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Montag, 27. September 2021

Offenbach, Jacques - La Perichole

Volltreffer


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit dieser 'La Périchole' gelingt der Staatsoperette Dresden und dem Label cpo ein wahrer Volltreffer.

Diese Périchole ist eine wahre Wucht mit Temperament, Charme und mit Stimme! Daran lässt die Sopranistin Sabine Brohm in der Neueinspielung der Offenbach-Operette 'La Périchole' keinen Zweifel. Mit der Interpretin der Titelpartie steht und fällt eine Produktion der durchaus populären aber nicht unkomplizierten Exotismus-Operette aus der Feder des Deutsch-Franzosen Jacques Offenbach. Und der Staatsoperette Dresden und dem Label cpo gelingt mit der Neueinspielung von 'La Périchole' aus dem Jahr 2009 ein wahrer Volltreffer.

Das liegt zu großen Teilen an Sabine Brohm. Sie verfügt über die beneidenswerte Kombination von hörbarer Spielfreude und natürlicher Textgestaltung, gepaart mit einer vollen und charakteristischen Sopranstimme, die sowohl weiche und zarte Farben hervorzaubern als auch energisch zupacken kann. Die Sängerin findet eine ausgezeichnete Balance zwischen Tonschönheit und sorgloser Drastik. Neben dem bekannten Trinklied ist es aber vor allem ihre Ansprache im Finale des zweiten Aktes, die nachhaltig im Gedächtnis bleibt: ‚Was sind die Männer dämlich!‘ Bei Sabine Brohm atmet diese Nummer große Operettenluft. Das ist charmant, prägnant, souverän und hat Kraft. Auch in den Dialogpassagen kann Brohm mit ihrer natürlichen Sprechweise für sich einnehmen, während so mancher ihrer Kollegen eindeutig beim Gesang seine stärkeren Momente hat.

Überzeugende neue deutsche Übersetzung

Man muss aber feststellen, dass die Dialogregie der vorliegenden Aufnahme zu den wirklich besseren ihrer Art gehört. Die Dialoge sind ordentlich eingekürzt, so dass man der Handlung noch problemlos folgen und sogar manche Pointe erhaschen kann. Ob ein Ausruf wie ‚Lima sucht das Super-Lama‘ zu den großen komödiantischen Würfen der neuen deutschen Übersetzung gehört, bleibt fraglich, trübt aber den Gesamteindruck nicht im Mindesten. Denn die Neuübersetzung von Peter Ensikat erweist sich als bemerkenswert schlüssig. Ensikat zeigt Verständnis für Offenbachs sinnfreie und irritierend markante ‚Vokalperkussion‘ in den schmissigen Duetten zwischen Périchole und Piquillo und findet zu jedem Moment ein mehr oder weniger deutschsprachiges Pendant. Nie wirkt der deutsche Text gewaltsam unter Notenwerte gepresst oder gedehnt, er fließt hürdenlos daher und liegt den Sängern offenkundig gut in der Kehle. Die vereinzelten Modernisierungen fügen sich übergangslos ins Gesamtbild, die Sprache wirkt natürlich und in ihrer Direktheit ebenso komisch und überraschend wie das französische Original. Solche Übersetzungen sollte es öfter geben.

In sich stimmiges Gesamtpaket

Am Pult des Orchesters der Staatsoperette Dresden steht der Chef persönlich: Ernst Theis. Schon die Ouvertüre hat den nötigen Schmiss, reißt den Hörer ungefragt ins ferne Operetten-Peru mit sich fort. Die großen Finali profitieren von Theis‘ rhythmischer Prägnanz und großer Durchsichtigkeit, was nicht zuletzt ein Verdienst des hervorragenden Klangbildes ist. In Sachen Dynamik und Agogik ließe sich vermutlich ein überraschenderes Ergebnis erzielen, aber die Offenbach-Lesart eines Marc Minkowski steht hier nicht wirklich zur Debatte. Die vorliegende Einspielung ist in sich eine konsequente und runde Interpretation, die genau jene Punkte herausarbeitet und unterstützt, die für das Gelingen einer Produktion von Bedeutung sind. Das Orchester legt sich mächtig ins Zeug, der Chor ist bestens disponiert und alle Sängerdarsteller haben hörbare Freude an ihren jeweiligen Aufgaben.

In der Partie des Piquillo versprüht Jan Simon authentischen Charme und tenoralen Übermut. Mit vorbildlicher Artikulation macht er neben der dominanten Périchole von Sabine Brohm eine durchweg gute Figur. Auch der Don Andrès von Gerd Wiemer ist ein herrlich aufgeblasener Schnösel, der vielleicht fast schon zu schön gesungen ist. Wenn Périchole in dieser Konstellation vielleicht doch vom ‚bösen‘ Gegenspieler fasziniert wäre, könne man es ihr nicht verübeln. In den zahlreichen Nebenrollen sind die Ensemblemitglieder der Staatsoperette Dresden als wahre Luxusbesetzungen zu erleben: Jessica Glatte, Elke Kottmair, Tanja Höft, Marcus Günzel, Bernd Könnes und andere holen aus ihren kurzen Auftritten das Beste heraus.

Abschließend sind nach dem Genuss dieser mitreißenden 'Périchole' noch zwei Bonus-Tracks enthalten, die den Hörer mit der Wiener Fassung der Operette von 1874 vertraut machen. Das Diner-Finale des dritten Aktes und vor allem der virtuose ‚Geistinger-Walzer‘, den Offenbach für Wien nachkomponierte. Beide Nummern wurden im Augst 2010 eingespielt und verzeichnen Isabell Schmitt in der Partie der Périchole, die sich zwar wacker schlägt, aber innerhalb einer Arie natürlich nicht die Begeisterung für die eindrückliche Sabine Brohm vergessen machen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Offenbach, Jacques: La Perichole

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.08.2013
Medium:
EAN:

CD
761203749324


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Offenbach, Jacques
 - Ouverture -
 - Erster Akt - Nr. 1 Chor und Couplets der drei Cousinen
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 1b Reprise des Chors
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 2 Chor und Couplets
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 3 Indianischer Marsch und Auftritt der Sänger
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 4 Lied
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 5 Seguedille


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Dirigent(en):Runge, Thomas
Theis, Ernst
Orchester/Ensemble:Orchester der Staatsoperette Dresden
Interpret(en):Kottmair, Elke
Glatte, Jessica
Günzel, Marcus
Könnes, Bernd
Wiemer, Gerd
Simon, Ralf
Brohm, Sabine


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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