> > > Strauss, Richard: Die Opern in Gesamtaufnahmen Vol. 2
Donnerstag, 23. November 2017

Strauss, Richard - Die Opern in Gesamtaufnahmen Vol. 2

Einzigartige Strauss-Aufnahmen der Geschichte


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der zweite Teil der Opern-Gesamtaufnahme Richard Strauss' überzeugt mit weiteren herausragenden Interpretationen und einem extra Wiener Schmankerl.

Vorliegende zehn CDs umfassende Sammlung, eingespielt von den Wiener Philharmonikern und der Staatskapelle Dresden unter Leitung von Karl Böhm, beinhalten folgende Strauss-Opern: 'Adriadne auf Naxos' (Salzburg 1954), 'Elektra' (Dresden 1960), 'Die Frau ohne Schatten' (Wien 1955), 'Daphne' (Wien 1944), darüber hinaus finden sich Auszüge aus 'Salome', 'Arabella', 'Capriccio' sowie weiterer Werke.

Karl Böhm war nicht nur ein Zeitgenosse Richard Strauss‘, beide verband auch eine lebenslange und tiefe Künstlerfreundschaft. So widmete Strauss die Oper 'Daphne' schließlich seinem Freund aus Dankbarkeit und Zuneigung mit den Worten: ‚Lieber Freund! Ich arbeite fleißig an 'Daphne', die Ihnen gewidmet sein wird, was Ihnen hoffentlich schon heute eine kleine Weihnachtsfreude sein wird.’ Die Uraufführung fand am 15. Oktober 1938 unter der Leitung von Böhm in der Dresdner Semperoper statt und war die letzte Strauss-Premiere in Dresden; zudem war sie ein Höhepunkt in der Karriere Karl Böhms.

'Ariadne auf Naxos' behandelt in der überarbeiteten Fassung von Strauss nicht nur den bekannten Mythos von Ariadne und dem Weingott Bacchus, sondern der Oper wird ein Vorspiel vorangesetzt, das den Streit zwischen Opera seria (ernster Oper) und Opera buffa (komischer Oper) ebenso wie die Rolle von Musik am Königshof aufgreift. Auch die rachsüchtige Elektra, die auf den Tag der Vergeltung des ermordeten Ägist wartet, ist eine der bekanntesten Opern Richard Strauss‘. 'Die Frau ohne Schatten' hingegen wird heutzutage nur noch selten aufgeführt. Die Geschichte um eine Kaiserin, die weder magische noch menschliche Kräfte besitzt, nimmt eine dramatische Wendung, als es ihr und ihrer Amme trotz eines listigen Plans nicht gelingt, einen Schatten zu werfen, der sie zum Mensch werden lässt. Das Färberehepaar, das hin- und hergerissen zwischen Moral und dem versprochenen Reichtum ist, findet schließlich nach dem Streit wieder zueinander und die Kaiserin sieht ein, welche Fehler sie gemacht hat. Hilflos muss sie nun mitansehen, wie ihr Gemahl als versteinerte Statue auf einem Sockel landet. Die hochdramatische Musik Strauss‘ besitzt einen ständig wechselnden Gestus und entfaltet verschiedene Elemente, die die Entwicklung seiner Opern deutlich zeigen.

Die hier zusammengefassten historischen Opernaufnahmen sind hervorragend abgemischt, sodass auch die gesprochenen, unbegleiteten Dialoge sehr klar zu verstehen sind. Die Opern besitzen in dieser Deutung alle – trotz der sehr unterschiedlichen Sujets – einen ähnlichen musikalischen Gestus, den man am besten als Stil der Wiener Philharmoniker einordnen kann. Die Vertrautheit von Orchester und Dirigent Karl Böhm führt zu einer intensiven Interpretation, in die sich die Sänger und Sängerinnen ausgezeichnet integrieren. Gesang und Orchester werden gut gegeneinander ausbalanciert, sodass die Gleichberechtigung von Musik und Text deutlich zum Ausdruck kommt. Feine melodische Phrasen in nuancierter Dynamik machen auch längere Abschnitte der Opern zu einem wahren Genuss. Einzig die Rolle der Kaiserin in 'Die Frau ohne Schatten' sticht mit einer markerschütternden Virtuosität aus dem Ensemble heraus. Dies liegt aber vor allem an der gewollten Klangfarbe dieser Besetzung; Richard Strauss versah sie mit einem metallisch-klingenden dramatsichen Sopran. Leonie Rysanek meistert diese schwierige Herausforderung bravourös und verkörpert diese charismatische Figur absolut überzeugend.

Insgesamt sind die Aufnahmen von herausragender Qualität, technisch wie auch musikalisch. Die jahrzehntelange Arbeit als Dirigent kommt Karl Böhm in diesen anspruchsvollen Werken seines Freundes sehr zugute; der dramaturgische Bogen ist gut durchdacht. Dem Orchester wie auch den Sängern gelingen mühelos auch die schwierigsten Passagen, ohne dabei angestrengt oder zu kraftvoll zu klingen. Szenen werden dabei gekonnt ineinander geführt, um den Handlungsstrang nicht abreißen zu lassen.

Leider fehlt der CD-Box ein gebundenes Booklet - Besetzung und Aufführungsdaten sind nur auf dem Schuber der jeweiligen CD abgedruckt. Hier wäre ein kleines Heft hilfreich, das einen kurzen Überblick über die Handlung und ggf. auch die Entstehungsgeschichte liefert, damit der Hörer auch eine Vorstellung ohne Bild entwickeln und den gesungenen Text nachverfolgen kann. Ansonsten aber definitiv eine klare Kaufempfehlung für alle Opernliebhaber und Interessenten der Strauss’schen Opern.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Die Opern in Gesamtaufnahmen Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Membran
10
14.02.2014
EAN:
BestellNr.:

4053796001436
600143


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

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Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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