> > > Gottfried August Homilius: Habe deine Lust an dem Herrn: Motetten II
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Gottfried August Homilius: Habe deine Lust an dem Herrn - Motetten II

Noch ein Jubilar


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Motetten von Gottfried August Homilius in einer feinen, leichten und eleganten Deutung durch das Ensemble sirventes berlin.

Auch der 1755 zum Kreuzkantor in Dresden avancierte Gottfried August Homilius hat in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag, nicht nur der weit populärere Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel. Nachdem er sich zuvor vor allem der Orgelmusik gewidmet hatte, entstanden nach Homilius‘ Amtsantritt für das gottesdienstliche Musizieren vermehrt Motetten. Die zeigen sich in der hier vorgestellten Auswahl als ebenso feine wie elegante, vor allem ästhetisch sehr zeitgemäße Musik. Es sind überwiegend Motetten auf deutsche Texte, wenige Vesperreste in lateinischer Sprache blieben auch im protestantischen Mitteldeutschland präsent und fanden ihren Weg ins Programm der vorliegenden Platte.

Weitgehend homophon, in sanfter Rhythmisierung und mit durchaus frischer, kraftvoller, an Spannungen nicht armer, aber stets verständlicher Harmonik entfaltet Homilius seine Satzkunst. Gelegentlich brechen dezidiert gestaltete Fugen in diese im besten Sinne galante Szenerie herein – in den Themen durchaus mit erratischem Potenzial, immer wieder aber aufgelöst und eingefangen im schlichten Duktus des hauptsächlichen Geschehens.

Leichter Satz, leicht gesungen

Das Ensemble sirventes berlin setzt sich aus professionellen Vokalisten zusammen, mit Verbindungen zum RIAS Kammerchor oder dem Berliner Rundfunkchor. Und es widmet sich eher dem Repertoire abseits des ganz Geläufigen, in der Alten Musik ebenso wie in der Kunst der Gegenwart. Die 22 Vokalisten singen die Homilius-Motetten spritzig und agil, wirken stets behände und von sehr eleganter Geläufigkeit. Die Register sind fein gebaut und schlank, gleichwohl sehr charakteristisch. Homilius‘ dem Barock schon entwachsene Musik wird gleichwohl sehr deutlich sprachmotiviert verstanden und gesungen – im besten Sinne eloquent. Das wirkt ungemein zutreffend. Und es wird gestützt von der insgesamt nötigen Schlichtheit im interpretatorischen Ansatz: Da schlägt sich der überaus leichte, fast grazile Ensembleklang fruchtbar nieder. Die gelegentlich gefragten Soli lösen sich vollkommen selbstverständlich und bruchlos aus dem chorischen Geschehen.

Stefan Schuck wählt teils deutlich frische Tempi, was der leichten Faktur der Sätze und der schwebenden Ästhetik der kompositorischen Idee deutlich gerecht wird. Da leistet auch die leichte und freie, insgesamt makellose Intonation des Ensembles einen entscheidenden Beitrag. Und die Formation deutet das erhebliche melodische Potenzial der Sätze sehr sensibel, auch die Feinheiten der harmonischen Sphäre werden gelungen expliziert, ohne die Strukturen der Kompositionen zu überladen.

Das Klangbild ist klar, plastisch, leicht und bemerkenswert hell. Es betont das Moment der – im Ensemble zugegeben leuchtenden – Höhe deutlicher als die Bassregion. Und es ist ein kleiner Mangel an Expansionsfähigkeit im Volumen zu konstatieren.

Homilius lohnt sich. Das hat schon manche Produktion bei Carus gezeigt, das unterstreichen auch die Vokalisten von sirventes berlin mit Stefan Schuck aktuell. Und Homilius kehrt langsam in das Repertoire zurück. Ob ihm da ein dauerhafter Platz reserviert sein wird, ist nicht sicher: Chormusik, die deutlich nicht mehr Barock und noch nicht Klassik ist, hat traditionell viel Konkurrenz und wenig Anwälte. Verdient hätten es Homilius und seine Motetten, viele von ihnen hier erstmals eingespielt, allemal.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Gottfried August Homilius: Habe deine Lust an dem Herrn: Motetten II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
10.01.2014
053:57
2013
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350832664
8326600


Cover vergössern

"Gottfried August Homilius hat ein umfangreiches Œuvre hinterlassen. Enthalten sind u.a. zahlreiche Motetten, Kantaten und Oratorien. Die Kompositionen von Homilius waren zu ihrer Zeit außerordentlich beliebt und weit verbreitet. Anlässlich seines 300. Geburtstages erscheinen bei Carus gleich mehrere CDs mit Werken dieses „beste[n] Kirchenkomponist[en]“ (J. F. Reichardt) seiner Zeit. Homilius‘ Motetten zählen zu den anspruchsvollsten und interessantesten Werken der Chorliteratur. Dem genau vor 300 Jahren geborenen Komponisten gelingt in diesen ­Stücken eine fesselnde Kombination aus kontrapunktischer Schreibweise und dem ­neuen, empfindsamen Stil seiner Zeit. Nach der Aufsehen erregenden ersten Folge mit Frieder Bernius und dem Kammerchor Stuttgart liefert das Vokalensemble sirventes ­Berlin unter Stefan Schuck eine weitere Auswahl aus den über 60 Motetten von Homilius."


Cover vergössern

Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Carus:

  • Zur Kritik... Vorstellung einer großen Orgel mit Bach und Duruflé: Der Wiederaufbau der Frauenkirche ging einher mit dem Neubau einer Orgel. Sebastian Kummer stellt sie mit barocken und spätromantischen Werken souverän vor. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Weihnachtliche Zweitverwertung: Das Calmus Ensemble macht diesen Querschnitt seiner sängerischen Qualitäten wegen sicher für Ersthörer attraktiv. Wer systematischer unterwegs und auf dem diskografischen Weg schon länger dabei ist, dem sei abgeraten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Stecknadeln auf der Weltkarte: Eine entspannte Calmus-Platte – zum unverkrampften Kennenlernen für alle, die dieses großartige Ensemble bislang noch nicht erlebt haben sollten. Und für Kenner der Formation eine weitere Stunde Musik auf höchstem Niveau. Ein Genuss. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Carus...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Venedig da Camera: Roland Wilson und seine Musica Fiata mit einem anregend-lebendigen Bild mancher Stimme, die über Monteverdi hinausweist – und der Meister klingt mittendrin. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Verschlungene Wege: Enrico Onofri und sein Orquesta Barroca de Sevilla mit einer gelungenen Lesart von Pergolesis 'Stabat Mater', die sich wesentlich dem vokalen Glanz von María Espada und Carlos Mena verdankt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Konzentriert: Ein kompletter Kantatendreier in gerade vierzig Minuten Spieldauer, der es substanziell in sich hat: Bachs Musik ist bei Rudolf Lutz und seinen Ensembles der St. Gallener Bach-Stiftung in besten Händen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Herbe Tänze: Marek Szlezer legt beim Label Dux eine der Musik Karol Szymanowskis gewidmete Platte vor, die vor allem Mazurken enthält. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Venedig da Camera: Roland Wilson und seine Musica Fiata mit einem anregend-lebendigen Bild mancher Stimme, die über Monteverdi hinausweist – und der Meister klingt mittendrin. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Auf der Suche nach der rechten Orgel: Jean-Jacques Kantorows Saint-Saëns-Edition mit einem weiteren fulminanten Höhepunkt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich