> > > Blanc, Adolphe: Streichquintette Nr. 3, 4 & 7
Montag, 14. Oktober 2019

Blanc, Adolphe - Streichquintette Nr. 3, 4 & 7

Musik, die ins Ohr geht


Label/Verlag: Es-Dur
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wieder ist eine Lücke geschlossen: Adolphe Blancs Streichquintette sind ein Beispiel für die Kammermusikpflege in Frankreich zur Zeit der Grand Opéra in der Generation zwischen Onslow, Franck und Saint-Saens.

Nur wenigen von Ihnen wird der Komponist Adolphe Blanc ein Begriff sein, denn seine Musik ist heute nahezu vollkommen vergessen. Blanc studierte schon mit 13 Jahren Violine am Consérvatoire in Paris und später auch Komposition bei keinem geringeren als Fromenthal Halévy, dem Lehrer Gounods und Bizets. Anders als diese beiden wandte er sich neben seinem Brotberuf als Orchesterleiter und Geiger am Pariser Théatre Lyrique nicht der Komposition von Opern zu, sondern schrieb fast ausschließlich Kammermusik. Vieles davon gehört in den Bereich der seichten Muse und Salonmusik. So bediente er zum Beispiel mit seinen zahlreichen Bearbeitungen von Opernmelodien für Geige und Klavier einen kurzzeitig boomenden Markt.

Auch die hier eingespielten Streichquintette gehen leicht ins Ohr und haben durch die Hinzunahme des Kontrabasses zum Streichquartett Serenaden-Charakter, sind aber andererseits so vielseitig und handwerklich gut gearbeitet, dass sie verdient haben, nicht in den Bereich der Salonmusik weggeschoben zu werden. Als Komponist von Kammermusik im von der Oper dominierten Frankreich setzte Blanc die Traditionslinie von Georges Onslow fort, auch wenn seine Musik kaum romantisch klingt, sondern eher, als wäre sie bei Haydn und Mozart stehen geblieben.

Dazu kommt ein der italienischen Oper entlehntes Primat der Melodie, die die kontrapunktische Arbeit in den Hintergrund drängt; allerdings macht sie die Musik aber sehr eingängig und hörenswert. Der Kontrabass verleiht dem Ensemble eine orchestrale Fülle und gibt dem Cello immer wieder die Freiheit, sich solistisch zu entfalten. Zu seinen Lebzeiten wurde Blancs Musik offensichtlich hoch geschätzt, denn er wurde 1862 für seinen Einsatz für die Kammermusik in Frankreich mit dem Prix Chartier der Académie des Beaux Arts ausgezeichnet. ‚Die Suche nach neuen Formen und bizarren Modulationen ist weniger ein Beweis schöpferischer Kraft als vielmehr ein Eingeständnis des Unvermögens.‘ Dieses Zitat eines Freundes von Blanc aus einem Brief an diesen verrät, in welch konservativen Kreisen Blanc sich aufhielt. Allein das als letztes auf dieser CD eingespielte siebte Streichquintett überrascht mit frühromantischen Elementen, z. B. in der schnellen Scherzo-Tarantella oder der dunklen Einleitung und der Geigenkadenz vor dem opernhaften stretto-Finale.

Das aus Mitgliedern des NDR-Sinfonieorchesters gebildete fabergé-quintett interpretiert diese drei Quintette Blancs musikalisch feinsinnig und musikantisch leicht und macht diese CD zu einer guten Stunde angenehmen, wenig komplexen Hörgenusses. Das dreisprachige Booklet liefert gute Basisinformationen über diesen weitestgehend unbekannten Komponisten und rundet den positiven Eindruck dieser CD ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Blanc, Adolphe: Streichquintette Nr. 3, 4 & 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Es-Dur
1
28.06.2013
Medium:
EAN:

CD
4015372820466


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Es-Dur

ES-DUR ist ein Label für klassische und zeitgenössische Musik mit Sitz in Hamburg. Das Label wurde 1992 zusammen mit dem Label CHARADE vom Tonmeister Eberhard Schnellen gegründet und erwarb sich aufgrund der herausragenden künstlerischen und technischen Qualität der mittlerweile rund 50 Veröffentlichungen schnell einen sehr guten Ruf. Im Frühjahr 2011 übergab Eberhard Schnellen die Führung des Labels in die Hände seiner langjährigen Mitarbeiter Karola Parry und Udo Potratz, beide ebenfalls Tonmeister.

ES-DUR bietet sorgfältig produzierte Editionen wie die Kammermusikreihe mit David Geringas und Tatjana Schatz. Im Rahmen dieser Reihe legte David Geringas im November 2011 mit GERINGAS PLAYS BACH PLUS eine außergewöhnliche Einspielung der Cello-Suiten von J.S.Bach vor, die in der Presse überaus positiv aufgenommen wurde.

Die Reihe MUSIK AM GOTHAER HOF mit der Thüringen Philharmonie Gotha unter Herrman Breuer und bekannten Solisten wie Antje Weithaas, Jens Peter Maintz oder Michael Sanderling reflektiert das reiche musikalische Schaffen der Komponisten vom Gothaer Hof wie Louis Spohr, Georg Anton Benda und Andreas Romberg und wurde in der Fachpresse mit höchstem Lob bedacht.

Der ES-DUR-Katalog repräsentiert den Reichtum und die Vielfalt der Musikgeschichte und Gattungen, großen Raum finden aber auch die spannenden musikalischen Entwicklungen der Gegenwart - der Klang unserer Zeit.


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