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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Benjamin, George - Written on Skin

Erfolg kann nicht maßgeschneidert werden


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Goerge Benjamins 'Written on Skin' überzeugt vor allem durch die Mitwirkenden dieser mitgeschnittenen englischen Erstaufführung. Die Musik läuft neben der Handlung her.

Das sollte sie werden, die moderne Oper, die den Durchbruch schafft und über Jahre im Spielplan der Opernhäuser zu finden ist. Größte künstlerische Anstrengungen wurden unternommen. Martin Crimp hat jedes Detail des Librettos minutiös durchdacht. Während unzähliger Gespräche mit dem Komponisten George Benjamin wurde das Werk immer wieder auf den Prüfstand gelegt. Zeitlos und modern zugleich wollte man sein, die Musik immer in Bewegung. Das Sujet sei einem Shakespeare würdig, so klangen die Lobeshymnen schon vor der Uraufführung von 'Written on Skin' in Aix-en-Provence im Juli 2012. Dieser Mitschnitt zeigt die Erstaufführung des Werks im Royal Opera House Covent Garden vom März 2013.

Ein Mann, eine Frau, ein Liebhaber – wie originell

Die Handlung spielt vor 800 Jahren in Frankreich. Ein wohlhabender Mann im besten Alter heiratet ein 14jähriges Mädchen. Stolz auf seine Trophäe, versteckt er sie zumeist in seinem Haus. Engel spielen eine große Rolle in dieser Geschichte, einer davon verwandelt sich in einen schönen Jüngling. Er verführt die junge Frau, der Mann bringt ihn um, bereitet dann das Herz des Jünglings als Speise für seine Frau zu. Der ermordete Jüngling wird wieder zum Engel und erscheint als Rächer, doch die Geliebte springt vom Balkon.

Die Inszenierung von Katie Mitchell ist sehr geschickt angelegt. Die Kernhandlung wird wie ein Theaterstück gezeigt. Um die aktuelle Bühnenhandlung herum ist der Arbeitsalltag eines modernen Theaters zu sehen, während man das Werk auf die Bühne bringt, quasi wie einen Traum in der Mitte verschiedener Bilder (Bühne Vicki Mortimer). Und dann ist da noch die Musik von George Benjamin, die diese vielschichtigen Bilder begleitet – im wahrsten Sinn des Wortes, denn nur selten übernimmt sie die Führung, zeigt sich als prägende Kraft in dieser Inszenierung. Somit bleibt auch der Gesang blass, der durchweg wie ein sich wiederholender Sprechgesang angelegt ist. Da der Komponist selbst dirigiert, dürfte hier keine Fehlinterpretation vorliegen. Es musiziert das Orchestra of the Royal Opera House.

Bitte keine Opernkonventionen

Im Begleitheft steht zu lesen: ‚Crimp bezeichnet die Handlung von 'Written on Skin' nicht als Libretto, sondern als Text. Er vermeidet Opernkonventionen und verändert grundlegende Formen.‘ Vielleicht war das sein Fehler. Das Musiktheater lebt von der Musik, von einer Dynamik und musikalischen Dramaturgie, die selbst minimalistischen Musik nicht fehlen darf. Das Konzept für dieses neue Werk dürfte allerdings gelautet haben, einen Text mit einer möglichst individuellen Klangsprache zu untermalen.

Lobend zu erwähnen sind Leistungen der Protagonisten. Die unglückliche Agnès wird von Barbara Hannigan mit großem Gefühl und vielen berührenden Facetten dargestellt, die durchaus schwierigen Gesangslinien werden von ihr virtuos gestaltet. Die Stimme klingt auch im Forte immer frisch und klar. Christopher Purves, der Ehemann und reiche Landbesitzer, besitzt das robuste Material, das auch im Charakter dieser Partie zu finden ist. Darstellerisch ist er ebenso eindrucksvoll wie seine jugendliche Frau. Das gilt auch für Bejun Mehta als Engel bzw. junger Liebender. Anknüpfen wollte man mit diesem Werk an Debussys 'Pelléas et Mélisande' und spricht sogar von einer Leidenschaft, die an Wagners ersten Akt der 'Walküre' erinnern sollte. All das ist nicht zu finden in dieser Oper.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Midou Grossmann Kritik von Midou Grossmann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Benjamin, George: Written on Skin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
27.01.2014
Medium:
EAN:

DVD
809478011255


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Opus Arte

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