> > > Neuwirth, Olga: Clinamen / Nodus - Construction in Space
Mittwoch, 19. Januar 2022

Neuwirth, Olga - Clinamen / Nodus - Construction in Space

Klaustrophobie und Utopie


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das ansprechend aufgemachte Cover, das professionell gestaltete Booklet führen bereits in die diffizile, feinteilige Komposition der Werke ein. Olga Neuwirth, die sich als junge Nachwuchskomponistin bereits mehr als nur einen guten Ruf gemacht hat, stellt in dieser Aufnahme zwei groß dimensionierte Stücke vor: ‚Clinamen / Nodus‘ (1999) und ‚Construction in Space‘ (2000).

Das erste Stück ‚Clinamen / Nodus‘ ist ein Auftragswerk für das London Symphony Orchestra. In seiner Dauer von einer knappen Viertelstunde konfrontiert es den Hörer mit einer musikalischen Ausfaltung der lateinischen Titelbegriffe. Wie ein Knoten bildet der Ton D ein Zentrum, auf welches sich das Stück immer wieder beruft, wohin es immer wieder zurückkehrt, während ‚maschinelle‘ Teile das Werk in Anlehnung an den Freud‘schen Terminus ‚Clinamen‘ als immer wiederkehrendes katastrophales Moment brechen. In berauschender Folge präsentieren sich dem Hörer komplexe rhythmische Muster, Klangschichten und sich bewegende surrende Klänge. Er findet sich in Wogen von Gefühlwandlungen vom Unheimlichen zum Verstörten versetzt, deren Intensität man sich nicht entziehen kann.

Das Stück ‚Construction in Space‘ stellt eine an Neuwirths Mentor Pierre Boulez zum 75. Geburtstag gewidmete Überarbeitung des Werks ‚The Long Rain‘ dar, welches als Filmmusik für den gleichnamigen Film von Michael Kreihsl konzipiert und im Oktober 2000 uraufgeführt wurde. Dahinter steht eine Kurzgeschichte von Ray Bradbury, die von die Verzweiflung, Panik, ja von der Irre getragen ist, zu der die Suche einer kleinen Raumfahrergruppe gerät. ‚Construction in Space‘ dauert mit seinen 46 Minuten fast dreimal so lange wie ‚Clinamen / Nodus‘. Räumlich schließt es das Publikum mit vier Instrumentengruppen ein, verstörende Klänge bewegen, verschieben sich im Raum, langsam verdichtet sich der Eindruck von Klaustrophobie. Die Kombination von Live-Elektronik mit Blasinstrumenten (Bassflöte, Bassklarinette, Saxophon, Tuba) bringt die Klangwelten nahe zur Surrealität. Das Stück umfängt den Hörer mit hektischen, im Raum fliegenden Fetzen, schrillen, flirrenden Klängen, Spannungen, die unaufgelöst im Trüben münden. Zuletzt zeichnen die Instrumente Bradburys Utopie nach, die Instrumente verlieren sich in Obertonreihen, die sich immer dichter ineinander schieben, bis der enge Raum des Stücks gebrochen wird.
In brillianter Klangqualität vermag man die Räumlichkeit von Neuwirths Kompositionen nachvollziehen – Fazit: die Musik ist schwer und komplex, aber es gibt nichts, was den Experten oder Liebhaber am Genuss dieser CD stören könnte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Marom,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Neuwirth, Olga: Clinamen / Nodus - Construction in Space

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
Kairos
1
07.01.2003
60:59
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
9120010280030
0012302KAI

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Neuwirth, Olga


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Dirigent(en):Boulez, Pierre
Orchester/Ensemble:London Symphony Orchestra


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Kairos

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