> > > August Klughardt: Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 71
Mittwoch, 28. Oktober 2020

August Klughardt - Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 71

Schöne Stellen zwischen Durststrecken


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Antony Hermus und die Anhaltinische Philharmonie Dessau sind erstklassige Musiker, die sich hier für den allerdings eher zweitklassigen Komponisten August Klughardt engagieren.

Wie viele Komponisten, die zu Lebzeiten internationalen Ruhm genossen, sind heute vergessen? Robert Fuchs (1847–1927) etwa, zu dem einst junge Musiker aus ganz Europa pilgerten, um bei ihm zu studieren – allenfalls auf Tonträgern erklingt noch das eine oder andere Werk von ihm. Oder Wolfgang Fortner (1907–1987), einer der meistgespielten deutschen Tondichter der Adenauer-Ära – er ist heute aus den Konzertsälen praktisch verschwunden. Umso schwieriger verhält es sich mit der Rezeption, wenn der Komponist schon für seine Zeitgenossen nur ein zweitrangiger Name war wie etwa August Klughardt, 1847 in Köthen geboren und 1902 in Dessau verstorben. Sein recht umfangreiches Schaffen mit einem Schwerpunkt auf der Orchestermusik ist heute fast völlig vergessen, und auch schon zu seiner Zeit war Klughardt weniger bekannt als Liszt, Brahms oder sogar Joachim Raff. Tut man ihm, tut man seiner Musik damit Unrecht?

Nicht unbedingt, wenn man die drei auf dieser CD versammelten Werke als Messlatte nehmen darf. Gewiss, Klughardt verstand das kompositorische Handwerk seiner Epoche und schlug auch durchaus eigenständige Wege ein, so etwa in seiner Fünften Symphonie op. 71. Ein zwischen Scherzo und Finale eingeschobenes 'Andante' erweitert die traditionelle Viersätzigkeit um einen Abschnitt, an sich eine nette Idee. Doch wenn dem Komponisten dann im Finale dann hörbar die Luft ausgeht, verstärkt sich der Eindruck, der sich auch das ganze Werk über nicht so recht verflüchtigen wollte: Solide Orchestermusik irgendwo zwischen Mendelssohn, Schumann und Brahms mit hörbaren Anklängen an diese drei Herren – aber eben nicht mehr. Die Interpreten, in diesem Fall die Musiker der Anhaltinischen Philharmonie Dessau unter Antony Hermus, stehen da vor einer etwas undankbaren Aufgabe.

Unbestritten gibt es zumal im 'Adagio' der Symphonie oder in der prächtigen, an Wagner erinnernden Festouvertüre op. 78 gelungene Momente, die Hermus angemessen zelebriert. Auch der Beginn des Kopfsatzes der Fünften mit dem triumphal voranschreitenden ersten Thema kann den Hörer für sich gewinnen. Doch all die satt tönenden Streicher und kraftvollen Blechbläser der Anhaltinischen Philharmonie können nicht über die Blässe des Werkes hinwegtäuschen. Zu oft wiederholt sich Klughardt, zu vorhersehbar ertönen weite Strecken vor allem des ersten und dritten Satzes. Auch die hier und da erklingende Solovioline, Reminiszenz an die ursprüngliche (jedoch nicht erhaltene) Fassung des Werkes als Streichsextett, wirkt etwas aufgesetzt und kaum organisch aus der Musik heraus entwickelt.

Erfreulichster Aspekt dieser Einspielung ist noch das Klangbild: trennscharf und gut ausbalanciert, ohne übermäßig lärmende Tutti. Die romantischen Streicherkantilenen im 'Adagio' der Symphonie sind so eine wahre Freude, ebenso die langsame Einleitung zur Konzertouvertüre 'Im Frühling' op. 30, die sonst kaum in Erinnerung bleibt. Doch es bleiben die schönen Stellen, an denen man sich als Hörer gleichsam entlang hangelt, und die von langen Durststrecken unterbrochen sind.

Jederzeit wird hier technisch sauber und präzise, auch mit viel Feingefühl vonseiten des Dirigenten musiziert, doch man kann Klughardts Werke nun einmal nicht besser spielen als sie sind. Nach Kenntnisnahme der Fünften Symphonie bleibt es fraglich, ob man die vier vorangegangenen Gattungsbeiträge unbedingt kennen muss. Diese CD bleibt wohl doch ein Fall für Spezialisten, die sich in die unbekannte Orchestermusik des späteren 19. Jahrhunderts vertiefen wollen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    August Klughardt: Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 71

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
23.09.2013
Medium:
EAN:

CD
0761203769322


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Klughardt, August
 - Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 71 - Allegro non troppo (sempre molto moderato e maestoso)
 - Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 71 - Adagio
 - Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 71 - Allegro vivace - Piú moderato - Allegro vivace
 - Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 71 - Andante
 - Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 71 - Allegro molto
 - Konzertouvertüre - Sehr langsam - Lebhaft
 - Festouvertüre Es-Dur op. 78 - Langsam - Lebhaft - Langsam


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Dirigent(en):Hermus, Antony
Orchester/Ensemble:Anhaltische Philharmonie Dessau


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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