> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Schuldigkeit des ersten Gebots
Dienstag, 20. August 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Die Schuldigkeit des ersten Gebots

Von herausragend bis mittelmäßig


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In der Einspielung von Mozarts 'Schuldigkeit des ersten Gebots' unter der Leitung von Ian Page werden brillante Momente Seite an Seite mit musikalischem Mittelmaß geboten.

Interessante Einblicke in die musikdramatischen Fähigkeiten des jungen Wolfgang Amadeus Mozart gewährt das Frühwerk 'Die Schuldigkeit des ersten Gebots'. Während der Komposition an dem geistlichen Singspiel konnte Mozart sich auf dem Feld der szenischen Arbeit erstmals ausprobieren und sammelte wertvolle Erfahrungen für seine späteren Opernwerke. An die Bedeutung von 'Le Nozze di Figaro', 'Don Giovanni' oder der 'Zauberflöte' reicht seine 'Schuldigkeit des ersten Gebots' freilich nicht heran, doch ist sie als erste Auseinandersetzung mit dem szenischen Genre ein wichtiges Zeugnis von Mozarts musikalischer Entwicklung.

Gerade um Mozarts Weg hin zum Meister der Oper im 18. Jahrhundert nachzuvollziehen und seine Entwicklung zu verstehen, sind qualitätsvolle Aufführungen und Einspielungen der 'Schuldigkeit des ersten Gebots' hilfreich. Leider sind diese noch relativ selten zu finden und beschränken sich meist auf die diversen Gesamtaufnahmen des Mozartschen Œuvres. Willkommen ist da die neu erschienene Einspielung des Werks durch das Orchestra of Classical Opera unter der Leitung seines Begründers Ian Page. Zusammen mit jungen Nachwuchssängern präsentiert das Orchester Mozarts 'Schuldigkeit des ersten Gebots' in einer Produktion, die allerdings unterschiedliches Niveau zeigt.

Große Bandbreite der Qualität

So beinhaltet die CD, erschienen bei Signum Records, brillante und herausragende Momente, die aber leider von so manchem Mittelmaß ergänzt werden. Zu der gelungenen Seite der Produktion zählt zunächst die äußere Präsentation. Aufwändig und hochwertig ist das über 50 Seiten umfassende Booklet, in dem neben einem umfangreichen Text von Ian Page das Libretto gut strukturiert in Deutsch und Englisch abgedruckt ist. Daneben findet sich auf der zweiten CD Zusatzmaterial wie beispielsweise der Film ‚The Making of the Recording‘. Die Aufnahme wird also begleitet von interessanten, aufwändig aufbereiteten Informationen, denen aber die Klangqualität vor allem in Hinblick auf die Vermittlung der Vokalisten nicht immer gleichkommt. Zum Beispiel schwankt die Lautstärke zwischen einzelnen Solisten. Es entsteht das Gefühl, als ob der eine oder andere Solist weiter im Raum stehen würde als die übrigen. Eventuell ist das in Anlehnung an eine szenische Aufführung gedacht, doch handelt es sich schließlich um ein reines Tondokument und keine DVD-Aufnahme. Trotzdem ist der Klang durchwegs klar; das differenzierte Spiel des Orchesters wird einwandfrei eingefangen.

Die Leistung des Orchestra of Classical Opera ist dann auch zu den herausragenden Momenten der CD zu rechnen. Passende Tempi, kontrastreiche Dynamik, vielseitiger Ausdruck und ausgewogene Balance charakterisieren die instrumentale Interpretation von Mozarts 'Schuldigkeit'. Sowohl was die Continuo-Gruppe in den Rezitativen als auch was das Tutti-Ensemble in den Arien und Ensemblenummern betrifft, präsentiert sich das Orchester als durchwegs homogener Klangkörper. Ian Page leistet ganze Arbeit eine stilistisch ausgefeilte Instrumentaldarbietung zu liefern, was sich bereits in den ersten Takten der 'Sinfonia' offenbart: Energievoll, leichtfüßig drängen die Streicher voran, um von den Bläsern einfühlend getragen zu werden. Ein beweglicher Klang ist das Resultat, in dem Sanftheit und Dramatik gekonnt vereint werden.

Der brillanten Leistung des Orchesters stehen nun fünf Sänger zur Seite, die in ihren stimmlichen Möglichkeiten von meisterhaft bis durchschnittlich alle Facetten zu bieten haben. Eine erwähnenswerte Stärke der Aufnahme ist dabei die Diktion der hauptsächlich britischen Vokalisten. Hundertprozentige Textverständlichkeit wird von allen Sängern ohne Ausnahme gewährleistet, was leider noch immer keine Selbstverständlichkeit bei heutigen Aufführungen und Aufnahmen ist. Besonders die Tenöre Allan Clayton und Andrew Kennedy bestechen zudem durch ihre geschmackvolle, klanglich schöne Interpretation. So wird die Arie 'Mit Jammer muß ich schauen' durch Kennedys Gesang ein besonders Erlebnis, wenn der Tenor mit warmer Höhe und wohlklingender Tiefe, mit schwebendem Legato sowie perlenden Läufen sowohl Trauer als auch Hoffnung auszudrücken weiß.

