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Donnerstag, 23. Januar 2020

Incarnation - Gabrieli Consort

Alternative


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Paul McCreesh stellt mit seinem Gabrieli Consort eine hochinteressant programmierte Weihnachtsplatte vor ? es wird einfach exzellent gesungen.

An Weihnachtsplatten aller Art herrscht nun wirklich kein Mangel – jede Saison bringt verlässlich neue Produktionen hervor, manche von ausgesuchter Qualität, manche auf immerhin erfreulichem Niveau, wenn auch ohne programmatische Impulse. Und manche sind am freundlichsten kommentiert, wenn sie als entbehrlich bezeichnet werden. Es scheint nie genug zu geben, es ist noch nicht alles von allen gespielt und gesungen worden, der Ewigkeitswert wirklicher Edelsteine der Diskografie wird mit dieser Praxis latent angezweifelt.

Nach solcher Einleitung kann nur zweierlei kommen: Entweder ein echtes Ärgernis oder ein wirklich herausragendes Highlight. Zur Freude des Rezensenten wie des Lesers ist Letzteres zu annoncieren. Paul McCreesh hat mit seinem Gabrieli Consort eine mit ‚Incarnation‘ betitelte Platte produziert, deren Programm einen enormen zeitlichen Bogen überspannt – im engeren Wortsinn überspannt: Von schlichter mittelalterlicher Musik des 13. und 14. Jahrhunderts hin zu einigen Arbeiten des 20. und 21. Jahrhunderts. McCreesh überspringt also alles Populäre, lässt Barock, Klassik und Romantik einfach sein und greift stattdessen beherzt in den Fundus der ungeheuer lebendigen Chormusiktradition Englands hinein. Zum Beispiel mit dem hinreißenden 'Long, long ago' von Herbert Howells (1892-1983): Der fortdauernde Rekurs so vieler englischer Ensembles auf ihren Landsmann Howells wird dem Rezensenten angesichts der üppigen lyrischen, harmonischen, auch expressiven Qualitäten dieses in Kontinentaleuropa kaum geschätzten Komponisten immer verständlicher. Dazu stellt McCreesh mit meist knappen Sätzen von Matthew Martin (geb. 1976), Francis Pott (geb. 1957), Jonathan Dove (geb. 1959) und Kenneth Leighton (1929-1988) in ihren Idiomen erstaunlich verwandte Exponenten einer lebendigen Chormusikszene: Alle Komponisten sind lyrisch unglaublich begabt, finden sämtlich zu einer bemerkenswerten Sanglichkeit, sind dabei nie ohne satztechnische Ambition, überzeugen auch mit schroffer Expressivität, die freilich immer fasslich und bewusst gesetzt wirkt.

Als Finale des Programms fungiert ein besonderes Schmuckstück: Der knapp halbstündige Chor-Zyklus 'A boy was born' von Benjamin Britten (1913-1976). Es ist dies ein schlichtweg genialisches Frühwerk aus Brittens Studienzeit: Die Musik ist enorm stimmungsvoll, präzis in der Ausarbeitung der komplexen Harmonik wie der vielfältig durchbrochenen Strukturen. In einzelnen Sätzen zeichnet Britten tolle Charakterbilder, etwa des Königs Herodes. Immer wieder sind Momente von traumverlorener Schönheit zu erleben – hier gibt es im Kleinen wirklich Großes zu hören. Erstaunlich auch, wie der Personalstil der Reifezeit in etlichen Details anklingt.

Atemberaubend

Paul McCreeshs Gabrieli Consort ist ein Vokalensemble, das Harmonie auf höchstem Niveau garantiert: Es verfügt über eine edle Klangkultur, gestaltet wunderbare lyrische Bögen, auch die entschlossene, dabei fein kontrollierte Kraftentfaltung steht den Vokalisten zu Gebote. Intonatorisch ist der Befund herausragend, wird in jeder dynamischen Sphäre des in dieser Hinsicht reich gestaffelten Tableaus vorbildlich und absolut ungefährdet gesungen. Die Register sind edel miteinander verblendet und zugleich doch charaktervoll ausgebaut. Vom feinfühligen Solo – zum Beispiel vom Altisten Matthew Venner im mittelalterlichen 'Lullay, Lullay' – über kleine Ensembles bis zum wirklich vollen Chorklang bei Howells, Dove oder Britten überzeugen die Protagonisten gleichermaßen, bei letzterem auch mit stupender Ensemblevirtuosität. Bei Britten gehen in einigen Passagen die vorzüglichen Knabensoprane des Chors der königlichen Kapelle in Kopenhagen mit und verschmelzen auf bemerkenswert selbstverständliche Weise mit den Gabrielis. Die insgesamt überzeugendste solistische Leistung kommt mit dem vorzüglichen, reif interpretierenden Nicholas Algot Swensen überraschenderweise aus dem Kreis dieser Knaben.

Klanglich ist das Geschehen in einen Raum von großer Natürlichkeit eingebettet, nicht mit kühler Präzision, eher als gleichsam atmendes, lebendiges Abbild. Und in einem engagierten Gespräch mit Jeremy Summerly begründet Paul McCreesh im Booklet voller Überzeugungskraft seine Absage an das programmatisch Übliche. Dazu gefällt die ebenso dezente wie feine Bebilderung.

Zu erleben ist ein glänzend gewähltes Programm, in dem alles Gängige vermieden wird. Und doch versammelt es ausschließlich Stücke von großer Intensität, die beim Hörer ein schlicht leuchtendes Weihnachtsgefühl zu evozieren vermögen. Es ist dies ganz sicher eine der außergewöhnlichsten Weihnachtsplatten der Saison, die das Zeug dazu hat, weit über den Moment hinaus zu wirken. Es scheint nicht gewagt, dieser Platte einen gewissen Ewigkeitswert zuzumessen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Incarnation: Gabrieli Consort

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
08.11.2013
Medium:
EAN:

CD
635212034620


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signum classics

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