> > > Korngold, Erich Wolfgang: Die tote Stadt
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Korngold, Erich Wolfgang - Die tote Stadt

Abendglühen


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Letzte Zuckungen der Gattung Oper: 'Die Tote Stadt' bei Opus Arte.

Erich Wolfgang Korngold hat nach Ende des Ersten Weltkriegs eine der letzten Opern verfasst: 'Die tote Stadt'. Ort der Handlung ist Brügge, einst strotzend von Wohlstand, seit langem Kulisse, Friedhof, Museum. Hier trauert Paul um Marie, und halluziniert diese wieder herbei – ein Abgesang, zwischen Wiener Moderne und Hollywood mittig platziert.

'Die tote Stadt' war lange verfemt – unter den Nazis und einer seriellen Moderne, der Ausdruck gleich Kitsch war. Seit kurzem weckt sie Interesse, auch im Norden. Die Finnische Nationaloper hat eine Neuproduktion vorgelegt, die ‚Klärung in einige Grauzonen brachte‘. So radebrecht das Beiheft. Falsch ist es nicht – das Bühnenbild bringt die ‚Kirche des Gewesen‘ zu düster-suggestiver Wirkung, ohne ins platt Nekrophile zu verfallen. Es zeigt sich angenehm flexibel, gibt unterschiedlichen Szenerien und Stimmungen Raum. Kasper Holtens Regie enthält sich symbolischer Überfrachtung und soziologischer Analyse, schriller Dekonstruktion und metaphysischen Krampfes. Sie setzt ein Kammerspiel in Szene – die Darsteller danken mit engagiertem, dichtem Spiel.

Die Chorknabenstimme Klaus Florian Vogts ist nicht jedermanns Sache. 'Die tote Stadt' erfordert morbide Nuancen am Rande des Wahnsinns – ‚Vertigo‘ ist nah. Ebendiese Dimension bleibt Vogt verschlossen. Er bleibt ein lyrischer Tenor ohne Lyrik. Dies schließt Dankbarkeit nicht aus. Vogt zählt zu den wenigen Sängern, die, auch im Wagner-Fach, mit Fokus und Strahl, genauer Intonation und Textverständlichkeit imponieren – selten gewordenen Selbstverständlichkeiten. Camilla Nylund wartet mit ähnlichen Vorzügen auf. Marietta wird sie nach farblichem Reichtum und stimmlicher Reife gerecht – eine rollendeckende Leistung.

Mikko Franck und das Orchester begeistern. Tempi werden flexibel gehandhabt, Übergänge treten als solche nicht hervor. Das Tutti schillert in allen Farben Wagners, Straussens, Puccinis – und solchen, die einzig bei Korngold zu finden sind. Unverkrampfter und luzider wird kaum irgendwer diese Partitur auffächern können.

Das Beiheft ist schlank, aber nicht schlanker als erwartet. Adrian Mourbys Essay weiß – in deutscher Übersetzung – die morbide Gestimmtheit des Ganzen mit nautischem Humor zu unterminieren: ‚Holten arbeitet mit der psychologischen Wirklichkeit eines trauernden Mannes, der mit seinem Gefühlsleben zu kämpfen hat, und umschifft dabei einige der offensichtlicheren dramatischen Kniffe Korngolds.‘

Interpretation:
Klangqualität:
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Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Korngold, Erich Wolfgang: Die tote Stadt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
2
04.11.2013
Medium:
EAN:

DVD
809478011217


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Opus Arte

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