> > > Tchaikovsky, Pjotr Iljitsch: Eugene Onegin
Sonntag, 17. Oktober 2021

Tchaikovsky, Pjotr Iljitsch - Eugene Onegin

Traum-Trio


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese bei Opus Arte erschienene Doppel-DVD ist als Dokument eines szenisch reizvollen Opernabends eine Auswahl-Möglichkeit und vielen. In Bezug auf die Sänger der tragenden Rollen ist dieser Mitschnitt aber ein Muss!

Das Schlussbild ist beeindruckend stark: Tatyana sucht in einem ihrer Bücher den verlorenen Seelenfrieden und Onegin beobachtet die Szenerie dem Hintergrund. Ebenfalls in seinem Blickfeld: Lenskys Leiche. Beide Menschen sind für ihn verloren. Kaspar Holtens Inszenierung von Tschaikowskys populärer Oper 'Eugen Onegin' setzt auf große Bilder, macht im Einheitsbühnenbild von Mia Stensgaard die Beziehungen der handelnden Figuren untereinander deutlich. Die Idee, die Protagonisten von Balletttänzern (Thom Rackett und Vigdis Hentze Olsen) doppeln zu lassen, ist nichts Neues, formt aber Momente von hoher Intensität. So beobachtet beispielsweise die ‚alte‘ Tatjana ihr jüngeres Ich während der berühmten Briefszene. Die Tänzerin spielt mit der Sängerin der Filipjewna, Kathleen Wilkinson, den gesamten Szenenkomplex, während Krassimira Stoyanova aus der Distanz ihren vokalen und emotionalen Beitrag leistet. Auch der Onegin ist als junger Tänzer unterwegs und für einen kurzen Augenblick formt sich in der Schlussszene das ersehnte Bild eines glücklichen Liebespaares, das den eigentlichen Figuren in der Oper verwehrt bleibt. Holtens Regie ist dabei unaufgeregt, klar und dürfte hauptsächlich engstirnige Traditionalisten verstören. Die historisierenden Kostüme von Katrina Lindsay behaupten jedenfalls noch immer die Entstehungszeit des 'Eugen Onegin' und die ausgefeilte Personenregie unterstützt trotz Tänzerdopplung einen psychologisch realistischen Handlungsverlauf. Neue Erkenntnisse über die Figuren nimmt man aus dieser Produktion, die im Februar 2013 am Londoner Covent Garden aufgezeichnet wurde, allerdings nicht mit.

Was man aber schnell erkennt, ist die ungeheure Faszination, die von Simon Keenlyside und Krassimira Stoyanova als Onegin und Tatjana ausgeht. Besser kann man diese Partien heute kaum besetzen. Simon Keenlyside verfügt bereits physisch über jene dandyhafte Ausstrahlung, diese unnachahmliche herbe Eleganz, die sich auch in seinem Gesang niederschlägt. Mit seinem bronzenen Bariton umgarnt er Tatjana und den Hörer vom ersten Augenblick an. Wenn dann das Ende seiner ersten Arie ein freischwebendes Piano krönt, muss man selbst diese zwiespältige Titelfigur mögen, sie zumindest schätzen oder achten. Zudem ist Keenlyside ein hervorragender Schauspieler. Noble Gesangskultur und eine solide Technik sind bei ihm die Grundfesten einer ganzheitlichen Rollengestaltung, die selbst auf einer DVD-Konserve nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

Was Krassimira Stoyanova an darstellerischer Differenzierung fehlen mag, macht sie durch ihre pure Stimmschönheit und vokale Intensität vergessen. Mühelos bewältigt sie die anstrengende Partie und bringt mit spielerischer Leichtigkeit eine üppige Farbenvielfalt zum Vorschein. Zudem harmoniert ihre glutvolle, jungendlich strahlende Stimme prächtig mit dem kernigen Bariton von Simon Keenlyside. Der Lensky von Pavol Breslik vervollständigt das Traum-Trio dieser Produktion. Mit lyrischer Qualität gibt er den emotional anfälligen Poeten. Sein slawisches Timbre passt hervorragend zu Tschaikowskys leidenschaftlicher Musiksprache und seine große Arie ist ein wahrer Showstopper.

Am Pult des Orchestra of the Royal Opera House befeuert der junge Dirigent Robin Ticciati mit der sinnfälligen Mischung aus Klangrausch und kraftvollen Akzenten die illustre Sängerriege. Manche Tempi sind verblüffend rasch gewählt, wirken aber so der Gefahr pathetischen Musiktheaters entgegen. In Ticciatis Lesart verbinden sich die lyrischen Szenen Tschaikowskys zu einem zielgerichteten, unaufhaltsamen Drama, das sich auch in Kaspar Holtens Inszenierung widerspiegelt.

Die übrige Besetzung spielt den drei Hauptakteuren rollendeckend die Bälle zu. Elena Maximova hat als Olga leider nur wenig Möglichkeiten ihren dunkel leuchtenden Mezzosopran zur Geltung zu bringen und Diana Montague ist namentlich zwar eine luxuriöse Besetzung als Madame Larina, fällt aber letztlich nicht besonders auf. Als Gremin ist der leicht plumpe Bass von Peter Rose eindeutig Geschmackssache, während Christophe Mortagne in der kleinen aber feinen Partie des Monsieur Triquet eine gute Figur macht.

Diese bei Opus Arte erschienene Doppel-DVD ist als Dokument eines szenisch reizvollen Opernabends eine Auswahl-Möglichkeit unter vielen. In Bezug auf die Sänger der tragenden Rollen ist dieser Mitschnitt aber ein Muss!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tchaikovsky, Pjotr Iljitsch: Eugene Onegin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
2
07.10.2013
Medium:
EAN:

DVD
809478011200


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Opus Arte

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