> > > Graupner, Christoph: Himmlische Stunden, selige Zeiten
Donnerstag, 18. Januar 2018

Graupner, Christoph - Himmlische Stunden, selige Zeiten

Es muss nicht immer Bach sein


Label/Verlag: Christophorus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Miriam Feuersinger überzeugt in diesem Graupner-Programm mit ihrem wohlig warm und sicher geführten Sopran.

Warum nicht mal etwas von einem Zeitgenossen von J. S. Bach? Christoph Graupner (1683–1760) bekam bei seinem Onkel ersten Musikunterricht und besuchte später dann die Thomasschule in Leipzig. Er studierte erst Jura und dann Musik bei den Thomaskantoren Johann Schelle und Johann Kuhnau. 1705 wurde er Cembalist an der Hamburger Oper; in dieser Zeit komponierte er auch einige Opern, die sehr gut beim Publikum ankamen. 1709 erhielt er eine Stelle beim Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt und wurde zwei Jahre später auch Kapellmeister. Nach Ablehnung der Thomaskantorenstelle, da er bei Hofe viel besser verdiente, blieb er bis zu seinem Ableben dem Landgrafen treu. Nun hatte aber Bach es geschafft, dass seine Werke berühmter wurden – durch den Umstand, dass mehr Menschen in die Kirche gehen als am Hofe zu verkehren. Umso erfreulicher ist es, dass man Graupners Schaffen mit einer weiteren Neueinspielung klingenderweise bekannt macht.

Wohlig warm

Vielversprechend sieht das Cover vorliegender Graupner-Einspielung aus: die Sopranistin Miriam Feuersinger im schlichten blauen Kleid. Man ist gespannt, was die Platte mit dem Versprechen (bzw. dem Titel) ‚Himmlische Stunden, selige Zeiten’ in sich bergen mag. Gleich am Beginn vernimmt der Zuhörer einen engelsgleichen Anfang, der stimmtechnisch von Sängerin einiges, vor allem höchste Musikalität fordert und dem Zuhörer ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern vermag.

Miriam Feuersinger hat eine sehr leichte, feine, wohlig warme Stimme mit einer guten Linienführung. Ihre Höhe ist absolut sicher. Im Verlauf der ganzen CD hätte man sich aber auch mal gewünscht, dass es etwas kerniger und knackiger sein dürfte. Trotz der geistlichen Texte und dem schönen Gesang hätte ein bisschen mehr Inbrunst und Leidenschaft dem Ganzen noch den letzten Kick gegeben. Nicht immer kann man den Text gut verstehen, aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch.

Zarte Einbettung

Das seit seiner Gründung 2006 auf die Musik des Barock und Hochbarock spezialisierte Capricornus Consort Basel spielt höchst musikalisch und ausgewogen. Die Instrumentalisten sind hervorragend aufeinander abgestimmt, immer mit einem Ohr bei der Sängerin und betten sie samtweich in den Klang ein. Die Intonation ist lupenrein und glasklar, auch die Phrasierungen wirken natürlich und überzeugend. Der Ensembleleiter Peter Barczi behält das Geschehen unter Kontrolle und nutzt den Klangraum der Schweizer Kirche Heilig Kreuz in Binningen aufs Positivste, wobei des Klangvolumen nicht zu viel ist; auch den Toningenieuren gebührt hohes Lob.

Die CD ist eine Co-Produktion des Labels Christophorus mit dem schweizerischen Radiosender SFR2 Kultur. Drei von vier Kantaten und 'Tombeau' aus der Ouvertüre c-Moll sind Ersteinspielungen. Insgesamt handelt es sich bei dieser Produktion um eine Kostbarkeit, die man sich als Barockfan nicht entgehen lassen sollte. Mittlerweile wurde die Platte zu Recht mit Preisen bedacht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Graupner, Christoph: Himmlische Stunden, selige Zeiten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Christophorus
1
10.01.2014
EAN:

4010072773814


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Christophorus

Christophorus ist das älteste deutsche Plattenlabel mit dem Schwerpunkt "Geistliche Musik". Es wurde 1935 gegründet, um religiöse Inhalte mittels Schallplatten und Bücher auch während des Nazi-Regimes zu verbreiten. Heute - mehr als 75 Jahre später - stehen spirituelle Themen weiterhin im Mittelpunkt des Labels, mit besonderem Interesse für unbekannte Werke und historische Interpretation. Gregorianische Gesänge, geistliche Vokalmusik, Musik der christlichen Kirchen und die Gesänge aus Taizé sind im Katalog ebenso vertreten wie Musik des Mittelalters und der Renaissance. Mit diesem Repertoire gilt Christophorus heute als eines der wichtigsten unabhängigen Labels auf dem internationalen Klassikmarkt.


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