> > > Madetoja, Leevi: Sinfonie Nr. 1 & 3
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Madetoja, Leevi - Sinfonie Nr. 1 & 3

Komponierte Standbilder


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Leider kann diese Folge der Gesamteinspielung von Leevi Madetojas Sinfonien nicht ganz an die Qualitäten der ersten anschließen. Das liegt aber eher an den Stücken als an der Interpretation.

Das finnische Label Ondine sucht in einer Gesamteinspielung der Sinfonien von Leevi Madetoja einen weiteren finnischen Tonsetzer neben dem Nationalkomponisten Jean Sibelius wieder in Erinnerung zu rufen. Vor kurzem ist eine Einspielung der Zweiten Sinfonie erschienen; nun legt das Philharmonische Orchester Helsinki unter der Leitung von John Storgårds mit den Sinfonien Nr. 1 und 3 samt 'Okon Fuoko'-Suite nach. Leider kann diese Folge nicht ganz an die Qualitäten der ersten anschließen. Das liegt aber eher an den Stücken als an der Interpretation, denn gerade die Erste Sinfonie ist geeignet, dass sich Interpreten daran die Zähne ausbeißen. Und John Storgårds schlägt sich noch wacker.

Leevi Madetojas (1887–1947) sinfonischer Erstling F-Dur op. 29 erzielte bei seiner Uraufführung 1916 großen Erfolg und machte den Komponisten neben dem Übervater Sibelius zu einem klangvollen Namen im Musikleben seiner Zeit. Allerdings ist diese dreisätzige, gedrungene, etwas mehr als zwanzigminütige Erste Sinfonie interpretatorisch sehr tückisch. Madetoja arbeitet häufig mit ostinaten Figuren, rhythmisch perforierten harmonischen Flächen und mit besonderer Vorliebe stapelt er komplexe rhythmischen Schichtungen. Das zeigt sich schon im Hauptthema des ersten Satzes 'Allegro'. Doch verhindert das Übereinanderlegen der metrischen Einheiten immer wieder, dass die Musik richtig Schwung bekommt. Hinzu kommt eine dramaturgisch fragwürdige Anlage, die an Francks d-Moll-Sinfonie erinnert: Immer, wenn Fahrt aufgenommen wird, um einen Höhepunkt anzusteuern, bricht die Spannung ab, setzt neu an, verliert sich, setzt wieder neu an – dieser Leerlauf ohne zwingende Steigerungen ist für Interpreten eine äußerst harte Nuss, weil die musikalischen Verläufe komponierten Standbildern gleichen: Die Musik ist rhythmisch bewegt und kommt doch nicht von der Stelle, oder zumindest nicht zu einem Ziel. Dass die Erschaffung musikalischen Stillstands von großem Reiz sein kann, zeigt dann der zweite Satz 'Lento misterioso', dessen melancholische Kantilenen über die Klanglandschaft ziehen, ehe das 'Finale (Allegro vivace) ' wieder unter einigen Durchhängern leidet.

John Storgårds und das Philharmonische Orchester Helsinki haben schwer zu kämpfen. Am besten gelingt der langsame Satz, in dem sich die Bläser mit weit ausschwingenden Linien einbringen und das wie eine Enklave daherkommende Seitenthema des Eingangssatzes, in dem sich die Celli aussingen können. Die rhythmisch stark bewegten (und metrisch geschichteten) Teile aber sind artikulatorisch ein wenig zu weich, um wirklich punktgenau zuzustechen oder dramaturgisch nicht wirklich geschickt gehandhabt.

Glücklicher ist die Deutung von Madetojas sinfonischem Hauptwerk, der Dritten Sinfonie A-Dur op. 55. Die hellere Tönung, die melodische Kleinteiligkeit und die schlüssigere formale Disposition im Hinblick auf Spannungs- und Entspannungsstrecken kommen den Interpreten entgegen. John Storgårds lässt den Orchesterklang luftig gestalten, ohne Überdruck, aber leider auch ohne wirklich zwingende Spannungsmomente. Das opulente Scherzo entfaltet zwar sachte rhythmischen Reiz, aber könnte weitaus zündender angelegt sein. Es scheint selbst bei diesem Werk, als tastete John Storgårds sich an der Musik entlang, ohne sie aber mit frischem Zugriff klar disponierend und individuell formend nach vorn zu treiben. Dasselbe gilt auch für die Suite zu der Ballettpantomime 'Okon Fuoko' op. 58, einem der interessantesten Werke von Leevi Madetoja, das ein wenig glatt, ohne kräftige Ecken und Kanten in der klangfarblichen Zuspitzung (Schlagwerk und Bläser) und artikulatorischen Profilierung daherkommt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Madetoja, Leevi: Sinfonie Nr. 1 & 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
13.01.2014
Medium:
EAN:

CD
761195121122


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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