> > > Neuwirth, Olga: Clinamen / Nodus - Construction in Space
Donnerstag, 17. Juni 2021

Neuwirth, Olga - Clinamen / Nodus - Construction in Space

Klaustrophobie und Utopie


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das ansprechend aufgemachte Cover, das professionell gestaltete Booklet führen bereits in die diffizile, feinteilige Komposition der Werke ein. Olga Neuwirth, die sich als junge Nachwuchskomponistin bereits mehr als nur einen guten Ruf gemacht hat, stellt in dieser Aufnahme zwei groß dimensionierte Stücke vor: ‚Clinamen / Nodus‘ (1999) und ‚Construction in Space‘ (2000).

Das erste Stück ‚Clinamen / Nodus‘ ist ein Auftragswerk für das London Symphony Orchestra. In seiner Dauer von einer knappen Viertelstunde konfrontiert es den Hörer mit einer musikalischen Ausfaltung der lateinischen Titelbegriffe. Wie ein Knoten bildet der Ton D ein Zentrum, auf welches sich das Stück immer wieder beruft, wohin es immer wieder zurückkehrt, während ‚maschinelle‘ Teile das Werk in Anlehnung an den Freud‘schen Terminus ‚Clinamen‘ als immer wiederkehrendes katastrophales Moment brechen. In berauschender Folge präsentieren sich dem Hörer komplexe rhythmische Muster, Klangschichten und sich bewegende surrende Klänge. Er findet sich in Wogen von Gefühlwandlungen vom Unheimlichen zum Verstörten versetzt, deren Intensität man sich nicht entziehen kann.

Das Stück ‚Construction in Space‘ stellt eine an Neuwirths Mentor Pierre Boulez zum 75. Geburtstag gewidmete Überarbeitung des Werks ‚The Long Rain‘ dar, welches als Filmmusik für den gleichnamigen Film von Michael Kreihsl konzipiert und im Oktober 2000 uraufgeführt wurde. Dahinter steht eine Kurzgeschichte von Ray Bradbury, die von die Verzweiflung, Panik, ja von der Irre getragen ist, zu der die Suche einer kleinen Raumfahrergruppe gerät. ‚Construction in Space‘ dauert mit seinen 46 Minuten fast dreimal so lange wie ‚Clinamen / Nodus‘. Räumlich schließt es das Publikum mit vier Instrumentengruppen ein, verstörende Klänge bewegen, verschieben sich im Raum, langsam verdichtet sich der Eindruck von Klaustrophobie. Die Kombination von Live-Elektronik mit Blasinstrumenten (Bassflöte, Bassklarinette, Saxophon, Tuba) bringt die Klangwelten nahe zur Surrealität. Das Stück umfängt den Hörer mit hektischen, im Raum fliegenden Fetzen, schrillen, flirrenden Klängen, Spannungen, die unaufgelöst im Trüben münden. Zuletzt zeichnen die Instrumente Bradburys Utopie nach, die Instrumente verlieren sich in Obertonreihen, die sich immer dichter ineinander schieben, bis der enge Raum des Stücks gebrochen wird.
In brillianter Klangqualität vermag man die Räumlichkeit von Neuwirths Kompositionen nachvollziehen – Fazit: die Musik ist schwer und komplex, aber es gibt nichts, was den Experten oder Liebhaber am Genuss dieser CD stören könnte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Marom,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Neuwirth, Olga: Clinamen / Nodus - Construction in Space

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
Kairos
1
07.01.2003
60:59
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
9120010280030
0012302KAI

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Neuwirth, Olga


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Dirigent(en):Boulez, Pierre
Orchester/Ensemble:London Symphony Orchestra


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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