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Samstag, 10. Dezember 2022

Karayev, Kara - The Seven Beauties

Wenn Ost und West aufeinandertreffen


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Royal Philharmonic Orchestra erweitert die bei Naxos erscheinende Reihe „Azerbaijani Composers“ um zwei Werke von Kara Karayev, die auf mitreißende Weise das musikalische Zusammentreffen von Ost und West repräsentieren.

‚From the very beginning, East and West co-existed in me.’ Das schreibt der aserbaidschanische Komponist Kara Karayev über sich. Und wirklich scheinen in Karayevs Musik Ost und West aufeinanderzutreffen, sich zu ergänzen und in eine einzigartige Musiksprache zu münden. In ihr verbinden sich westeuropäische und russische Traditionen – Karayev studierte bei Schostakowitsch in Moskau – mit vorderasiatischen, kaukasischen und arabischen. Wie seine Heimat Aserbaidschan, eine Region voll ethnischer und kultureller Vielfalt, ist auch Karayevs Musik von großer Mannigfaltigkeit. Umso bedauerlicher ist es, dass der Name Kara Karayev außerhalb Aserbaidschans keine große Bekanntheit erlangte. Seine Kompositionen werden kaum gespielt und qualitative Aufnahmen seiner Werke sind rar.

Da ist die bei Naxos erschienene CD in der Reihe ‚Azerbaijani Composers‘ eine willkommene Ergänzung, liefert sie doch in hervorragender Klangqualität eine erstklassige Interpretation der beiden Ballett-Suiten 'The Seven Beauties' und 'The Path of Thunder'. Das Royal Philharmonic Orchestra wird dabei geleitet von dem russischen Dirigenten Dmitry Yablonsky, der sich als großartiger Vermittler von Karayevs Werken präsentiert. Das große Verständnis des Russen für Karayevs Musik lässt sich dabei einerseits aus Ähnlichkeiten der Lebensläufe der beiden Künstler erklären: Wie Karayev lebte, studierte und arbeitete auch Yablonsky für längere Zeit in Moskau. Andererseits betätigt sich Yablonsky als Musikdirektor des Baku Kammerorchesters, als Direktor des aserbaidschanischen Qabala Musik Festivals sowie als Professor an der Musikakademie in Baku; er steht also in engem Kontakt mit der Heimat Karayevs. Seine intensive Auseinandersetzung mit einem der bedeutendsten klassischen Komponisten Aserbaidschans liegt folglich auf der Hand.

Die vorliegende Aufnahme zeigt nun, dass diese Beschäftigung mit Karayevs Kompositionen auch musikalisch überzeugend ist. Energiegeladen, kontrastreich, in exotischer Farbigkeit reihen sich die Sätze aneinander. Ein Fest der Farben bieten die beiden Suiten. In 'The Seven Beauties' werden Schönheiten aus aller Welt präsentiert. Wo die byzantinische Anmut noch mit orientalischen Flötenklängen und rasselnden Tanzrhythmen förmlich an uns vorbeifegt und uns die Slawin in einen melancholischen Traum einhüllt, bricht die Schönste aller Schönheiten alle Grenzen. Verträumt und aufbrausend, sanft und kraftvoll zugleich, voller Gegensätze und Facetten zeichnet Karayev sie.

Gerade diese immensen klanglichen Kontraste und großen dynamischen Abstufungen vom sinnlichen Pianissimo zum alles durchbrechenden Forte bringt das Royal Philharmonic Orchestra in beeindruckender Weise zum Ausdruck. Die Musiker sind in der Lage, die Spannung kontinuierlich aufzubauen und nicht abreißen zu lassen. Der letzte Satz der 'Seven Beauties' wird so zu einer mitreißenden Entwicklung, die sich vom leichtfüßigen, spielerischen Beginn mit den kaum hörbaren Staccato-Einwürfen bis hin zum triumphmarschartigen Finale mit kraftvollem Schlagwerk und starkem Bassfundament steigert. Das Schlagwerk des Orchesters ist dabei besonders positiv hervorzuheben. Vom einfachen Marsch bis hin zu virtuosen Trommel-Rhythmen – besonders in der zweiten Suite 'The Path of Thunder' vonnöten – liegt eine Stärke der Aufnahme. Mit energiegeladenem, absolut präzisem Spiel überraschen die Musiker vor allem in den Solo-Einsätzen wie in 'The Dance of the Black Community'. Die Instrumentalisten spinnen die Melodien in dichtem Legato fort, wobei sowohl Stimmbalance, Tempowahl als auch Phrasierung zu einem wunderbaren Klangteppich beitragen. Dem Royal Philharmonic Orchestra scheinen gerade die großen musikalischen und klanglichen Kontraste der beiden Kompositionen Karayevs hervorragend zu liegen. Die Gegensätze, die aus der Kombination von europäischen mit orientalischen und asiatischen Klangvorstellungen resultieren, weiß das Londoner Orchester vollends auszuschöpfen, im selben Moment aber auch gekonnt verschmelzen zu lassen. Zwischen den verschiedenen Klangsphären entstehen keine Brüche.

Das Motto der Aufnahme könnte die musikalische Verbindung zwischen Ost und West sein. Und schon die Interpreten symbolisieren in gewisser Weise diesen Anspruch: Ein Londoner Orchester spielt unter der Leitung eines russischen Dirigenten Werke eines aserbaidschanischen Komponisten. So ist die Einspielung von Kara Karayevs 'The Seven Beauties' und 'The Path of Thunder' ein beeindruckendes Zeugnis davon, wie Ost und West in der Musik verschmelzen und sich gegenseitig inspirieren. Wie es Karayev für sich selbst feststellt, koexistieren auch in seiner Musik Ost und West in faszinierender Art und Weise.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Karayev, Kara: The Seven Beauties

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
06.01.2014
Medium:
EAN:

CD
747313312276


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"Im aserbaidschanischen Musikleben nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Kara Karayev eine führende Rolle. Der 1918 in Baku geborene Komponist war einer der begabtesten Schüler von Dmitri Schostakowitsch. Die Fähigkeit, scheinbar unvereinbare Musikstile wie die Chromatik eines Prokofieff mit der Volksmusik seiner Heimat in buchstäblichen Einklang zu bringen, sein Talent für das Fantastische, Lyrische und Psychologische, kommen wohl am besten in seinen Musikdramen und Balletten zum Ausdruck. Die Ballette „Seven Beauties“ und “The Path of Thunder“ hat Karayev in zwei Suiten zusammengefasst, die auf der vorliegenden CD zu hören sind. „Energische und verspielte Musik, die Yablonsky zupackend dirigiert.“ (Pizzicato über 8.570720)"


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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