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Donnerstag, 24. August 2017

Donizetti, Gaetano - Lucrezia Borgia

Mutti und Sohn


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese 'Lucrezia Borgia' aus San Francisco lebt von der Überzeichnung. Das gilt leider auch für die musikalische Seite, die zum Teil sehr ansprechende Leistungen präsentiert, aber nicht rundum zufrieden stellen kann.

Als fürsorgliche Mutter ist Lucrezia Borgia nicht primär bekannt – vielmehr als legendäre Giftmischerin wenn sie auch historisch korrekter wohl eher Spielball der Winkelzüge von Männern war. In der Oper ist das natürlich anders. Auch hier gibt es zwar die Nötigungen durch den Ehemann (Herzog Alfonso d‘Este), aber stärker im Zentrum steht die scheinbar schamlose Zuneigung zu dem jungen Gennaro, der aber, auch wenn er die Borgias hasst, in Wirklichkeit Lucrezias lange verschollener Sohn ist. In San Francisco hatte in der hier vorliegenden im Herbst 2011 mitgeschnittenen Produktion der Brite John Pascoe nahezu alle Fäden in der Hand; er zeichnete für die Inszenierung wie für die Ausstattung gleichermaßen verantwortlich. Pascoe überzeichnet sowohl in der Ausstattung wie in den Kostümen immer wieder bewusst – auch um den Ruf, der den Borgias anhaftet (obwohl er vielleicht Lucrezias Mann anzurechnen ist), farbig herauszuarbeiten. Zu Beginn des dritten Bildes wird schnell einmal ein wenig auf der Bühne gefoltert, es gibt ‚Sieg Heil‘-Gesten. Besonders die Kostüme sind von großem Prunk und Einfallsreichtum – wenn auch vielmehr Synthetik denn Seide zu sehen ist.

Diese Vergrößerung führt leider auch musikalisch zu einer Vergröberung. Das Opernorchester San Francisco unter der Leitung von Riccardo Frizza bietet eher eine Verismo- denn eine Belcanto-Lesart von Donizettis Partitur, und auch die Solisten und der Chor ordnen sich dieser Sichtweise unter. Renée Fleming hat anderswo, etwa in einigen Produktionen für Opera Rara, bewiesen, dass sie durchaus Belcanto-Gespür haben kann. Hier mangelt es ihrer Stimme gelegentlich an Finesse, verzichtet sie auf vokales Finish und ordnet es der darstellerischen Dichte unter. Überdies liegt ihr die Partie im Grunde etwas zu tief, so dass sie häufig ihr zwar gut ausgebildetes Brustregister bemühen muss und die Stimme nicht immer ganz ausgewogen klingt. Der ukrainische Bass Vitalij Kowaljow kann für den Herzog Alfonso eine genügende brutale Ausstrahlung aufbieten, aber leider kein Gespür für Donizettis Musik. Im Jahr 2011 darf man mehr musikalisches Feingefühl erwarten, das aber wie gesagt auch vom Dirigentenpult her nicht bereitgestellt wird.

Elizabeth DeShong (Maffio Orsini) verfügt über eine reiche Mezzosopranstimme mit prachtvoller Tiefe und schönem mittleren Register, doch fehlt auch ihr Belcanto-Glanz. Überdies verliert sie sich, als misanthroper rothaariger Pummel kostümiert (der allzu häufig nach dem Dirigentenpult schielt), (auch sing-)darstellerisch immer wieder in äußerlichen Posen, so dass man ihr Orsinis Zuneigung zu Gennaro nicht abnehmen kann – das schwule Liebesduett im dritten Akt ist einer der Tiefpunkte der Produktion. Gennaro – Michael Fabiano (mit Billy Idol-Gedenkblondierung und bei Bedarf tiefdekolletiertem brustbehaarten Kostüm) – scheint gleichfalls Orsini nicht wirklich herzlich zugetan. Auch sonst bleibt Fabianos Darstellung eher blass. Fabiano hat keinen Tenore con grazia, eher einen jugendlichen Heldentenor, der bereits ausgewachsene Verdi-Partien übernehmen kann. Was ihm an vokaler Anmut fehlt, versucht er durch reine Stimme auszugleichen (mit manchen wirklich schönen Momenten). Hierdurch kommt zwar keine musikalische Charakterisierung zustande, aber immerhin sitzen alle Töne.

Die Comprimarii sind gute Ensemblemitglieder, die das vorgestellte Konzept loyal mittragen. Dass nicht nur kein Belcanto-Gefühl aufkommen will, sondern auch keine insgesamt schlüssige Dramatik, liegt einerseits am Dirigenten, der die Musik zu wenig formt und die Sänger stützt, andererseits aber auch an der Regie, die die Schwächen der Handlung eher verstärkt als überspielt.

Ein besonderes Lob darf den Extras ausgestellt werden – sowohl dem großzügig mehrsprachigen Booklet als auch der extra bereitgestellten Bonus-DVD mit knapp 15 Minuten Interviews und einem ‚Production Time-Lapse‘ von weiteren fünf Minuten. Zusammen hätte all dies ohne Not mit auf die DVD der Oper selbst gepasst. Dennoch – eine schöne Ergänzung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Donizetti, Gaetano: Lucrezia Borgia

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
2
21.10.2013
EAN:

880242596482


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EuroArts

Das renommierte Qualitätslabel EuroArts vertreibt neben dem umfangreichen EuroArts-Katalog auch die Label "Idéale Audience", "Juxtapositions" und das Musik-Label "BBC Legends". Von 2007 bis 2009 veröffentlichte das Unternehmen auch Programme unter dem Label "Medici Arts".

Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts mit den Berliner Philharmonikern - die jährlichen Aufzeichnungen der Europa-, Waldbühnen- und Silvester-Konzerte sind erfolgreiche und international etablierte Musikprojekte.

Die regelmäßigen Konzertaufzeichnungen beim Verbier Festival und dem Lucerne Festival haben für das Unternehmen seit Jahren eine ebenso große Bedeutung wie die enge Zusammenarbeit mit den Dirigenten Claudio Abbado, Riccardo Chailly, Sir Simon Rattle und Pierre Boulez.

Neben nahezu allen großen Dirigenten sind im Katalog auch viele weltbekannte Künstler vertreten: erwähnt seien nur Plácido Domingo, Waltraud Meier, Anna Netrebko, Renée Fleming, Anne-Sophie Mutter, Gidon Kremer, Lang Lang, Martha Argerich, Alfred Brendel, Evgeny Kissin, Yuja Wang, Piotr Anderszewski und Hélène Grimaud.

EuroArts unterhält eine eigene TV- und Film-Produktion, die neben zahlreichen Konzert-Aufzeichnungen auch hochwertige Musik-Dokumentarfilme realisiert. Die "Classic Archive"-Programme und die Reihe "Introducing" unterstreicht das Engagement von EuroArts im Education Bereich.


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