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Samstag, 20. Juli 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Requiem

Im ewigen Andante


Label/Verlag: ACCENTUS Music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mozarts Requiem ? mit guten Sängern und Claudio Abbado.

Claudio Abbado hat im August 2012 mit seinem Luzerner Orchester und Rundfunkchören aus München und Stockholm Mozarts Requiem aufgeführt. Accentus hat den Mitschnitt auf DVD vorgelegt. Bei aller Verehrung muss festgestellt werden, dass diese Darstellung nicht zu Abbados besten Leistungen zählt.

Man hat Franz Beyers moderne Bearbeitung der Süßmayr-Fassung zugrunde gelegt. Das 'Sanctus' wird in Robert Levins Deutung gegeben. Der Gesamteindruck ist homogen, Chor und Orchester agieren synchron. Abbados Gestik ist ein Augenschmaus. Das Grundproblem seines Vortrags bleibt das Desinteresse gegenüber harmonischen Verläufen. Es sorgt für fließende Leichtigkeit im ununterbrochenen Andante, doch viele Phrasierungen bleiben vage und unverbindlich. Sie lassen Richtung und Perspektive vermissen.

Schönster Vorzug ist Abbados Verhaltenheit. Nicht einmal im 'Confutatis' schlägt er Lärm. Wo mindere Interpreten meinen, der Totenmesse Tränendrückerei und Herzensergießungen zu schulden, bleibt Abbado vornehm und leise. Das Klangbild ist luftig, ohne sich zu spreizen. Es waltet Leichtigkeit, liturgische Gravität begegnet nirgends. Ein flottes Tempo ohne Schweiß, unangestrengte Elastizität und nadelstichfeine Akzente sind typisch für Abbados späten Mozartstil. Der Requiem-Aufführung zu Karajans zehntem Todestag im Jahre 1999 ist diese Lesart deutlich überlegen – den Berliner Philharmonikern war es unmöglich gewesen, im Salzburger Dom luziden Mozartklang zu erzeugen.

Anna Prohaskas Sopran hat Ausdruckskraft und Substanz, ohne an Kern und Genauigkeit einzubüßen. Maximilian Schmitts Tenor ist blendend fokussiert, leichtgängig und sicher geführt. René Pape bietet wie immer sonore Geschmeidigkeit. Sara Mingardo versieht die undankbare Altpartie mit hoher Zuverlässigkeit und ordnet sich dem Ensemble ein. Bessere Solisten sind schwerlich zu finden.

Zuletzt herrscht langes Schweigen. Die Kamera fixiert den Dirigenten. Sein Ausdruck ist aufgewühlt, schmerzlich. Man schämt sich zuzusehen. Dann brandet pietätvoll gedämpfter Beifall auf.

Michael Beyers Regie ist professionell. Einige Schnitte und Kamerafahrten mögen überflüssig erscheinen. Sie dürften Sehgewohnheiten des Fernsehens geschuldet sein: Arte und das Schweizer Fernsehen sind beteiligt. Das Booklet ist wenig aussagekräftig, aber mit hübschen Photographien versehen. Die Solisten werden nicht, wie es Brauch ist, mit biographischen Informationen vorgestellt, sondern durch Widmungen an Abbado. Einige streifen die Peinlichkeitsgrenze: ‚Ihm zuzuhören, ihn zu beobachten und ihn lächeln zu sehen, während er mir einen Teil seiner Musik schenkt, ist erfüllend, mitreißend und beglückend.‘

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Requiem

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ACCENTUS Music
1
12.07.2013
Medium:
EAN:

DVD
4260234830408


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ACCENTUS Music

ACCENTUS Music wurde 2010 als Produktionsfirma mit einem sehr erfahrenen Team aus Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten, Tonmeistern und Cuttern und als gleichnamiges DVD Label auf dem Klassikmarkt gegründet. Die Firma mit Sitz in der Musikstadt Leipzig, unweit der Thomaskirche, produziert weltweit erstklassige Konzertereignisse, Opern sowie Künstlerportraits und Dokumentarfilme. Auf den DVD- und Blu-ray Veröffentlichungen finden sich herausragende Künstler wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Evgeny Kissin, Martha Argerich, Riccardo Chailly, Pierre Boulez, Joshua Bell, Lucerne Festival Orchestra, New York Philharmonic und das Simón Bolívar Jugendorchester. ACCENTUS Music erfüllt sowohl künstlerisch wie auch technisch höchste Ansprüche von Klassik-Liebhabern rund um den Globus.


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