> > > British Works for Cello & Piano Vol. 2: Werke von Bowen, Bax & Ireland
Montag, 15. August 2022

British Works for Cello & Piano Vol. 2 - Werke von Bowen, Bax & Ireland

Kuhfladenmusik?


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Paul und Huw Watkins sind ein kongeniales Duo, das allerdings in den britischen Cellosonaten des frühen 20. Jahrhundert mitunter einen etwas zu leichtgewichtigen Zugang wählt.

Jene Musik, die sich nicht von der Tonalität abkehrte, die vielmehr auf nationale Wurzel zurückgriff, jene Musik, die von anderen der ‚English Pastoral School‘ zugerechnet wird, bezeichnete die 1906 geborene Komponistin Elisabeth Lutyens verächtlich als ‚Kuhfladenmusik‘. Der Gebrauch von Volksgut, von harmonischem Material, das bis in die Renaissance zurückgriff, schien ihr allzu rückwärtsgewandt, als gänzlich der falsche Weg. Nun wäre es fatal, würde man in dieser wie der Gegenrichtung pauschalierend urteilen wollen; und auch wenn die drei hier vorgestellten Sonaten eher weniger der von Lutyens angeprangerten Richtung angehören, werden sie doch dem nur an Avantgarde Interessierten unzeitgemäß und banal erscheinen. In Wirklichkeit aber gehören sie zu den besten britischen Cellosonaten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Alle entstanden für die Cellistin Beatrice Harrison (1892–1965), die die berühmte frühe Einspielung von Elgars Cellokonzert unter der Leitung des Komponisten für His Master’s Voice einspielte. Zwei der drei drei Komponisten, Arnold Bax und John Ireland, gehören seit langem fest zum Kanon britischer Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der dritte im Bunde, York Bowen, in Vergessenheit und wurde erst vor rund zwanzig Jahren wiederentdeckt (nicht zuletzt auch dank der Verdienste des Verfassers). Bei keinem der Werke handelt es sich um CD-Premieren, doch ist die Zahl der vorliegenden Einspielungen in keinem Fall außerordentlich hoch, so dass diese neue mit den Brüdern Paul und Huw Watkins insgesamt eine willkommene Bereicherung ist.

Das früheste Werk auf der CD ist die A-Dur-Sonate op. 64 von York Bowen (1884–1961), 1921 uraufgeführt und seit 2002 mittlerweile zum dritten Mal auf CD vorgelegt – dennoch national wie international aber immer noch weitgehend unbekannt. Musikalisch ist die Komposition sicher die am wenigsten ‚abenteuerliche‘, doch wird Bowen mittlerweile wieder völlig zu Recht als ein brillanter Meister seiner Kunst angesehen, selbst wenn er sich nicht ganz so wie andere traute, die Musikgeschichte voranzutreiben; er schuf mehr Werke für das Publikum der Gegenwart denn für jenes der Zukunft. Seine Cellosonate ist wie die beiden anderen Werke auf dieser CD dreisätzig, mit einem traditionell langsamen Satz im Zentrum. In Momenten erinnert Bowen an Delius, in anderen an Debussy, hat aber insgesamt einen durchaus eigenen Ton, den es aber immer noch zu erkunden gilt.

Neben der Cellosonate Es-Dur von 1923 schuf Arnold Bax (1883–1953) noch eine ganze Reihe weiterer Werke für Violoncello und Klavier, doch seine Legend-Sonata von 1943 ist bekannter als die zwanzig Jahre zuvor entstandene Komposition, nicht zuletzt weil sei die für Bax so typische ‚legendary mood‘ der nachromantischen Musik bedient. In gewisser Weise ist aber die hier vorgestellte dreisätzige Es-Dur-Sonate sogar einen Hauch moderner als das spätere Werk, nicht zuletzt durch unterschwellige Jazzeinflüsse und interessante chromatische Schärfungen.

John Irelands im Grunde überschaubarer Werkkorpus bietet nur wenige Sonaten für Soloinstrument und Klavier, neben zwei Violinsonaten und einer kürzeren Klarinettensonate vor allem die hier vorliegende Cellosonate in g-Moll, ebenfalls aus dem Jahre 1923, mit einem herrlichen introvertierten Mittelsatz.

Mehr als viele ihrer Kollegen kosten Watkins und Watkins den melodischen Reichtum der drei Werke aus – Paul Watkins ist bekanntlich ein Meister der Phrasierung, der dynamischen Steigerung, sein Bruder ein kongenialer Klavierpartner. Dennoch wirken sie im direkten Vergleich zu anderen Einspielungen nicht selten deutlich weniger tiefgründig; beim Bax etwa erlangen Benjamin Gregor-Smith und Yolande Wrigley (ASV) eine tiefere Mystik (trotz des etwas farbärmeren Cellotons), müssen dafür aber die unterschwelligen Jazzeinflüsse etwas unterdrücken. Besonders fällt der Unterschied beim Kopfsatz der Ireland-Sonate auf. Im Vergleich zu André Navarra und Eric Parkin (Lyrita) sind Watkins und Watkins regelrecht leichtgewichtig, was der Musik nur bedingt bekommt. Erst in den beiden anderen Sätzen finden Watkins und Watkins den rechten Ton für das Werk, da sind Navarra und Parkin insgesamt konsistenter. Trotz problematischer Aufnahmetechnik überzeugen auch beim Bowen Jane Salmon und Michael Dussek (Dutton) schlussendlich geringfügig mehr, scheint die Interpretation mehr Wärme und innere Durchdringung zu erleben.

Aufnahmetechnik und Booklet sind wie bei Chandos Records üblich tadellos; mit Blick auf eine zwar nicht übermächtige, aber doch existente Konkurrenz kann man jedoch der CD nicht die volle Punktzahl geben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    British Works for Cello & Piano Vol. 2: Werke von Bowen, Bax & Ireland

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
04.10.2013
Medium:
EAN:

CD
095115179222


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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