> > > Roussel, Albert: Klavierwerke Vol. 1
Freitag, 22. November 2019

Roussel, Albert - Klavierwerke Vol. 1

Aus der Nische


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die hier aufgenommenen Werke von Albert Roussel erweisen sich als ebenso hochwertige wie unbekannte französische Klaviermusik mit großem Ausdrucksspektrum.

Schön anzuhörende Musik ist das. Romantisches ist zu vernehmen und Impressionistisches. Vorgeprägt ist nicht nur Satie, vieles wirkt geradezu filmmusikalisch, selbst an den eleganten Ludovico Enaudi denkt man. Und doch verschenkt sich diese Klaviermusik nie unter Wert, rauscht nicht einfach vorbei, erzwingt das konzentrierte Hören durchaus.

In Frankreich gilt der Schüler von Gigout und D’Indy, der unter anderem den jungen Satie unterrichtete, als bedeutender Komponist. In Deutschland ist Albert Roussel (1869–1937) nach wie vor ein ziemlich Unbekannter. Einige sinfonische Werke haben es an die Peripherie des Repertoires geschafft, Kammermusik, Ballette und Klaviermusik sind hierzulande nahezu gänzlich unbekannt. Die vorliegende Einspielung ist der erste Teil einer geplanten Gesamteinspielung seiner Klavierwerke bei Naxos.

Er eröffnet mit der im Ausdruck etwas flüchtigen, verspielten, aber nicht beliebigen Sonatine. Im Mittelpunkt der CD steht die gut 20minütige Schauspielmusik 'Le Marchand de sable qui passe' (Der Sandmann), deren Klavierfassung hier erstmals eingespielt vorliegt. Die Vorlage war ein symbolistisches Versdrama. Und so hört man denn auch von ferne, leicht verhangen, Debussy herüberklingen. Es ist das Verdienst des Pianisten Jean-Pierre Armengaud, dass die Melancholie dieser Musik nie ins Sentimentale kippt, dass auch sonst die bekannten, jeder Art von Programmmusik innewohnenden Gefahren umschifft werden. Armengaud formt plastische Bilder und weiche Natürlichkeit, macht aber auch die Strukturen der Musik hörbar, ihre Ausdrucksvielfalt, Lebensfreude und kompositorische Konsequenz. Es macht einem direkt Lust, sich mit dem vergessenen Drama zu befassen.

Die weitere Auswahl gibt einen Überblick über Roussels Schaffen von 1904 – er war als Komponist ein ausgesprochener Spätentwickler – bis zum späten 'Prelude & Fugue'. Dieses Opus 46 wird hier extrem virtuos gespielt, druckvoll, aber ohne Schärfen. Man meint da pränatale Minimal Music zu hören, mit ungebremstem Schaum im Vorspiel, sublimiert, fast dissonant verklärt, in der Fuge. Jedes Stück hat eine Eigenart, hier mit an frühe Cembalo-Musik erinnernder berserkerhafter Mechanik, hier mit Anklängen an den Jazz oder jenen trocken-sakralen Ton, der unmittelbar an Cesar Franck, eines von Roussels Vorbildern denken lässt. Besonders bemerkenswert ist das letzte der 'Trois Pieces' op. 49, in dem nach experimentellem, fast schon postmodernem Beginn, Anklänge an Wagners Opern kaum zu überhören sind. Beides wird zu einer schlanken wie ausgefransten episch-dramatischen Linie verwoben, die eine außergewöhnliche Sogwirkung entfaltet, wiewohl immer wieder verspielte Motive aus ihr hervorbrechen. Hier bleibt Jean Pierre Armengaud vielleicht doch eine Spur zu sachlich, zu klar im Ausdruck.

Die CD ist klanglich sehr gut ausbalanciert. Ein akustischer Unterschied zwischen den 2006 aufgenommenen Stücken und den kürzlich eingespielten ersten Tracks ist nicht auszumachen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Roussel, Albert: Klavierwerke Vol. 1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
06.01.2014
Medium:
EAN:

CD
747313309375


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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