> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Serenade in B-Dur KV 361
Freitag, 18. August 2017

Mozart, Wolfgang Amadeus - Serenade in B-Dur KV 361

Wundervolle Euphonie


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zierde jedes gut sortierten Plattenschrankes: Diese Aufnahme von Mozarts B-Dur-Serenade ist in klanglicher wie interpretatorischer Hinsicht ein Glücksfall.

Betrachtet man die Rückseite vorliegender Aufnahme, die, so viel sei bereits am Anfang preisgegeben, zu den Preziosen meiner Sammlung zählen wird, so findet man ein Foto des Ensembles namens Stuttgart Winds, doch ist links im Verlorenen Profil auch der Tonmeister zu erkennen. So ungewöhnlich es ist, dass der ‚stumme Interpret‘ ins Bild tritt und den agierenden Musikern zur Seite gestellt wird, so angemessen ist es in diesem Fall. Freilich, ohne Musiker hätte der Tonmeister wenig zu schaffen; aber bei einem Tonträger handelt es sich um ein Kunstprodukt, und da zählt die Arbeit des Klangtechnikers nun einmal ganz entscheidend. Den Tonmeister ins Bild zu nehmen, ist mehr als berechtigt, denn die bei Tacet erschienene Aufnahme von Wolfgang Amadeus Mozarts Serenade B-Dur KV 361 besticht nicht zuletzt durch ihre phänomenale klangliche Differenziertheit, Fülle, Ausgewogenheit und Farbigkeit.

Im Zentrum steht Mozarts sogenannte ‚Gran Partita‘, die Serenade B-Dur KV 361 für zwölf Bläser mit Kontrabass, die man in Mozarts Schaffen zusammen beispielsweise mit den Streichquintetten und dem Hornquintett zu den Höhepunkten zählen darf. Im Gegensatz zu den kompakten Satzanlagen der früheren Bläserwerke sind in der wahrscheinlich Ende 1783/Anfang 1784 entstandenen B-Dur-Serenade sinfonische Dimensionen mit kammermusikalischer Selbständigkeit der Stimmen, formale Feinarbeit mit größtem Farbenreichtum in einen bewundernswerten Ausgleich gebracht. In idealer Balance tritt auch das aus Musikerinnen und Musikern des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR gebildete Ensemble Stuttgart Winds dem Hörer entgegen. Im Gegensatz zu vielen anderen Einspielungen wird hier die Eigenfarblichkeit der Instrumente mit einem homogenen, äußerst angenehm fülligen, euphonischen Klang in Einklang gebracht. Das zeigt einmal mehr, dass es nicht nur auf die verwendeten Instrumente ankommt, sondern vor allem wie sie angewendet – und wie sie klangtechnisch aufgenommen werden. Ensembles mit historischen Instrumenten, von denen man größere klangliche Trennschärfe erwarten könnte, wirken im Vergleich zu dieser in der Balance der Stimmen großartigen Einspielung weitaus kompakter, gedrängter in der Klanglichkeit – und oftmals viel weniger farbig.

Das liegt an der in klangfarblicher und dynamischer Hinsicht wie auch in Bezug auf die Balance der Stimmen schlichtweg kongenialen Klangwiedergabe dieser mit angemessener Raumtiefe aufwartenden Aufnahme. Aber vor allem geht der positive Eindruck auf die wunderbar belebte musikalische Interaktion des Ensembles zurück. Schon in der langsamen Einleitung des Kopfsatzes zeigt sich, wie feinsinnig und federleicht die sich aus dem Punktierungsmotiv herauslösenden Solostimmen agieren. Das Hauptthema, das den ersten Satz fast komplett durchzieht, legen die Musiker sehr leichtfüßig an; der kurze Vorschlag gerät luftig und grazil, aber nicht übertrieben kurz. Gegen Ende der Exposition setzen die Hörner beherzte Akzente, als spielten sie auf den Instrumenten der Mozart-Zeit. Immer wieder sorgen die Stuttgart Winds für betörende Farbschattierungen, etwa in der Durchführung, wenn das Hauptthema ganz weich und geheimnisvoll aus den Tiefen aufsteigt. Die Stimmenbalance ist durchweg beispielhaft, auch die Farbgebung gerät nuancenreich; die beiden Bassetthörner bringen ihr dunkles, aber weiches Kolorit in schmeichelhafter Weise ein.

Von ganz besonderem Charme ist das ruhige, aber stets mit fließender Bewegung ausgestattete 'Adagio', dessen differenziert beleuchtete Satzebenen sich schmiegsam miteinander verbinden. Neben den freudig bewegten Tanzsätzen, aus denen das Trio II des zweiten Menuett-Satzes mit seiner feinen Rubato-Zeichnung des bodenständig-kraftvollen Ländlers hervorragt, ist es freilich der einzigartige Variationssatz, in dem das Ensemble die Klaviatur bläserischer Farbigkeit virtuos bedienen kann.

Abgerundet wird diese exquisite Aufnahme mit einer Bläserbearbeitung (aus der Hand von Dirk Altmann, dem Klarinettisten des Ensembles) der ursprünglich für mechanische Orgel komponierten Fantasie f-Moll KV 608, in der nach dem Vorbild einer französischen Ouvertüre ein langsamer, hier mit Trauergesten ausgestatteter langsamer Abschnitt mit fugierten Teilen alterniert. Auch hier begeistert das Ensemble mit affektiv aufgeladenem Spiel und subtiler Färbung, insbesondere im zart aufleuchtenden Mittelabschnitt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Serenade in B-Dur KV 361

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
15.07.2013
EAN:

4009850020905


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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