, Ludwig van - Klaviersonaten Nr. 27, 28, 30, 31

Träumerisches Spiel


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dina Ugorskaja legt die nächste Einspielung später Beethoven-Sonaten nach und verzaubert mit ihrer imponierenden Ausgewogenheit des musikalischen Zugriffs.

Nach einer fulminanten Einspielung von Beethovens sogenannter ‚Hammerklavier-Sonate‘ sowie der letzten Sonate op. 111 folgt nun, ebenfalls bei Cavi-music der zweite Teil der späten Klaviersonaten opp. 90, 101, 109 und 110, interpretiert von Dina Ugorskaja. Dies vorweg: Für Furore kann sie ein weiteres Mal sorgen. Die in Deutschland lebende Tochter des berühmten russischen Pianisten Anatol Ugorski zeigt wieder einmal, dass sie vollkommen zu Unrecht verhältnismäßig (noch) wenig Bekanntheit genießt und macht zudem Ihren Kolleginnen und Kollegen deutlich, wie man diese so harten Brocken souverän meistert.

Die letzten Klaviersonaten sind nun mal eine der größten Hürden für Pianisten, wobei sie nicht nur spieltechnisch einiges fordern, sondern in ihrer Atmosphäre eine Ausdrucksvielfalt verlangen, denen viele Tastenvirtuosen dann doch nicht gewachsen sind. Ugorskaja vermag in ausgewogen russischer Tradition einen stets werkdienlichen Ansatz zu vermitteln, tritt oft nüchtern an die Musik heran, schafft es in den entscheidenden Passagen aber auch, die Zerrissenheit in der Musik absolut authentisch zum Ausdruck zu bringen. Faszinierend ist dabei besonders, wie es ihr gelingt, den in ihrer Umsetzung oft unmöglich anmutenden Anweisungen der Partitur auf persönliche und zugleich schlüssige Art gerecht zu werden.

Ein ‚dolce‘ im zweiten Satz von op. 90 wird dann regelrecht zum Erlebnis; das ist in der Interpretation Ugorskajas zweifelsohne eine Süße, welche eine natürliche Sensibilität zu generieren weiß, ohne jemals in Kitsch oder Künstlichkeit abzurutschen. Im dritten Satz von op. 101 mit der Satzbezeichnung 'Langsam und sehnsuchtsvoll' wird durch den äußerst feinfühligen Anschlag, bei dem insbesondere der Basslinie die entsprechende Zurückhaltung beigemessen wird, die Sehnsucht direkt und ohne Umschweife kommuniziert. Der polyphone Schlusssatz mit der teuflisch schweren Fuge wird anschließend virtuos gemeistert, stets mit dem nötigen Ausdruck –die Pianistin verfällt zu keinem Zeitpunkt in trockene Virtuosität. Sie hat hier eindeutig etwas musikalisch zu erzählen, Technik ist niemals Zentrum des Spiels, sondern Basis interpretatorischer Feinarbeit. Da mag es auch verkraftbar sein, dass das angesprochen verträumte Klangbild hier und da etwas zu viel des Guten ausgekostet wird, etwa im zweiten Satz besagten der Sonate op. 101.

Mangelnde Vielschichtigkeit ist ohnehin nicht das Problem. Die moderaten Tempi, die feine Anschlagtechnik und das anmutende Legato lassen oft genug die ‚innigste Empfindung‘ aufleuchten. Einzig dem Fortissimo scheint ab und an die nötige Energie abhanden gekommen; so kompromisslos wie etwa im zweiten Satz von op.110 geht Ugorskaja selten in die Forte-Passagen.

Gerade diese vorletzte Beethovensonate op. 110 ist – wie auch der Rest der Sonaten – fein kalkuliert, mit vielen verschiedenen Farben gezeichnet, was für große Begeisterung sorgen kann. Dennoch ist es im Schlusssatz doch wieder dieses träumerische Spiel, was auf der einen Seite verzaubert und doch auf der anderen Seite, wie eigentlich immer bei Beethoven, Luft nach oben lässt: Die Gegensätzlichkeit zwischen dem klagenden Gesang und der Fuge wird sicherlich deutlich, aber gerade der Fuge fehlt das letzte Feuer, das unbändige Aufbrausen. So wird letztlich dem triumphalen Ende in As-Dur mitunter die wirkliche Überzeugungskraft genommen; das Abgeschiedene, Versunkene, teils sogar Mystische überwiegt in dieser Interpretation klar, der Triumph steht an zweiter Stelle. So bleibt der Hörer schlussendlich bis zum Ende in einen Trancezustand versetzt, einer schwebenden Atmosphäre ausgesetzt. Auf eine ganz eigene Weise hervorragend ist das Ganze aber mit Sicherheit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klaviersonaten Nr. 27, 28, 30, 31

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
CAvi-music
1
14.02.2014
77:35
2013
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4260085532995
8553299


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"Später Beethoven II Eine Mischung aus innerer Stärke und Empfindsamkeit Dina Ugorskaja: Beethoven hat diese Gattung unglaublich viel weiter gebracht und für die Komponisten des späten 19. Jh. und auch darüber hinaus bis in das 20. Jh. ganz wichtige neue Impulse gesetzt. Wenn man von seinen späten Sonaten spricht, hat eigentlich nur die Hammerklaviersonate das typische viersätzige Format - abgesehen von op. 101, wobei hier gleich der erster Satz gar kein typisches Sonaten-Allegro ist, - ansonsten ist jedes Werk sehr unkonventionell aufgebaut und deutet eine durchgängige Form der Komposition an. Nach der gewaltigen, geradezu teuflischen Hammerklaviersonate, in der die Auswucherungen allein schon in den klavieristischen Anforderungen über alle Grenzen schlagen, - ob in den Satzlängen, ob in den polyphonischen Verstrickungen der Finalfuge oder im Fugato der Durchführung des 1. Satzes, ob in der harmonischen Dichte des Geschehnisses, - nach einer Pause zu der Sonaten-Gattung wiederkehrend, findet Beethoven noch Einmal zu einem neuen Sonatenformat in den opp. 109 bis 111, in denen Einfachheit, Entschlackung, aber auch neuartige Kontrastbildungen, abrupte Wechsel, sowie Öffnungen und Weitungen bis hin zu Klangszenarien von Verklärung eine gewichtige Rolle spielen. Das größte Beispiel dieser Kehrtwende liegt für mich allerdings im Streichquartett op. 132, ich meine den Satz im lydischen Stil, Die Danksagung eines Genesenden - dieses Choralartige, das Weiße, das Weise… Doch ein Vorbote der drei letzten Sonaten ist bereits die zweisätzige Sonate op. 90. (Auszug aus einem Gespräch zwischen Dieter Rexroth und Dina Ugorskaja für das Booklet) www.dina-ugorskaja.de „Ein heiliger Gesang!“ (FAZ 22. Dez 2012 zu Beethoven Nrn. 29/32) Diskographie: CAvi 8553184 G.F. Händel: Klaviersuiten HWV 427, 428, 429, 430, 431 CAvi 8553217 R. Schumann: Gesänge der Frühe; 7 Fughetten; Kreisleriana; Geistervariationen CAvi 8553256 L.v. Beethoven, Sonaten Nrn. 29 „Hammerklaviersonate“, Nr. 32 op. 111 "


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CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


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