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Montag, 19. November 2018

Schütz, Heinrich - Il Primo Libro de Madrigali

Schütz als Madrigalist


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Man sollte es ruhig gelegentlich betonen: Heinrich Schütz war ein herausragender Madrigalkomponist. Auf der vorliegenden Platte wird das vom Ensemble Sette Voci unterstrichen, von Peter Kooij umsichtig geleitet.

Es ist für die deutsche Rezeption Heinrich Schütz‘ eine durchaus ungewohnte Perspektive: Man kann, wie es Fritz Krämer im lesenswerten Booklet-Essay der aktuellen Einspielung der Madrigale des Opus 1 vorschlägt, Schütz ausweislich dieses 1611 gedruckten ‚ersten musicalischen Werckleins‘ als Madrigalisten von Rang beschreiben, in einer Reihe und auf Augenhöhe mit solchen Größen wie Monteverdi, Gesualdo oder Marenzio befindlich.

Denn die neunzehn Arbeiten dieser Sammlung bilden ein vollgültiges, auf der Höhe der Zeit befindliches Madrigalbuch von höchst individuellem Zuschnitt. Schütz zeigt sich bereits hier dezidiert und sensibel in der Ausgestaltung des Verhältnisses von Text und Musik, auch überzeugt er mit dem durchdachten Einsatz der durchaus nicht mehr in ihrer Gesamtheit gebräuchlichen Kirchentonarten, je den Affekten zugeordnet. Natürlich ist diese Musik – quasi als Abschlussarbeit der Lehrzeit bei Giovanni Gabrieli – gelehrt und durchdacht, offenbart diese Qualitäten auch. Doch ist sie zugleich intensiv empfunden, klangsinnlich und affektstark – in der Verbindung dieser verschiedenen Sphären also höchst kunstfertig im besten Sinne, ein vollgültiges Meisterwerk des gerade 25jährigen. Diese frühe Höhe der Kunst bei Schütz ist tatsächlich immer wieder beeindruckend.

Nobel und souverän

Der niederländische Bassist Peter Kooij hat sich Schütz‘ Opus 1 mit seinem Ensemble Sette Voci vorgenommen. Das ist eine Formation, bestehend aus hochpotenten, auch solistisch überaus erfolgreichen jungen Stimmen. Angeführt von den Sopranen Hana Bla?iková und Zsuzsi Tóth singen unter anderem die Altistin Margot Oitzinger, die Tenöre Satoshi Mizukoshi und Jan Kobow, schließlich der famose Bass Dominik Wörner. Das Diskantregister ist leuchtend klar, leicht und elegant; beide Soprane singen ihre Partien mit lebendiger Brillanz und einiger Mühelosigkeit. Dominik Wörner ist mit seiner konturenklaren Tiefe, seiner Wärme und Durchdringungsfähigkeit der Fixpunkt im Fundament des Satzes. Die Mittelstimmen fügen sich elegant und absolut stimmig in das durchaus gelegentlich heikle Geflecht der abwechslungsreichen Sätze Schütz‘ ein. Neben der klanglichen Noblesse und einer höchst kultivierten Expressivität bringen die Vokalisten auch die Bereitschaft und Befähigung zur geschmackvollen Überzeichnung ein, so im beziehungsreichen 'Feritevi, ferite'.

Peter Kooij lässt das vokale Geschehen angemessen instrumental grundieren: Ein fein artikulierter Violone von Armin Bereuther überzeugt ebenso wie der von Julian Behr delikat gespielte Chitarrone oder die von Lorenzo Feder immer wieder mit klangvoller Vollgriffigkeit traktierten Orgel und Cembalo. Kooij wählt die Tempi durchaus flüssig und belebt, dabei ohne Hast und mit reicher Binnendifferenzierung. Intoniert wird stabil und frei, bei aller wünschenswerten Leichtigkeit des Ensembleklangs. Die Artikulation erweist sich als agil, die vielen kleinteiligen Impulse glücklich aufgreifend – da wird eine Menge sängerischer Energie auf höchst elegante Weise entfaltet. Im Kontrast dazu stehen edle Lyrismen. Das Klangbild ist klar, plastisch und überzeugend gestaffelt, mit glänzender Höhendisposition. Es ist zugleich latent bassunfreundlich, was Dominik Wörner freilich mit seiner unglaublichen Präsenz weitgehend ausgleicht.

Sette Voci und Peter Kooij unterstreichen die eindeutige Überlegenheit des solistischen Ansatzes in diesem Repertoirebereich bei Schütz. Sie nutzen die Möglichkeiten der Besetzung überzeugend aus und stellen eine wirklich runde Deutung dieses ersten und einzigen Madrigalbuchs aus der Feder Heinrich Schütz‘ vor, die in der nicht allzu langen Reihe weiterer Einspielungen klar bestehen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Il Primo Libro de Madrigali

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203711024


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Schütz, Heinrich
 - O primavera -
 - O dolcezze amarissime -
 - Selve beate -
 - Alma afflitta, che fai? -
 - Cosi morir debb'io -
 - D'orrida selce alpina -
 - Ride la primavera -
 - Fuggi, fuggi, o mio core! -
 - Feritevi, ferite -
 - Fiamma ch'allaccia -
 - Quella damma son io -
 - Mi saluta costei -


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Interpret(en):Kobow, Jan
Mizukoshi, Satoshi
Oitzinger, Margot
Toth, Zsuzsi
Blazikova, Hana
Behr, Julian
Bereuter, Armin
Kooij, Peter
Wörner, Dominik
Pfeifer, Julius


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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