> > > Vivaldi, Antonio: Fagottkonzerte
Samstag, 6. März 2021

Vivaldi, Antonio - Fagottkonzerte

Ungezähmt


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Rasseln, schnauben und edel verzierter Gesang: Alberto Grazzi zeigt in Vivaldis Fagottkonzerten virtuosen Umgang mit dem Barockfagott.

Es ist bis heute nicht sicher, für wen Antonio Vivaldi seine Fagottkonzerte komponierte. Vermutlich entstanden sie in der zweiten Hälfte von Vivaldis Schaffen für die Kapelle des böhmischen Grafen Morzin, dem Widmungsträger unter anderem der 'Vier Jahreszeiten'. Denn letzterer beschäftigte in seiner Kapelle einen virtuosen Fagottisten. Worüber es keine Zweifel gibt, ist die Tatsache, dass die 39 erhaltenen Konzerte für Fagott, Streicher und Basso continuo den Grundstock des Repertoires bilden – sowohl entstehungsgeschichtlich (es steht zu vermuten, dass Vivaldi gewissermaßen der ‚Vater‘ des Fagottkonzerts ist) als auch in Bezug auf die Quantität: Es gibt nun einmal nicht sehr viele Fagottkonzerte, weder im mittleren 18. Jahrhundert noch später.

Sieben der 39 Fagottkonzerte hat Alberto Grazzi mit dem Ensemble Zefiro für Arcana (Outhere Music France) eingespielt: die Konzerte Es-Dur RV 483, c-Moll RV 480, G-Dur RV 494, a-Moll RV 500, C-Dur RV 474, d-Moll RV 481 und RV 472. Das italienische Ensemble, zu dessen Gründungsmitgliedern der Fagottsolist zählt, hat bereits an der verdienstvollen Vivaldi-Reihe von Naive mitgewirkt; darüber hinaus hat sich das auf historische Instrumente spezialisierte Ensemble Meriten in weiteren Bereichen des barocken und klassischen Repertoires erworben. Auch hier zeigt es sich bestens aufgelegt. Die Streicherstimmen solistisch repräsentierend gelingt dem Ensemble ein transparentes Gewebe, das sich stets durchlässig zeigt und den Musikerinnen und Musikern immer wieder die Möglichkeit verschafft, plastisch ausformulierte Einzelstimmen besonders hell zu beleuchten. Der Continuo ist mit tiefen Streichern, Theorbe sowie alternierend Orgel und Cembalo passend zu den Streichern nicht üppig, aber klangfarbendifferenzierend besetzt. Vor allem die Theorbistin zeigt sich im Dialog mit dem Fagottsolisten in manchem langsamen Mittelsatz gestaltenreich musizierend.

Mit seinem leichtfüßigen, rhythmisch bewegten Spiel unterstützt das Ensemble Zefiro den Solisten auf denkbar lustvolle Weise. Selbst in schnellem, manchmal fast rasenden Tempo wirkt das Spiel geschmeidig und nach vorn gerichtet: Ganze Taktgruppen erklingen wie auf einen Atem genommen und weit ausschwingend, drängende Sequenzen sind mit dynamischer Zugkraft stets als Steigerung angelegt. Das macht das Spiel lebendig und flexibel in der Nachzeichnung der Affekte – und fügt sich mit dem virtuosen Spiel Alberto Grazzis zu einem runden Gesamteindruck.

Im Gegensatz zu seinem modernen Pendant wirkt das Barockfagott (Grazzi spielt eine Kopie eines Leipziger Fagotts nach J. H. Eichentopf) geradezu ungezähmt. Im hohen Register wirkt es etwas heiser, im mittleren nähert sich das Timbre einem Saxophon, in schnellem Passagenwerk rasseln die Klappen – ein Fest an klangfarblichem Reichtum, der von dem Interpreten mit Wonne und mit artikulatorischer Feinarbeit ausgekostet wird. Nicht nur der buffoneske Charakter des Fagotts kommt zum Tragen, auch seine kantablen Qualitäten werden in den langsamen Sätzen ausgelotet. Alberto Grazzi zeichnet die Linien der verzierten instrumentalen Arien mit feiner agogischer Biegsamkeit feinfühlig, ohne jede Übertreibung nach – manchmal wäre sogar noch ein wenig mehr freie Bewegung gegenüber der Begleitung denkbar bzw. wünschenswert.

Vivaldi zeigt sich in diesen Stücken als reifer Konzertkomponist. Einerseits wird durch die motivische Weiterentwicklung der Ritornell-Musik in den Soloteilen Zusammenhang gestiftet, andererseits gewinnen die Sätze durch affektive Reichhaltigkeit und Auflockerung großen Abwechslungsreichtum, besonders im Konzert d-Moll RV 481. Die lyrischen Einlagerungen in das stürmische Unisono-Ritornell gelingt Grazzi und dem Ensemble sehr erfrischend.

Die enge Abstimmung zwischen Solist und Ensemble zeigt sich auch im Klanglichen: Alberto Grazzis Fagott ist gegenüber den Streichern und dem Continuo nur wenig nach vorn gezogen. Das entspricht der Anlage der Stimmen, die durch die solistische Besetzung im Begleitensemble individuelle Profile erhalten. Das Beiheft enthält einen informativen Text eines Vivaldi-Spezialisten, allerdings nur auf Englisch, Französisch und Italienisch.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vivaldi, Antonio: Fagottkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
01.07.2013
Medium:
EAN:

CD
3760195733653


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