> > > Telemann, Georg Philipp: O erhabnes Glück der Ehe
Samstag, 24. August 2019

Telemann, Georg Philipp - O erhabnes Glück der Ehe

Goldhochzeit ohne Glanz


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Telemanns Gelegenheitsmusik gehört trotz bewährter Interpreten nicht zu seinen besten Werken.

Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Georg Philipp Telemanns in die Tausende gehenden Werkbestand nicht jedes davon ein großer Wurf ist. Das Etikett des fabrikmäßigen Vielschreibers dürfte er zwar inzwischen (hoffentlich) los geworden sein; trotzdem war es nur eine Frage der Zeit, bis bei der immer noch laufenden Entdeckung und Einspielung seiner Werke auch die schwächeren ans Tageslicht kommen. Dazu ist die vorliegende Hochzeitsmusik anlässlich der Goldhochzeit des Hamburger Kaufmanns Matthias Mutzenbecher von 1732 trotz der erwatungsgemäß fachkundigen Interpretation durch die Rheinische Kantorei und das Kleine Konzert unter Hermann Max leider zu zählen.

Telemann hat für diesen besonderen und für das 18. Jahrhundert sicher seltenen Festtag ein geistliches Oratorium für den offiziellen Teil in der Kirche und eine weltliche Serenata für die private Feier im Hause des Jubilars verfasst. Bleibt der geistliche Teil noch recht konventionell, entfaltet der Komponist im weltlichen Teil mehr Ambitionen einer individuellen Gestaltung. Das Oratorium verzichtet auf allzu üppige Prachtentfaltung, lediglich die Choräle werden durch Trompeten und Pauken unterstützt. Im Zentrum steht das deutsche Te Deum 'Herr Gott, dich loben wir', dem ein eher stille Dankbarkeit und Segenswünsche ausdrückender Text zur Seite gestellt wird. Telemanns Stillage wendet sich hier schon deutlich hörbar vom Barock ab, sie betont mit der Melodie eine größere Einfachheit.

Wenngleich Hermann Max mit seinem Ensemble wie kaum ein Zweiter weiß, wie man Telemanns Werk musikantisch und mit Verve interpretiert und dies auch hier umsetzt, kann das die oft uninspiriert wirkende musikalische Substanz nicht überdecken. Die Arien, auf denen der Schwerpunkt liegt, bieten den sämtlich bestens disponierten Solisten zwar dankbare Aufgaben zur Präsentation ihrer Kunst, bleiben aber durchweg ohne zündenden Gedanken. Das überrascht dann schon, da Telemann gerade hierfür immer zu haben ist. Nicht optimal, wenn auch nicht wirklich störend, ist zudem die hallige Akustik der Basilika Knechtsteden, in der die Aufnahme entstand.

Für mehr Abwechslung sorgt in der Serenata vor allem die Instrumentation. Telemann lässt zu den Arien und Ensembles abwechselnd solistisch Flöte, Oboe, Fagott und zwei Chalumeaux hinzutreten. Mittels allegorischer Figuren werden ganz in barocker Tradition die hervorragenden Eigenschaften des Paars in aller Ausführlichkeit besungen. Hermann Max stellt Telemanns Sinn für besondere Klangfarben ausdrucksstark heraus, beispielhaft sei das Ensemble 'Mit schwimmenden Augen, mit quillendem Herzen' genannt. Die fünf Solisten (Hannah Morrison, Sopran, Margot Oitzinger, Alt, Immo Schröder, Tenor, Matthias Vieweg und Christos Pelekanos, Bass) bilden ein wunderschön homogenes Ensemble, das den Segenswunsch mit großer Innigkeit vorträgt. Die beiden Chalumeaux fügen sich harmonisch ein.

Die CD fügt dem kompositorischen Bild Telemanns ein weiteres Mosaiksteinchen hinzu, das zwar zur Komplettierung gehört, aber trotz des Titels nicht besonders glänzt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: O erhabnes Glück der Ehe

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.08.2013
Medium:
EAN:

CD
761203780822


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Telemann, Georg Philipp
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Choral - Herr Gott, dich loben wir
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Rezitativ - O dreimal heilger Herr der Scharen
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Aria - Lass nebst den starken Cherubinen
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Rezitativ - Hier nähert sich zu deines Thrones Füßen
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Choral - Dein göttlich Macht und Herrlichkeit
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Rezitativ - So recht, ihr graubekrönten beiden
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Tutti - Siehe, also wird gesegnet der Mann
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Rezitativ - Erwägt, Glückselge, wie ihr tut
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Aria - Paar, dem tausend andre weichen
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Rezitativ - So sprecht demnach, ihr Hochbegabten
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Choral - Du König der Ehren, Jesu Christ
 - Oratorio Herr Gott, dich loben wir - Rezitativ - Nun aber, o du nie verkürzte Hand


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Dirigent(en):Hermann, Max
Interpret(en):Oitzinger, Margot
Schäfer, Markus
Schröder, Immo
Vieweg, Matthias
Morrison, Hannah
Pelekanos, Christas


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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