> > > The Mythic Flute: Werke von Debussy, Berio, Takemitsu u. a.
Sonntag, 26. Juni 2022

The Mythic Flute - Werke von Debussy, Berio, Takemitsu u. a.

Intelligente Auswahl


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Carin Levine spürt den mannigfaltigen Klangfarben in den Flötenstücken hochvirtuos und ausdrucksvoll nach.

Mit ihrer neuen Solo-CD ‚The Mythic Flute‘ gibt die renommierte Flötisten Carin Levine nicht nur Einblicke in das ungeheure Spektrum von klanglichen Möglichkeiten der Querflöte, sondern zeigt durch die geschickte Auswahl der Werke, wie kompositorische Vorstellungen rasant die instrumentalen Möglichkeiten erweitert haben.

Claude Debussys 'Syrinx' gestaltet Carin Levine mit überzeugender struktureller Klarheit und meidet wohltuend klangliche Opulenz, die die zarten Linien dieses subtilen Werkes meist zudeckt. Darüber hinaus aber künden ihre Phrasierungen, ihre Dynamik- und Tempo-Modifikationen von einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit avantgardistischen Spieltechniken, die Carin Levine souverän beherrscht. Das schlägt sich natürlich auch in ihrer Sichtweise von Debussys Werk nieder und lässt diese so spannend werden.

Carin Levines fein modellierter Ton und ihre Fähigkeit, gewissermaßen rhetorisch zu phrasieren, lassen auch Luciano Berios 'Sequenza I' und 'Air' von Toru Takemitsu zum Erlebnis werden. Vor allem bei Berios vermeintlich ausgeforschtem Werk reibt man sich erstaunt die Ohren ob der vielfältigen Strukturen, die Levine hier noch entdeckt. Vor allem habe ich selten die kompositorischen Zusammenhänge mit den anderen Sequenzen so deutlich artikuliert gehört.

Mit den Werken 'Bone++' von Keiko Harada und 'Cary' Trevor Baca, jeweils für Bassflöte, sowie 'Sisyphus Redux' Brian Ferneyhough für Altflöte wird dem Hörer das überaus reiche Klangspektrum dieser Instrumentenfamilie vorgeführt, dessen Artikulationsspektrum vom eminent klaren, hellen und obertonreichen Ton bis hin zu subtilen perkussiven Effekten reicht. Sehr intensiv zu hören bei der Komposition 'Bone++' der japanischen Komponisten Keiko Harada, die mit ihrer hintergründigen Musiksprache einen reichhaltigen klanglichen und rhythmischen Kosmos erschafft, der vom reinen fast obertonlosen Ton über zarte tonliche Färbungen bis hin zu reinen rhythmischen Effekt reicht. Das ist alles nicht leicht zu musizieren und verlangt von der Interpretin äußerste instrumentale Beherrschung, gerade in den Passagen die fast bis zum vierfachen Pianissimo reichen. Vielleicht ist 'Bone++' mit seiner schattierungsreichen Musiksprache das vielleicht eindringlichste Werk dieser fabelhaften CD.

Überzeugend auch die Lesart der Kompositionen 'Mnemosyne' von Brian Ferneyhough für Bassflöte und Tonband. Das Werk 'Kumanyayi', ebenfalls für Flöte und Tonband, von Klaus Hinrich Stahmer führt den Hörer in eine entrückte mythische Klangwelt. Die Tatsache, dass bei Carin Levine Virtuosität nie zum Selbstzweck wird, sondern gewissermaßen selbstverständliche Basis der Interpretationen ist, macht die vorgelegten Interpretationen absolut überzeugend und ungemein ausdrucksstark.

Die vorliegende CD beweist ein weiteres Mal die hohe Kompetenz von Carin Levine in Sachen Flötenkunst und ist nicht nur Liebhabern von Musik für Flöte unbedingt zu empfehlen. Ein informatives Booklet und eine sehr gute Klangqualität tragen zum unbeschwerten Genuss der Aufnahmen, die zwischen Juli 1998 und September 2012 eingespielt wurden, bei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Mythic Flute: Werke von Debussy, Berio, Takemitsu u. a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Musicaphon
1
31.07.2013
Medium:
EAN:

CD
4012476557212


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Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


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