> > > Furrer, Beat: Aria, Solo, Gaspra
Samstag, 26. November 2022

Furrer, Beat - Aria, Solo, Gaspra

Dramatisch komponierte Geräuschklänge


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit herkömmlichen Instrumenten erzeugte Geräusche werden gerade von den jüngeren, noch an den Musikhochschulen studierenden Komponisten so extensiv verwendet, dass man fast von einer Mode sprechen kann. Beat Furrers ,Aria', ,Solo' und ,Gaspra' sind drei vor allem aus solchen Geräuschklängen komponierten Stücke, die jedoch über allen Modeerscheinungen stehen. Den Text für ,Aria' entnahm Beat Furrer aus Günter Eichs Hörspiel ,Geh nicht nach El Kuhwehd'. Eine Frau, von ihrem Geliebten verlassen, vollzieht in einem Monolog den inneren Abschied vom Geliebten. Doch hat Beat Furrer den Text bis hin zu Zischlauten zerlegt - nur wenige Worte sind verständlich.

Zerlegt hat Beat Furrer auch durch eine geräuschhafte und perkussive Anwendung die Instrumentalklänge. Das entstehende Klangfeld ist wegen der rhythmischen Vielschichtigkeit hoch kompliziert und nur schwer erfassbar. Der Hörer wird gezwungen, die Aufmerksamkeit gezielt auf einzelne der sich überlagernden Linien zu lenken, so wie er von einem opulenten Gemälde gezwungen wird (wobei Furrers Klanglichkeit eher karg ist), den Blick zunächst auf Figuren und Figurengruppen zu konzentrieren, um schließlich das ganze Bild erfahren zu können.
Trotz aller Zerlegung blieb die ursprüngliche Dramatik des Textes erhalten. Die ,Aria' gewinnt ihre Spannung erst in der Ganzheit – eine dramatische Bewegung von der Verzweiflung über Sammlung und Befreiung hin zur Stille.

Das ,ensemble recherche' bringt die Dramatik in einer expressiven Interpretation spannungsvoll zum Vorschein. Das zerlegte wird trotz der hohen Anforderungen mit ernster Leichtigkeit bis in das kleinste Geräusch genau gespielt, ohne dabei die ,Aria' zu zerstückeln, vielmehr steht jeder Klang im ganzen. Gleiches gilt für die Sopranistin Petra Hoffmann, die mit großer Kunst die schwierigen Passagen meistert und dabei sich nicht in den Vordergrund setzt, sondern als gleichwertige Stimme in das ,ensemble recherche' integriert ist.
Auch der Cellist Lucas Fels meistert die dreistimmiges musikalisches Denken fordernden Passagen des von Beat Furrer im Anschluss an ,Aria' verfasste ,Solo'. Linke und rechte Hand werden getrennt behandelt, die linke Hand bekommt eine eigene Stimme. Die Klänge im ,Solo' sind wie auch in der ,Aria' meist nur geräuschhaft, die Struktur ist ähnlich komplex. Auch der dramatische Ablauf ist ähnlich – das Solo beginnt unruhig und gewinnt zunehmend Stille. Es sind noch Rückstände der ursprünglichen Konzeption, nach der das ,Solo' eigentlich den Namen ,Aria II' tragen sollte. Seine Zugehörigkeit zu den besten Ensembles zeigt das ,ensemble recherche' auch mit ,Gaspra', dem letzten Stück der CD. ,Gaspra' ist nach einem durch Universum taumelnden Asteroiden benannt. Doch erklingt in ,Gaspra' nicht der Klang des Weltalls, lediglich das Element der chaotischen Flugbahn hat Beat Furrer in die Entwicklung der rhythmischen Struktur übertragen.

Resumee: Wie man es vom Wiener Label ,Kairos' kennt, wurde hier wieder eine interpretatorisch und klanglich überzeugende Einspielung vorgelegt. Beat Furrers produzierte Stücke scheinen zunächst etwas sperrig, doch ist beim wiederholten Hören immer mehr zu entdecken.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Furrer, Beat: Aria, Solo, Gaspra

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Kairos
1
03.02.2003
52:52
2001
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
9120010280054
0012322KAI

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Furrer, Beat


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Interpret(en):Hoffmann, Petra (Soprano)
Fels, Lucas (Violoncello)
Ensemble Recherche,


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Kairos

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