Neben den herausragenden Tenören gestalten nun Mozarts 'Schuldigkeit des ersten Gebots' zwei Sopranistinnen und eine Mezzosopranistin, die sich in ihrer stimmlichen Klangfarbe sehr ähnlich sind. Ian Page strebte auch auf vokaler Ebene ein homogenes Ensemble mit einem durchsichtigen Klang an. Diesem Ideal entsprechen Sophie Bevan, Sarah Fox und Cora Burggraaf durch ihre leichten, glockenklaren Sopranstimmen. Das zählt sich aber nicht unbedingt positiv aus; eine etwas größerer Unterschied zwischen den Sängerinnen wäre von Zeit zu Zeit wünschenswert und würde für stimmliche Abwechslung und größere Unterscheidbarkeit sorgen. Sogar die Mezzosopranistin Burggraaf klingt eher wie eine Soubrette als ein Mezzo. Spitz, von Zeit zu Zeit sogar schrill in der Höhe, nasal und flach ohne wirkliche Durchschlagskraft in der Tiefe, mit leicht geschliffenen Koloraturen verkörpert sie die allegorische Figur der Gerechtigkeit. Vor allem den Ruf der Hölle und des Todes im zweiten Abschnitt der Arie 'Erwache, fauler Knecht' kann sie aufgrund der fehlenden dynamischen Abstufungen und Dramatik nicht überzeugend ausführen. Anders zeigt sich da Sarah Fox als verkörperte Barmherzigkeit. Mit angenehmer Wärme auch in den größten Hohen und ergreifenden Crescendi lässt sie in ihrer ersten Arie den ergrimmten Löwen zuerst mit einem brillanten Koloraturenfeuerwerk brüllen, um dann mit sanftem Legato und wunderbarer Phrasierung den Schlaf des Jägers nicht zu stören.

Brillanz, Tiefe und Meisterschaft findet sich also in der Interpretation von Mozarts 'Schuldigkeit des ersten Gebots' unter der Leitung von Ian Page genauso wie Mittelmaß, welches das Gesamtergebnis leider unnötigerweise schmälert. Die offensichtlich intensive Vorbereitung und Auseinandersetzung mit Mozarts Frühwerk wird gestört von einigen Schwächen in der Ausführung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Schuldigkeit des ersten Gebots

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
2
08.11.2013
Medium:
EAN:

CD
635212034323


Cover vergössern

signum classics

Signum Records is fuelled by the passion to produce great music recorded with integrity and creativity at the highest level.

Signum is a privately-owned and steadily-growing record label that benefits from the commitment and services of its sister company, Floating Earth, the leading production and engineering specialist service provider in Europe.

Having started the label in 1997 Signum now boasts a catalogue of nearly 150 titles and many of which are award winners, nominees or five star review recipients from around the world.

The small Signum team strives to provide a first class service at all times with clients, artists, suppliers and colleagues. Signum works with new and emerging artists and composers through to established artists, making available much-loved areas of repertoire as well as previously unheard, innovative recordings.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag signum classics:

  • Zur Kritik... Ein Chor von Format: So feiert man Traditionen und nicht zuletzt auch sich selbst: klangfreudig, frisch, selbstbewusst. Wie viele andere englische College- und Kathedralchöre gehört der Choir of St. John's College Cambridge zu einem Phänomen, das Musikkultur bis heute prägt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Frühreif: The Mozartists interpretieren zwei verschiedene Werke des frühreifen Mozart. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Debüt mit Duruflés Chorwerk: Eine schöne Gesamtschau der Chorwerke Maurice Duruflés, und dazu ein gelungenes Porträt des Houston Chamber Choir bei Signum Classics. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von signum classics...

Weitere CD-Besprechungen von Heike Nasritdinova:

  • Zur Kritik... Ein paar Juwelen des Belcanto: Die Sopranistin Elena Xanthoudakis präsentiert an der Seite von Richard Bonynge und der Royal Northern Sinfonia einige Arien des Belcanto-Repertoires in einer Aufnahme, die so einige Juwelen bereithält. Weiter...
    (Heike Nasritdinova, )
  • Zur Kritik... Großartige Interpretation eines einzigartigen Werks: Vielleicht ist es die tausendste Einspielung von Vivaldis 'Vier Jahreszeiten', doch das Orchestra of the Age of Enlightenment präsentiert die Violinkonzerte in einer wahrlich bestechenden Interpretation. Weiter...
    (Heike Nasritdinova, )
  • Zur Kritik... Von trillernden Trollen und singenden Drachen: Bezaubernd erzählt Kerstin Unseld von Troll Trillers Weg durch den Zauberwald und bringt Kindern die Musik von Vivaldi bis Dvorák in einer wundervollen Zusammenstellung näher. Weiter...
    (Heike Nasritdinova, )
blättern

Alle Kritiken von Heike Nasritdinova...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ein Tscheche in Amerika: Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Klare Diktion: Yu Mi Lee unternimmt auf ihrem Debüt-Album eine fesselnde Reise nach Russland. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Pianistisch durchleuchtet: Der Amerikaner Garrick Ohlsson bietet in seinem Falla-Programm etwas weniger Spanien als andere Interpreten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich