> > > Johann Nepomuk David: Symphonien Nr.1 & 6
Donnerstag, 21. März 2019

Johann Nepomuk David - Symphonien Nr.1 & 6

Mit breitem Pinselstrich


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es gelingt Johannes Wildner, zusammen mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien, ein überzeugendes Plädoyer für Johann Nepomuk Davids Orchesterschaffen vorzulegen.

Johann Nepomuk David, einer der wichtigsten österreichischen Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wirklich? Sofern man nicht nach avantgardistischer Klangsprache sucht, ja. Doch ist eben dies genau das Problem der David-Rezeption; die Zwölftöner sind derart übermächtig, dass es Traditionalisten schwer haben wahrgenommen zu werden. David (1895-1977) war Schüler am Stift St. Florian gewesen und hatte nicht zuletzt dort die Musik Bruckners kennengelernt. Noch wichtiger aber war ihm die Musik Mahlers – und in der Tat kann man Davids Musik in dieser Traditionslinie verstehen.

Insgesamt schuf David acht Sinfonien, die nun verdienstvollerweise vom Label cpo auf CD vorgelegt werden (mehrere weitere Sinfonien hatte David verworfen). Gerade die Erste Sinfonie a-Moll op. 18 (1937) hat tatsächlich Mahler‘sche Elemente, doch schon von den ersten Takten an zeigt sich vor allem auch eine stark kontrapunktische Faktur. Klare Liniengestaltung, nicht auf äußeren Effekt bedachte Instrumentierung, dichte Stimmführung – dies alles bewirkt eine klare Abgrenzung zu anderen Sinfonikern der Vergangenheit wie der Gegenwart, und würde man nun denken, dass Davids Schaffen in Richtung Hindemith ginge, so wäre dies ebenso irrig wie jedwede andere simple Nachfolgediskussion. Im Grunde schlägt David den Bogen viel weiter zurück – und schafft neue, monothematisch oder aus einem einzigen Kernmotiv sich entwickelnde komplexe Klanggestalten. Zwar gibt es Momente des Neobarock, doch wäre eine Reduktion hierauf ebenso unsinnig wie etwa bei Max Reger. Vielmehr verfolgt David eine künstlerische Position, die auch in anderen Ländern Europas ähnlich anzutreffen ist und die das Heute aus dem Gestern oder Vorgestern erstehen lässt, teilweise als bewusster Gegenentwurf zu der Zweiten Wiener Schule einerseits und der nachromantischen extremen Raffinesse etwa Marx‘ oder Schrekers. Auf seine Weise ist David ähnlich selbstständig wie Jean Sibelius. Durch seine kontrapunktische Technik gelingt es David unnötigen Ballast loszuwerden, ohne auf beeindruckende Steigerungen (etwa zum Ende des dritten oder vierten Satzes) verzichten zu müssen.

Die Sechste Sinfonie op. 46 entstand 1952-4 und wurde 1966 substanziell überarbeitet. Dem abermals viersätzigen Werk hat hat der Komponist in ‚Reclams Konzertführer Orchestermusik‘ eine knappe, aber durchaus treffende Zusammenfassung beigegeben: ‚Der 1. Satz: ein Präludium mit rituellem Schwung, der 2. Satz: ein Adagio mit persönlichem Anliegen, der 3. Satz: ein Wiener Walzer, der 4. Satz: eine festliche Doppelfuge.‘ Von der Faktur her ist das Werk feiner als sein offizieller Erstling, das ‚persönliche Anliegen‘ des zweiten Satzes durchaus stark emotional aufgeladen, der Walzer weit von billiger Walzerseligkeit entfernt, das Finale trotz allen kontrapunktischen Reichtums alles andere als akademische Hülse.

Wenn es heute im Plattenstudio an weniger geläufiges Repertoire des deutschsprachigen Raumes aus dem 20. Jahrhundert geht, ist der Name Johannes Wildner nicht fern – und auch hier gelingt es Wildner, zusammen mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien, ein überzeugendes Plädoyer für Davids Orchesterschaffen vorzulegen. Die typischen Klangtexturen werden in angemessen herbem Tonfall wiedergegeben. Hier geht es nicht um große Linien um ihrer selbst willen, hier ist alles der Bedeutung der Musik untergeordnet. So säuseln die Streicher auch nicht sinnlos daher, sondern strotzen vor Kraft und vermitteln einen ausgesprochen lebensvollen Eindruck. Davids Verzicht auf extreme dynamische Kontraste macht es dem Orchester leicht, mit breitem Pinselstrich aufzutragen und dennoch den größtmöglichen Effekt zu erzielen.

Die den Interpretationen ausgesprochen angemessene Aufnahmetechnik und ein umfangreicher, äußerst erhellender Booklettext von Bernhard A. Kohl, dem Leiter des Johann-Nepomuk-David-Archivs Stuttgart ergänzen auf das Glücklichste eine rundum gelungene Produktion.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Johann Nepomuk David: Symphonien Nr.1 & 6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.01.2014
EAN:

761203774128


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David, Johann Nepomuk
 - Symphonie Nr. 1 in a-Moll op. 18 - Allegro moderato
 - Symphonie Nr. 1 in a-Moll op. 18 - Andante sostenuto
 - Symphonie Nr. 1 in a-Moll op. 18 - Allegro assai
 - Symphonie Nr. 1 in a-Moll op. 18 - Allegro con brio
 - Symphonie Nr. 6 op. 46 - Allegro
 - Symphonie Nr. 6 op. 46 - Adagio
 - Symphonie Nr. 6 op. 46 - Wiener Walzer
 - Symphonie Nr. 6 op. 46 - Allegro


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Dirigent(en):Wildner, Johannes
Orchester/Ensemble:ORF Radio-Symphonieorchester Wien


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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