> > > Bach, Johann Sebastian: 3 Sonaten für Violoncello & Cembalo
Donnerstag, 16. September 2021

Bach, Johann Sebastian - 3 Sonaten für Violoncello & Cembalo

Originalklangsuche


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die natürliche und offene Herangehensweise an die Bachschen Gambensonaten überzeugt durch außergewöhnlich hohe klanglichen Qualität und ein hervorragendes Zusammenspiel der beiden Musiker.

Die vorliegenden Sonaten Johann Sebastian Bachs waren nicht in erster Linie für die zu Bachs Zeiten schon aus der Mode gekommene Gambe gedacht, wurden aber von Bach selbst für dieses Instrument bearbeitet. Allerdings interpretieren Nicolas Altstaedt und Jonathan Cohen die Gambensonaten in vorliegender Einspielung in der Besetzung Violoncello und Cembalo. Dafür wurden die Cellosaiten um jeweils einen Halbton tiefer gestimmt. Eine Bespannung mit Darmsaiten war auf dem Instrument aus dem frühen 19. Jahrhundert, auf welchem Altstaedt spielt, nicht möglich. Die Tieferstimmung des Cellos gelingt zwar und überzeugt insgesamt auch klanglich. Doch vielleicht könnte Altstaedt für weitere ähnliche Einspielungen ein barockes Originalinstrument wählen, um den historischen Klangidealen noch ein Stück näher zu kommen.

Altstaedt und Cohen harmonieren bei der Interpretation dieser beeindruckenden Werke sehr gut miteinander und bieten ein überzeugendes, wohl reflektiertes Zusammenspiel. Der Klang Altstaedts ist erstaunlich anpassungsfähig, insgesamt angemessen dezent und vermittelt eine große Ausdrucksvielfalt. Gelegentlich überrascht Altstaedt durch (vermutlich ungewollte) Akzente und Betonungen, die manchmal gegen die Motivik und Phrasenbildung laufen, so beispielsweise im komplexen vierten Satz der Sonate in G-Dur BWV 1027, die vor allem als Triosonate für zwei Traversflöten und B. c. bekannt ist. Die Tempowahl der beiden erfahrenen Musiker gelingt bemerkenswert gut. Wie selbstverständlich fügen sich die Sätze in überzeugender Charakter- und Tempowahl zu einem Ganzen zusammen. Stellenweise wäre mehr melodischer ‚Gesang‘ im Violoncello wünschenswert, zum Beispiel im weichen, aber ausdrucksstarken und verzierungsreichen 'Andante' der Sonate in D-Dur BWV 1028.

Besonders hervorzuheben ist die lebhafte, spritzige Interpretation des 'Allegro' der Sonate in g-Moll BWV 1029. Lediglich an einigen Stellen laufen die Stimmen der beiden Musiker aufgrund des impulsiven Vorwärtsdrangs leicht auseinander. Die wechselseitige Belebung der Instrumentalstimmen sowie die gegenseitigen musikalischen Reaktionen gelingen auf vorbildliche Weise.

Schade, dass der Einführungstext im Booklet viel um den heißen Brei redet, ohne den wirklichen Kern der Werke und die Zielsetzung dieser Interpretation zu treffen. Die unbefangene, frische und gleichzeitig gut durchdachte Herangehensweise an diese einzigartigen Sonaten von Bach verdient aufgrund der individuellen Interpretation großes Lob.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Johann Sebastian: 3 Sonaten für Violoncello & Cembalo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
01.09.2013
Medium:
EAN:

CD
4260036252682


Cover vergössern

Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Genuin:

blättern

Alle Kritiken von Genuin...

Weitere CD-Besprechungen von Marion Beyer:

  • Zur Kritik... Inspiration und Prävention: Dieses Grundlagenwerk richtet sich an alle, die praktisch mit Musik zu tun haben. Trotz des breit adressierten Zielpublikums geht es in angemessener Weise in die Tiefe. Der Abschnitt mit praktischen Übungen könnte allerdings umfangreicher sein. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Wiederbelebte Gattung der Opernfantasie: Die vorliegende Aufnahme ist ein schöner Beitrag zur immer mehr vergessen Gattung der Opernfantasie, deren Zweck als Erinnerung an Opern und ihre Melodien in Zeiten der ständigen Abrufbarkeit von Medien hinfällig ist. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Mädchenhaftes Sein und Fühlen: Packende, mitreißende Interpretationen von Liedern Hugo Wolfs und Richard Strauss' und seltenes Repertoire mit Kompositionen von Ludwig Thuille sorgen für ein genussvolles, spannendes Hörerlebnis. Weiter...
    (Marion Beyer, )
blättern

Alle Kritiken von Marion Beyer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Leichte Kost mit Tiefgang: Die Ballettmusik 'La Filleule des Sees' von Adolphe Adam. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Milchmädchenrechnung : Die CD-Premiere von Egidio Dunis 'Les Deux Chasseurs et La Laitière' macht mit einer frühen Opéra comique bekannt. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Noble Fortsetzung mit Schnittke und Pärt: Der Estnische Philharmonische Kammerchor und sein Leiter Kaspars Putninš erweisen sich bei Alfred Schnittke und Arvo Pärt abermals als interpretatorisches Kraftwerk von Graden. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2021) herunterladen (3400 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ignacy Jan Paderewski: Violin Sonata op.13 in A minor - Intermezzo. Andantino

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich