> > > E.T.A. Hoffmann: Messe d-moll
Sonntag, 5. Dezember 2021

E.T.A. Hoffmann - Messe d-moll

Verdienstvoll


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der bekannte, als Kapellmeister gescheiterte Dichter als Komponist geistlicher Musik: mehr als eine Kuriosität?

Mit vorliegender Aufnahme setzt das Label cpo seine verdienstvolle Reihe mit Einspielungen der Kompositionen E. T. A. Hoffmanns fort, die besonders aus historischer Sicht als Zeugnisse des deutschen Musiklebens im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts jenseits von Beethoven, Schubert und Weber, jenseits von Wien und Berlin, ungemein verdienstvoll ist. Durch die religiöse Brille betrachtet, sind die hier aufgenommenen, erstmals eingespielten Werke, die Messe in d-Moll und das Miserere in b-Moll, deutlich eine Kuriosität, wenn auch keine einmalige. Ein bekennender Protestant schreibt katholische Kirchenmusik: Was den Dichter und Juristen E. T. A. Hoffmann daran fasziniert, ist auf der vorliegenden Aufnahme mit dem WDR-Chor unter Rupert Huber deutlich zu erkennen. Die Feierlichkeit ist’s – und die dem Protestantischen an sich eher fremde Sinnlichkeit.

Der begabte (im besten Sinne) musikalische Dilettant Hoffmann wurde durch das katholische Umfeld in den polnischen Städten Plock und Warschau, wo er von 1800 bis 1806 als preußischer Beamter tätig war, zu diesen Kompositionen inspiriert. Der kurzen Messe als auch dem Miserere hört man sowohl die ungewöhnliche Begabung als auch den Mangel an Professionalität deutlich an. Vieles klingt konventionell, wie aus der Komponierfibel und sehr aufs Repräsentative bedacht, besonders jeweils zum Ende der Werke hin. Zumal im Miserere – und in der Missa-Ouvertüre – hört man überdeutlich die großen Vorbilder Mozart und Händel heraus. Dagegen stehen herausragende Einzelheiten, punktuelle, raffinierte Bläsereinsätze schon in der Ouvertüre, ein komplett ungewöhnlicher, bestrickend fröhlicher Vokalsatz im Benedictus oder viele überraschende dramatische Akzente, am stärksten ins Ohr springend im Credo.

Rupert Huber gelingt es, die heterogenen Stücke kohärent zu präsentieren und in beiden Werken mit entschlossener Tempo-Dramaturgie einen tragfähigen musikalischen Bogen zu spannen. So werden die Schönheiten ausgestellt, ohne dass die Musik in Einzelteile zerfiele.

Das WDR-Orchester zeigt sich in guter Form, was auch für die Solisten gilt, unter denen der klar artikulierende, kernige Tenor Thomas Cooley und die nur im Miserere eingesetzte dringlich gestaltende Sibylla Rubens herausragen. Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt der WDR-Chor. Hier wird – besonders in den hohen Frauenstimmen – hochmusikalisch und klangschön agiert. Die Virtuosität verlangenden Passagen, etwa das Agnus Die, werden tadellos bewältigt. Allerdings fehlt es an artikulatorischer Prägnanz. Man versteht den Text schlicht nicht, in doppelter Hinsicht. Alles wirkt ein wenig routiniert. Die Aufnahmetechnik tut ein Übriges: So klar, prägnant und weich die Solisten abgebildet sind, so wabert es um den Chor herum. Der Klang ist verwaschen, fasert aus, hallt sogar ein wenig und scheint gleichsam durch das Orchester hindurch und um es herum zu kommen, während die Solisten voranstehen. Die Dynamik stimmt, zumindest in groben Zügen, aber es fehlt an Trennschärfe.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    E.T.A. Hoffmann: Messe d-moll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
05.12.2013
Medium:
EAN:

CD
761203783229


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Hoffmann, E.T.A.
 - Missa in D minor - Overtura
 - Missa in D minor - Kyrie
 - Missa in D minor - Gloria
 - Missa in D minor - Credo
 - Missa in D minor - Sanctus
 - Missa in D minor - Benedictus
 - Missa in D minor - Agnus Dei
 - Miserere in B flat minor - Miserere mei, Deus Adagio
 - Miserere in B flat minor - Ecce enim iniquitatibus conceptus sum (Andante molto)
 - Miserere in B flat minor - Ecce enim in veritatem dilexisti Andante maestoso
 - Miserere in B flat minor - Asperges me hysopo Larghetto sostenuto
 - Miserere in B flat minor - Auditui meo dabis gaudium et laetitiam Andante


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Dirigent(en):Huber, Rupert
Orchester/Ensemble:WDR Sinfonieorchester Köln


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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