> > > Boccherini, Luigi: Cello Concertos
Sonntag, 22. September 2019

Boccherini, Luigi - Cello Concertos

Wiedergeburt eines Fantasten


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Frisch und spritzig schlägt die Akademie für Alte Musik Berlin gleich zu Beginn ihrer Platte mit Cellokonzerten Luigi Boccherinis drein. Solist Ivan Monighetti kann da prächtig seine zu Beifallsstürmen aufmunternden Virtuosenkünste entfalten, denn jeder Cellist, der sich als Schüler einmal schweißtreibend dem berühmten B-Dur-Konzert mit seinen verzwickten Doppelgriffen in der Daumenlage genähert hat, weiß, welche technischen Fallstricke der oft verkannte Sohn eines Luccesischen Kontrabassisten den Interpreten seiner Werke auslegte. Auf Schritt und Tritt wird der Hörer der Tatsache gewahr, dass Vater Boccherini seinen Sohn Luigi auf Cello-Virtuosen-Karriere trimmte, bevor ihm ausgedehnte Konzertreisen durch halb Europa den großen Ruhm bescherten.
Boccherinis Qualitätsanspruch steht in fast allen seiner rund 400 Werke auf gleich hoher origineller Stufe und von der Schlagkraft seines Schaffens kann sich nicht nur der Cellomusik-Liebhaber hier in dieser CD ein eindrucksvolles Bild machen. Zu Unrecht werden die hier versammelten vier Cellokonzerte ? elf gibt es insgesamt ? Nr.1 C-Dur (477); Nr. 2 D-Dur (G 479); Nr. 3 G-Dur (G 480); und D-Dur (G 478) nur selten in den Konzertsälen gespielt. Dabei könnten sie es mühelos mit den favorisierten, populäreren beiden Haydn-Cellokonzerten aufnehmen.

Der 55-jährige Ivan Monighetti, in Riga geboren, zeigt sich in dieser Aufnahme wieder einmal mehr als höchst sensibler, professioneller Solist. Dabei glänzt der Rostropowitsch-Elève (Moskauer Konservatorium) mit seidigem, brillantem Klang. Höchst intelligent ist seine Phrasierung, die ihm erlaubt, die Werke mühelos und mit Gespür für ihren Duktus darzulegen. Die Akademie für Alte Musik Berlin mausert sich dabei zu einem großartigen Kammermusikpartner und vermittelt unbestechliches italienisches Dolce Vita, durch lichten, aber hochpräzisen Klang.
Die Verbindung Boccherinis zu Berlin ist offenkundig: Seit 1787 diente er ?von Madrid aus- als Hofkompositeur für den preußischen König Friedrich Wilhelm II, der selbst Cello spielte. Zahlreiche Handschriften Boccherinis sind deshalb noch heute im Besitz der Berliner Staatsbibliothek. Die Kadenzen der Konzerte ? das muss erwähnt werden ? hat Ivan Monighetti selbst geschrieben und sie zeugen von Fantasiereichtum und mischen einen Hauch spanische Widerborstigkeit ins Geschehen, so wie sie sich Bocherini vielleicht am Madrider Hof angeeignet haben könnte. Sehr verwegen mutet in diesem Zusammenhang Boccherinis bewusste Nutzung des Anderthalbtonschritts im G-Dur?Konzert an. Da winken die maurischen Einflüsse. Unbeschreiblich liebreizend erklingt danach das aus dem B-Dur Konzert bekannte ?Adagio?, das auf jeder Beerdigung Riesenkullertränen freisetzt. Warum dieser Satz hier auftaucht, erfährt man nicht. Da müssen die Musikologen wohl noch mal ran.
Überhaupt ist viel zu wenig bekannt von Boccherini. Ein Jammer! Also: Hineinhören bitte in diese Platte. Sie ist Hitverdächtig und empfohlen von www.klassik.com!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Boccherini, Luigi: Cello Concertos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
03.02.2003
68:42
1993
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0782124835224
0183522BC

Cover vergössern

Boccherini, Luigi


Cover vergössern

Orchester/Ensemble:Akademie für Alte Musik Berlin
Interpret(en):Monighetti, Ivan (Violoncello)


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Grenzensprengend: Drei Musiker bieten Kammermusik in höchster harmonischer Vollkommenheit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Fesselnd: Einspielungen des Cellisten Claudio Bohórquez sind vergleichbar mit einem Jahrhundert-Wein. Sie sind äußerst selten. Sie sind ausgereift. Ein Luxus, den er sich leistet. So entstehen Referenzeinspielungen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Introvertierter Rachmaninow: Claire Huangci hat eine extrem detailfreudige und kontrollierte Interpretation aller Préludes von Rachmaninow vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Manuel Stangorra:

  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Zwei Erste: Der erste Schritt hin zur Gesamteinspielung: Michaels Sanderling dirigierte die Dresdner Philharmonie bei zwei sinfonischen Erstlingen von Beethoven und Schostakowitsch. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Lebensweisheiten – nicht nur für Klavierspieler: Dieses überaus lesenswerte Buch versammelt Gespräche mit András Schiff und inspirierende Essays des Pianisten. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von Manuel Stangorra...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Sibelius und der Stummfilm: Jean Sibelius erweist sich in der eher unbekannten Bühnenmusik zur Pantomime 'Scaramouche' als Meister expressionistischer Stimmungen und Steigerungen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Aus gutem Holz geschnitzt: Eine (fast) vorbildliche Einspielung vierer Flötenkonzerte von Johann Joachim Quantz. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Eine neue Hoffnung: Episode IV im Mahlerzyklus von Osmo Vänskä und dem Minnesota Orchestra bietet großes Kino mit kleineren Schwächen im Drehbuch. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Joseph Rheinberger: Sinfonisches Tongemälde d-moll op.10 - Wallensteins Lager: Allegretto - Trio: Kapuzinerpredigt - Poco piu moderato

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich