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Donnerstag, 27. April 2017

Wagner, Richard - Klaviersonaten & Lieder

Abseitig


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der weitestgehend unbekannte Wagner: CPO widmet sich den beiden frühen Klaviersonaten sowie Wagners "Faust"-Kompositionen - mit großem Erfolg.

Wagner historisierend, das ist schon seit Langem nichts Neues mehr; das 'Siegfried-Idyll' wurde auf alten Instrumenten eingespielt, der 'Fliegende Holländer', momentan sorgt der 'Parsifal' für Furore – da liegt es für entsprechend interessierte Musiker nahe, sich im Wagner-Jahr auch mit Bereichen zu befassen, für die der Schöpfer großer Musikdramen nicht primär bekannt ist. Von den 'Sieben Kompositionen zu Goethes ‚Faust‘' (1831) hatte ich schon mehrfach gehört, doch während mir die 'Faust-Ouvertüre' (1840/1843) natürlich geläufig ist, hatte ich wohl unterschwellig immer auf die nun vorliegende Einspielung gewartet.

Wie bei vielen anderen Jugendkompositionen Wagners wären auch die ‚Faust‘-Kompositionen seinem Schöpfer nur schwer zuzuweisen. Der noch nicht Achtzehnjährige erkundet hier eher in Spohr’schem oder Marschner’schem Fahrwasser musikdramatische Situationen. Die emotionale Tiefe der einzelnen (zumeist extrem kurzen) Stücke kündet von einem veritablen Musikdramatiker, wenn auch noch in der Tradition der Balladenkomposition der Zeit. Nur in drei Fällen tritt Wagner in engste Konkurrenz zu vielen berühmten Vertonungen (Flohlied, Mephistopheles‘ Serenade, Gretchen am Spinnrade, ‚Ach neige, du Schmerzenreiche‘), doch hier wie dort ist der dramatische Gehalt der Szenen das für ihn Wesentliche (‚Ach neige, du Schmerzensreiche‘ vertont er als Melodram).

Den Interpreten der vorliegenden CD gelingt eine entsprechend dramatische Darbietung. Mit großem Erfolg gelingt der Spagat zwischen historisierender Akkuratesse und großer Lebendigkeit. Der Bariton Peter Schöne lotet die extremen Ausdrucksaspekte etwa in den Mephistopheles-Liedern aus, mit viel Sinn für Ironie und Witz, die Sopranistin Magdalena Hinterdobler bietet ein leider nicht jugendliches, aber umso dramatischeres, in der Schlussszene teilweise fast exaltiertes Gretchen. Mauro Peter komplettiert das Gesangsensemble mit einem nicht allzu stark geforderten, auch dramatisch kaum belasteten eher lyrischen Tenor; das Männer-Doppelquartett des Madrigalchors der Hochschule für Musik und Theater München (warum gibt das Booklet nicht die Namen?) steuert lebhaften, frischen Chorklang bei. Die Fäden in der Hand aber behält Tobias Koch, der auf dem Opus 1-Hammerflügel Eduard Steingraebers von 1852 ein vielfarbiger Partner ist, der klanglich bestens mit den Singstimmen harmoniert, in ganz der rechten Mischung aus Wärme und Kraft.

Ich muss gestehen, dass auch mir der Umfang der beiden frühen Klaviersonaten opp. 1 und 4 nicht bewusst war. Die beiden 1831/2 entstandenen Werke präsentieren einen Komponisten, der sich der Herausforderung Beethoven selbstbewusst stellt. Die erste Sonate in B-Dur ist viersätzig und verrät nicht nur souveräne Beherrschung der Form, sondern auch beachtliche Erfindungskraft. Das 'Adagio' ist von großer Schönheit und Tiefe, mit einigen großen Gesten, die den künftigen Musikdramatiker erahnen lassen; eine gewisse Nähe zu Schubert ist an bestimmten Stellen unüberhörbar. Die Traditionsnähe zeigt sich an dem Menuettsatz, dessen Trio jedoch wieder ganz zeitgenössisch im besten Sinne ist. Die zweite Sonate in A-Dur ist dreisätzig und von noch dramatischerem Duktus. Ohne Blick auf den Namen wäre die Sonate jedenfalls stets ein eindrucksvoller Programmpunkt in einem Schubert- oder Beethoven-Konzert. Das farbenreiche Hammerklavier, bestens in Schuss und bestens aufgenommen, ist ein äußerst passendes Instrument, perfekt von Tobias Koch beherrscht, dem Referenzeinspielungen der beiden Sonaten gelungen sind.

Eine ganz eigene Wagner-Welt, die weder auf den ersten noch den zweiten Blick naheliegend ist, aber darum nicht weniger attraktiv. Ein paar Kleinigkeiten im Booklet (Stimmverteilung bei den Gesangstexten, wirkliche Gründe für die Wahl eines zwanzig Jahre nach Komposition entstandenen Instrumentes) trüben den Gesamteindruck nur wenig. Insgesamt sehr empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagner, Richard: Klaviersonaten & Lieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
24.06.2013
EAN:

761203780020


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Wagner, Richard
 - Klaviersonate A-Dur op. 4 WWV 26 - Allegro con moto
 - Klaviersonate A-Dur op. 4 WWV 26 - Adagio molto, e assai espressivo
 - Klaviersonate A-Dur op. 4 WWV 26 - Maestoso - Allegro molto
 - Sieben Kompositionen zu Goethes Faust WWV 15 - Lied der Soldaten
 - Sieben Kompositionen zu Goethes Faust WWV 15 - Bauer unter der Linde
 - Sieben Kompositionen zu Goethes Faust WWV 15 - Branders Lied
 - Sieben Kompositionen zu Goethes Faust WWV 15 - Lied des Mephisopheles
 - Sieben Kompositionen zu Goethes Faust WWV 15 - Lied des Mephistopheles
 - Sieben Kompositionen zu Goethes Faust WWV 15 - Gretchen am Spinnrade
 - Sieben Kompositionen zu Goethes Faust WWV 15 - Melodram
 - Klaviersonate B-Dur op. 1 WWV 21 - Allegro con brio
 - Klaviersonate B-Dur op. 1 WWV 21 - Larghetto


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Dirigent(en):Koch, Tobias
Interpret(en):Koch, Tobias
Peter, Mauro
Schöne, Peter
Hinterdobler, Magdalena


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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