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Mittwoch, 23. September 2020

Taffel Consort - Werke von Brade & Simpson

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Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Musik von William Brade und Thomas Simpson, entstanden in verschiedenen Residenzen Norddeutschlands, mit Einfühlung und Verständnis gespielt von Manfred Cordes und seinem Ensemble Weser-Renaissance.

Manfred Cordes untersucht den kulturellen Raum der Weser-Renaissance – dem Namen seines famosen Ensembles nachspürend – seit einiger Zeit näher. Entstanden ist dabei nach einer interessanten Platte mit eher unbekannten Werken Michael Praetorius‘ eine exzellente Einspielung der Madrigale Johann Grabbes. Nun, in der dritten Folge, ist reine Instrumentalmusik zu hören, auch sie mit sehr speziellem Zuschnitt: Es sind tänzerisch basierte Formen der reisenden Engländer William Brade (1560-1630) und Thomas Simpson (1582-1628). Der bekanntere der beiden Instrumentalisten und Komponisten ist zweifellos Brade, der an etlichen norddeutschen Höfen anzutreffen war und in diesem kulturellen Raum vielfältige Impulse für die Ausformung eines eigenständigen instrumentalen Idioms lieferte – ein Prozess, der sich in den Jahren um 1600 allerorten zu vollziehen begann.

Brades Sätze bieten die aus dem englischen Kontext bekannten, suitenartigen Verbindungen von Formen wie Paduana, Galliard, Coranta, Allmand, bewegt, lebendig und mit engen Verbindungen zwischen der englischen Consort-Tradition und der kontinentaleuropäisch beliebten Satzvariante mit zwei hohen Melodieinstrumenten gestaltet. Gerade gebrochene Besetzungen mit Streichinstrumenten und einer Flöte etwa wirken sehr attraktiv und gediegen. Formen abseits dieses Schemas wirken nochmals interessanter, zum Beispiel ein 'Coral' genannter Variationssatz für Solovioline und Basso continuo: Da zeigen sich besondere kompositorische Klasse und Individualität. Während Brade sich dem kontrapunktischen Prinzip noch vernehmlich verpflichtet fühlt, zeigt sich der um zwei Jahrzehnte jüngere Simpson ästhetisch moderner.

Seine Musik ist zwar gleichfalls von rhythmisch grundierter Lebendigkeit, doch wirkt sie im Ton schon etwas schlichter, fasslicher, zugänglicher, auch affektiv klarer und gelöster. Das mag den in ihrer Ausdehnung deutlich konzentrierten Sätzen geschuldet sein. Auch frische melodische Ideen im engeren Sinne des Begriffs lassen die Musik Simpsons moderner wirken, ohne dass Traditionen aber verleugnet würden.

Dezenz & Eleganz

Manfred Cordes hat für diese durchaus delikate Musik ein illustres Ensemble um sich versammelt: Vom Orgelpositiv aus leitet er die beiden Violinistinnen Veronika Skuplik und Irina Kisselova, dazu die Traversflötistin Sarah Möller, die Gambistinnen Hille Perl, Frauke Hess, Juliane Laake und Marthe Perl sowie die auf Laute, Cister und Bandora zupfenden Lee Santana, Mark Wheeler und Johannes Gontarski. Da wird ein brillantes Oberstimmenspiel entfaltet, über einem erlesen dichten Violensatz, mit eleganten Kontrasten aus der Flöte und feinen Impulsen der Zupfinstrumente. Insgesamt ist eine milde und dezente Klanglichkeit zu erleben, die kleine virtuose Prisen kennt, aber doch deutlich das Ensemble und dessen Wirkungen betont. Die Intonation der kleinen Formation ist harmonisch und ausgewogen, mit manchen instrumententypischen Farben, auch mit der Bereitschaft zur Schärfe immer da, wo es, wie bei Simpsons Pavane 'Sachevil’s dolorosi', der Musik und ihren Affekten eingeschrieben ist.

Es wird klar artikuliert, oft in tänzerischer Bewegung, da durchaus kontrolliert und restriktiv. Besonders die bei Brade präsenten und von den Instrumentalisten straff gesetzten rhythmischen Momente fallen auf. Aber auch die Oberstimmenlinearität von Violinen und Traversflöte wird mit Gewinn eingebracht, dazu ein unterschwellig geknüpftes Geflecht der Gamben. Im räumlich erwärmten Klangbild der in der Kapelle von Schloss Brake entstandenen Aufnahme gefällt die kammermusikalische Konzentration. Unterhalb des Diskants scheint das Bild aber zu wenig differenziert, wirkt die Basssphäre ebenso wenig optimal abgebildet wie die illustren Beiträge der drei Zupfinstrumente.

Die Platte betrachtet in der dritten Folge der Reihe zur Renaissance im Norden ein interessantes Phänomen: Reisende englische Virtuosen und Komponisten in verschiedener Herren Diensten. Brade, Simpson und andere hatten stilistischen Einfluss, waren produktiv, hinterließen dank aktiver Publikationstätigkeit bleibende Spuren – und nahmen damit Einfluss auf die Entwicklung der Instrumentalmusik in Norddeutschland. Ein feiner Beitrag zum nicht gerade üppig bestückten Repertoire.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Taffel Consort: Werke von Brade & Simpson

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
22.07.2013
Medium:
EAN:

CD
0761203995226


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Brade, William
 - Paduana & Galliard in G à 6 -
 - Paduana, Galliard & Coranta in a à 5 -
 - Ballett in d à 5 -
 - Coral -
 - Paduana & Galliard in G à 6 -
 - Allmand & Coranta in d à 5 -
 - Paduana & Galliard in g à 6 -
 - Allmand in G à 5 -
 - Paduana & Allmandi in G à 6 -
Simpson, Thomas
 - Intrada in d à 5 -
 - Courante & Volta in d à 5 -
 - Canzon in G à 4 -


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Dirigent(en):Cordes, Manfred
Interpret(en):Perl, Hille
Santana, Lee
Möller, Sarah
Skuplik, Veronika
Laake, Juliane
Perl, Marthe
Wheeler, Mark
Hess, Frauke


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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