> > > Ives, Charles E.: Holiday - Central Park in the Dark
Mittwoch, 23. Oktober 2019

Ives, Charles E. - Holiday - Central Park in the Dark

Cluster über dem Central Park


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tagsüber Geschäftsmann, nachts Komponist ? die Karriere von Charles Ives ist sicher alles andere als gewöhnlich. Nicht nur aufgrund seines großen Opus, sondern vor allem auch wegen seines sehr eigenen Stils gilt er nach wie vor als einer der wichtigsten nordamerikanischen Komponisten des ausgehenden 19. und beginnenden 20.Jahrhunderts. Inspiriert durch transzendentale Philosophie suchte der 1874 in Danbury, Connecticut geborene Künstler ständig nach neuen musikalischen Ausdrucksformen und fand sie schließlich im Einsatz von Polyrhythmik und Bi-Tonalität in Verknüpfung mit bruchstückartigen Zitaten der Musik seiner Heimat.
So zielen die Werke von Charles Ives oftmals auf eine metaphysische Ebene jenseits der wahrnehmbaren Klänge hin, musikalisch Bekanntes ? Zitate aus Militärmärschen, Imitationen von Alltagsgeräuschen oder Ragtime-Fetzen ? steht vor einem akustisch diffusen Hintergrund jenseits eines klar definierten tonalen Zentrums.

Beide Werke der vorliegenden CD ? die viersätzige ?Holidays?-Symphonie, entstanden zwischen 1904 und 1913 und die 1906 vollendete Orchesterstudie ?Central Park in the dark? ? stehen durchaus exemplarisch für das Schaffen des Amerikaners. Beide Stücke haben einen programmatischen Hintergrund: In ?Holidays? bilden Kindheitserinnerungen an amerikanische Feiertage den Ausgangspunkt; ?Central Park in the dark? beschreibt nächtliche Straßenszenen Rund um den New Yorker Central Park.
In beiden Fällen erfolgt die akustische Umsetzung in Form starker Kontraste: scharfe Bläsereinwürfe und Melodiefragmente stehen vor einem diffusen von Rückungen sowie Sequenzierungen geprägten und zumeist von den Streichern intonierten Klangteppich.

So ist die Partitur auf jeden Fall eine große Herausforderung für die Musiker, eine Aufgabe, die das Rundfunk-Symphonieorchester Leipzig unter der Leitung von Wolf-Dieter Hauschild jedoch mit Bravour absolviert. Besonders beeindruckend ist dabei vor allem, mit welcher Konsequenz Hauschild sein Orchester auch in den komplexen polyrhthmischen Passagen zusammenhält und die Darbietung trotz der höchst anspruchsvollen Partitur nie ins Chaos abdriftet. Ganz im Gegenteil: das Orchester bringt zu jeder Zeit Licht ins Dunkel der gewollt diffusen kompositorischen Vorlage. Positiv fallen insbesondere die Bläser auf, die mit großer Präzision und ansprechender Klangformung rhythmische und melodische Akzente setzen.

Leider vermag die CD in klanglicher Hinsicht nicht ganz zu überzeugen, was allerdings weniger am Orchester als vielmehr an der Aufnahmetechnik liegt. Die Aufnahme entstand bereits im Jahr 1982 für die VEB Deutsche Schallplatten Berlin und ist für die Eterna Collection von Edel Classics remastert worden. Bei dieser Nachbearbeitung ist leider einiges an klanglicher Homogenität verloren gegangen. Zwar sind insbesondere die Bläser klar und mit ausreichender Brillanz zu hören, die Streicher hingegen klingen allerdings reichlich matt. Insgesamt ist das Klangbild zwar in Ordnung ? insbesondere die starken Dynamiksprünge kommen deutlich und überzeugend zur Geltung ? allerdings kann man meines Erachtens beim heutigen Stand der Technik ein wenig mehr erwarten.

Insgesamt betrachtet ist die Aufnahme aber eine absolut interessante Alternative im Bereich der Musik aus der Zeit des ausgehenden 19. und frühen 20.Jahrhunderts. Charles Ives hat einen Stil gefunden, der einen Platz abseits gängiger europäischer Strömungen jener Zeit einnimmt, und dessen Entdeckung sich schon allein deshalb lohnt. Die Interpretation jedenfalls lässt keine Wünsche offen, die Abstriche hinsichtlich der Klangqualität sind zu verkraften, zumal der Preis dieser CD im wesentlich eher im unteren bis mittleren Bereich angesiedelt sein dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Claas Lübbert,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Ives, Charles E.: Holiday - Central Park in the Dark

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
01.01.2003
50:25
1980
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0782124324629
0032462BC

Cover vergössern

Ives, Charles


Cover vergössern

Dirigent(en):Hauschild, Wolf-Dieter
Orchester/Ensemble:Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig
Interpret(en):Rundfunkchor Leipzig,


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Grenzensprengend: Drei Musiker bieten Kammermusik in höchster harmonischer Vollkommenheit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Fesselnd: Einspielungen des Cellisten Claudio Bohórquez sind vergleichbar mit einem Jahrhundert-Wein. Sie sind äußerst selten. Sie sind ausgereift. Ein Luxus, den er sich leistet. So entstehen Referenzeinspielungen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Introvertierter Rachmaninow: Claire Huangci hat eine extrem detailfreudige und kontrollierte Interpretation aller Préludes von Rachmaninow vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Claas Lübbert:

blättern

Alle Kritiken von Claas Lübbert...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Brennend: Für Vivaldi und Händel geben Réka Kristóf und die Accademia di Monaco alles. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Gezupfte Größe: Es ist ein höchst lebendiges Porträt der zauberhaften Musik Kapsbergers: Jonas Nordberg ist auf der Theorbe ein bemerkenswert klangorientierter Interpret. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Gespenstische Stimmen: Das aktuelle Album 'Dichterliebe' von Julian Prégardien ist ambitioniert und eigenwillig. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2019) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Michel Yost: Clarinet Concerto No. 12 - Andante

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich