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Donnerstag, 29. Oktober 2020

Puccini, Giacomo - La Fanciulla del West

Die Schwedin mit der goldenen Stimme


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese DVD ist allemal ihre Anschaffung wert: Eine zu Unrecht vernachlässigte Oper, eine konsequente szenische Umsetzung und inmitten einer stark besetzten Herrenriege eine mitreißende Nina Stemme in der Titelpartie.

Sie führt seit ihrer Uraufführung ein Schattendasein: Giacomo Puccinis 'La fanciulla del West'. Sie ist vermutlich Puccinis mutigste und vielleicht auch modernste Oper und hat es leider nie zu ähnlicher Popularität gebracht wie 'Tosca', 'La bohème' oder die späte und unvollendete 'Turandot'. Das mag teilweise an fehlenden bzw. nahtlos integrierten Arien und Ensembles liegen, die im Rahmen von Wunschkonzerten die Popularität dieser Oper hätten steigern können, zum anderen ist Puccini in 'La fanciulla del West' auf den ersten Höreindruck hin weniger melodienselig unterwegs als in seinen anderen Opern. Das stimmt allerdings auch nur bedingt. Man muss die 'Fanciulla' eben nur öfter und genauer hören, um dasselbe Suchtpotential zu entdecken, das die anderen Puccini-Schlager bereits beim Operngänger geweckt haben.

Konsequente szenische Umsetzung

Die nun auf DVD vorliegende Stockholmer Produktion in der Regie von Christof Loy könnte das Interesse für das vernachlässigte Meisterwerk wieder entfachen (und letztlich taucht in den vergangenen Jahren die 'Fanciulla' tatsächlich auch wieder verstärkt auf den großen Opernbühnen auf). Christof Loy und seinem Team gelingt eine spannende Mischung aus konzentriertem Bühnengeschehen und filmisch gelöster Hollywood-Komponente. Die Oper beginnt als ein typischer Schwarz-Weiß-Western, der über die Leinwand flimmert, bis schließlich am Ende des Vorspiels die echte Darstellerin durch die Leinwand auf die Bühne bricht. Schon da: spontaner Beifall! Das Konzept geht auf.

Mit großen Gefühlen, starker Maske, klaren Kostümen und einem konsequenten Raumkonzept erzählt Loy die Geschichte von Minnie, den Goldgräbern, dem liebeskranken Sheriff Jack Rance und dem Tenor-Banditen Dick Johnson schnörkellos am Libretto entlang. In entscheidenden Momenten wird die Mimik der Darsteller filmisch auf die Rückwand projiziert. Totale und Close-Up verschmelzen zu einem eindrucksvollen Bild. Loys Erzählhaltung ist schlicht, die gezeigte Realität ist hart und frei von unnötigen Spielereien. Optisches Lokalkolorit verbreiten noch die Indianerin Wowkle und ihr Ehemann, ansonsten folgt man der Handlung mit filmischem Realismus in psychologisch aufgeladener Raumstruktur.

Eine ideale Minnie

'La fanciulla del West' steht und fällt mit der Titelfigur, an der sich schon so manche Sängerin die Zähne ausgebissen hat. Nina Stemme singt und spielt die Minnie mit Bravour. Ihr goldenes Timbre passt wunderbar zur herzlichen Schankwirtin, gleichzeitig vermittelt ihr robuster und strahlkräftiger Sopran das Bild einer starken Frau inmitten einer rauen Männergesellschaft. Stemme glänzt mit leuchtenden Spitzentönen, die auf einem soliden Fundament ruhen und endlosem Atem. Zugleich ist sie eine glaubwürdige Schauspielerin, der auch die nahen Kameraeinstellungen nichts von ihrer enormen Bühnenwirkung nehmen.

Ihr geliebter Dick Johnson ist in dieser Stockholmer Aufführung vom Februar 2012 Aleksandrs Antonenko, der sich in den vergangenen Jahren vor allem als Otello einen internationalen Namen gemacht hat. Sein Dick Johnson zeichnet sich durch glanzvolle Farbgebung, Durchschlagskraft und eine strahlende Höhe aus. Ein Schauspieltalent ist Antonenko allerdings nicht. Vermutlich hat Christof Loy deshalb seine Aktionen hauptsächlich auf Stehen und nachdenklich Schauen reduziert. Was Minnie an diesem Fremden so faszinierend findet, abgesehen von seiner Stimme, erklärt sich jedenfalls nur bedingt.

Ganz anders bei John Lundgren in der Rolle des Jack Rance. Lundgren macht eine blendende Figur, spielt mit großer Überzeugungskraft und veredelt die zwiespältige Figur des Sheriffs mit seinem kernigen und edlen Bariton. Es fällt schwer, keine Sympathie für Jack Rance zu haben. Und am Ende der hochspannenden Poker-Partie hat man fast ein wenig Mitgefühl mit dem unwissend Betrogenen.

Die große Besetzung an männlichen Nebenrollen kann in der Stockholmer Produktion auf ein hervorragendes Herren-Ensemble bauen, aus dem John Erik Eleby als Jake Wallace und Niklas Björling Rygert als Nick nur stellvertretend zu nennen sind. Pier Giorgio Morandi führt das Royal Swedish Opera Orchestra mit starker Hand durch die üppige Partitur, lässt sich aber auch Zeit, die wenigen zarten Stellen geschmackvoll auszukosten. Nach kitschiger Filmmusik klingt dieser Puccini in Morandis Händen nie.

Diese DVD ist allemal ihre Anschaffung wert: Eine zu Unrecht vernachlässigte Oper, eine konsequente szenische Umsetzung und inmitten einer stark besetzten Herrenriege eine mitreißende Nina Stemme in der Titelpartie.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Puccini, Giacomo: La Fanciulla del West

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
12.08.2013
Medium:
EAN:

DVD
880242725981


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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