> > > La bella più bella: Werke von Romano, Ferrari, Piccinini u. a.
Sonntag, 29. März 2020

La bella più bella - Werke von Romano, Ferrari, Piccinini u. a.

Dezente Leidenschaftlichkeit


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme frühbarocker italienischer Lieder ist auf Kosten des Ausdrucks ein wenig zu wohlklingend geraten und damit trotz des hohen musikalischen Niveaus keine herausstechende Interpretation geworden.

Die Sopranistin Roberta Invernizzi und ihr Begleiter an der Erzlaute und der Theorbe, Craig Marchitelli, haben sich auf der CD ‚La bella più bella‘ einem spannenden Repertoire gewidmet. 'La bella più bella' ist der Titel eines Liedes von Luigi Rossi, das neben anderen Liedern aus der frühen Barockzeit auf dieser vom Label Glossa veröffentlichten CD erklingt. Die Stücke für Gesangstimme und Lautenbegleitung stammen aus der Feder von Giulio Caccini, Claudio Monteverdi, Tarquinio Merula sowie weiteren Komponisten jener Zeit und handeln – wie der Titel der CD schon erahnen lässt – von Liebe, Leidenschaft und Liebesschmerz.

Wie der Name des Komponisten Monteverdi andeutet, sind die Lieder, die Invernizzi und Marchitelli hier aufgenommen haben, in die Entstehungszeit der Gattung der Oper zu verorten, was nicht zuletzt ihren besonderen interpretatorischen Reiz ausmacht. Noch nicht der artifiziellen Stilisierung der späteren Barockoper unterworfen bedient sich die Vokalmusik des Frühbarocks der musikalischen Affektdarstellung, um durch die Musik Emotionen im Zuhörer wachzurufen und ihn auf die dramatische Situation einzustimmen. Leider gelingt es den Interpreten nicht, dieses Potential tatsächlich auszuschöpfen. Die Interpretation wirkt eher nachdenklich als leidenschaftlich, ein Effekt, der nicht zuletzt auf die auffällig kontrastarme dynamische Gestaltung zurückzuführen ist, welche die Einspielung von Anfang bis Ende charakterisiert.

Roberta Invernizzi überzeugt technisch durch eine beherrschte, schlanke Stimmführung, bis hin zum Pianissimo und ebenso in den Koloraturen. Auch versteht sie es, Veränderungen der Stimmfärbung gezielt im Sinne des Ausdrucks einzusetzen, doch ihr Gesang bleibt zumeist zurückhaltend und introvertiert, was die Musik eher gefällig dahinplätschern lässt, als dass sie dem Zuhörer nahe geht. Die virtuose und farbenreiche Lautenbegleitung Craig Marchitellis, der in einigen Stücken auch solistisch in Erscheinung tritt, setzt Akzente, wenngleich eher dezent. Das Zusammenspiel der beiden ist sehr gut aufeinander abgestimmt, was sich besonders in den differenzierten Tempo- und dynamischen Variationen äußert, welche die Musiker nutzen, um ihre Interpretation abwechslungsreich zu gestalten, ohne sich jedoch gänzlich auf das dramatische Potential der Stücke einzulassen.

Diese Platte ist musikalisch durchaus ansprechend. Sowohl Roberta Invernizzi als auch Craig Marchitelli beherrschen ihr Handwerk und ihnen ist eine Aufnahme mit sehr schönen Liedern gelungen. Doch leider mangelt es ihrer Interpretation an der Bereitschaft, dem opernhaft-dramatischen Gestus der Kompositionen auf den Grund zu gehen, sodass die Schönheit der Musik eher gefällig daher kommt, als dass der Zuhörer emotional berührt würde.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Johanna Schubert,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    La bella più bella: Werke von Romano, Ferrari, Piccinini u. a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
10.01.2014
Medium:
EAN:

CD
8424562229020


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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