> > > Pandolfi Mealli, D. Gio. Antonio: Violinsonaten op.3 Nr.1-6
Samstag, 6. März 2021

Pandolfi Mealli, D. Gio. Antonio - Violinsonaten op.3 Nr.1-6

Eigener Kosmos


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Violinsonaten von Pandolfi Mealli, in ihrer störrischen Eigenständigkeit bezwingend gespielt von Gunar Letzbor und seinem feinen Ensemble Ars Antiqua Austria.

Giovanni Antonio Pandolfi Mealli (1624-1687) wird im Booklettext der aktuellen Platte von Gunar Letzbor und seinem feinen Ensemble Ars Antiqua Austria als Violinist, Reisender und Flüchtling beschrieben. Letzteres war er zumindest, nachdem er in Messina im Streit einen Kastraten in der Kathedrale der süditalienischen Stadt erstochen hatte. Violinist, und zwar ein herausragender, weithin anerkannter war er lange zuvor. Das dokumentieren neben zeitgenössischen Zeugnissen heute vor allem die überlieferten Arbeiten aus Pandolfis Feder.

Nachdem Gunar Letzbor vor einiger Zeit das Opus 4, eine frei gehaltene, eindrückliche Sonatensammlung eingespielt hat, liegt nun das Schwester-Opus mit der Nummer 3 vor. Auch zeigt sich Pandolfis violinistische Freiheit und Ausdruckskraft auf einem bemerkenswerten Höhepunkt – wiederum rhapsodisch gehalten, mit etlichen eindrücklichen Steigerungen, aber auch immer wieder echten Ruhephasen bis zu fast vollkommenem Stillstand aller musikalischen Entwicklung.

Verglichen mit op. 4 wirkt hier vieles kantabler und maßvoller ausgeformt, weniger sprunghaft und an den affektiven, auch dynamisch gesteigerten Höhepunkten orientiert. Vielmehr lässt in vielen Sätzen eine avancierte Adagiokultur aufhorchen, die deutlich mehr ist als die Phase zwischen zwei intensiven Höhepunkten. So entstehen ruhig gebaute Linien, durchaus mit spannungsvollen Momenten, wirken vor allem immer wieder fantasievoll belebte Reihungsformen harmonisch und lebendig.

Temperament & Elegie

Dass Gunar Letzbor sich in diesem Repertoire absolut wohlfühlt, hat er hinreichend bewiesen. Und er unterstreicht auch hier, dass er zu den wirklich interessanten Barockgeigern der Gegenwart gehört. Er wird mit seinem klaren, präzisen Ton in entfalteter Virtuosität dem bemerkenswerten technischen Anspruch der Sätze mühelos gerecht. Da prasseln echte Feuerwerke, nimmt die extrem variantenreiche Artikulation für das Spiel des Künstlers ein. Sein Zugriff erschöpft sich aber nicht in motorischer Kleinteiligkeit, die von frappierender Intensität belebt ist. Letzbor gestaltet auch die langsamen Sätze bezwingend und mit Seele, entfaltet die gelegentlich sogar eingängigen Linien mit feiner Elegie. Wichtig auch: Die zahllosen Übergänge zwischen der einen und der anderen Sphäre gelingen absolut überzeugend – bei Pandolfis Sprunghaftigkeit kein unwesentlicher Aspekt. Intonatorisch zeigt Letzbor sich souverän, durchaus mit Schärfen, die durch manch schroffe Attacke aber gerechtfertigt scheinen.

Bei all dem unterstützt ihn sein dezent und geschmackvoll, in vielen nuancierten Farben begleitendes Ensemble kongenial. Es sichert damit einen guten Teil des variablen, vielschichtigen Eindrucks der Musik. Gerade die gezupften Anteile von Gitarre, Erzlaute und Colascione sind unentbehrliche strukturgebende Mittel im gelegentlich sich Bahn brechenden Wahnsinn dieser Musik.

Natürlich sind die Tempi in einer enormen Spannweite, oft auf engstem Raum sich scharf kontrastierend, ausgeprägt und werden zu einem hervorstechenden Merkmal der Musik Pandolfis. Sie entschieden zu wählen und in ein bezwingendes Tableau einzufügen, ist kein kleines Verdienst.

Das Klangbild wirkt natürlich in den Raum integriert, plastisch und klar, in der Summe dezent. Dabei dann vielleicht auch etwas zu verhalten und zu schmal, gerade in der Präsentation des differenziert besetzten Bassregisters.

Gunar Letzbor überzeugt auch mit seiner zweiten Pandolfi-Platte und nimmt für dessen sehr eigentümliche, aber auch unleugbare Qualitäten ein. Das Ergebnis stellt aber auch das geigerische Vermögen und den künstlerischen Rang Letzbors heraus, getragen von einem harmonisch besetzten und aufmerksam begleitenden Ensemble.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pandolfi Mealli, D. Gio. Antonio: Violinsonaten op.3 Nr.1-6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
01.09.2013
Medium:
EAN:

CD
3760195733691


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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